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Alles für den Hund

Zu jedem Hundehaus gehört eine Wiese zum Spielen und Toben. Fotos re
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Zu jedem Hundehaus gehört eine Wiese zum Spielen und Toben. Fotos re

Vor fast 70 Jahren gegründet und seit 1969 in Obertaufkirchen, betreibt Familie Maier-Breitsamer die älteste Hundepension Europas. Auf 30000 Quadratmetern werden in der Hauptsaison bis zu 70 Hunde ausgebildet und liebevoll umsorgt. Ein Besuch.

Obertaufkirchen - Steigt man vor der Hausnummer 2 in Wendenheim, kurz hinter Obertaufkirchen, aus dem Auto, wird man gleich vom lauten Gebell der "Pensionsgäste" begrüßt. Abgesehen davon, weist auf dem weitläufigen Gelände bis auf einen gelben Tunnel und einen Napf vor der Haustür nichts auf die außergewöhnlichen Bewohner hin. Dabei wohnen hier in der Hauptsaison bis zu 70 Hunde, die meisten von Stammkunden. Oder von Prominenten. Auch Erol Sander oder Kai Pflaume vertrauen auf die Obertaufkirchener Obhut.

Nicht Arbeit, mehr Hobby

Außer der Familie Maier-Breitsamer kümmern sich noch 14 Mitarbeiter rund um die Uhr um die Pensionsgäste und ermöglichen eine genau auf den einzelnen Hund zugeschnittene Betreuung. "Ein Hund kann sich hier wie zu Hause fühlen, denn für uns alle ist das weniger eine Arbeit, sondern vielmehr ein Hobby", meint Alexander Breitsamer.

Er erklärt außerdem, dass bei der Arbeit mit Hunden Kontinuität das Stichwort sei: "Der Hund ist ein Gewohnheitstier. Ständige Veränderung in seiner Umgebung würde ihn nervös machen." Man legt Wert darauf, dass jedes Tier für die Dauer des Aufenthalts den gleichen Pfleger hat, zur selben Zeit gefüttert und beschäftigt wird. "Das Grundgerüst ist immer gleich. Abwechslung und Spannung gibt es in den einzelnen Elementen." Mit Elementen meint er zum Beispiel die ausgedehnten Spaziergänge oder das Toben auf der Wiese. Aber auch Unterricht gehört zum Tagesablauf. Der ist bei jedem Unterschiedlinch: Manche üben noch, nicht an der Leine zu ziehen, andere trainieren bereits verschiedene Parcours. "Das Wichtigste am Unterricht ist Zwanglosigkeit. Mit Belohnungen erreicht man am meisten", erklärt er. Von Spiel, Spaß oder Training ist beim Rundgang allerdings nicht viel zu sehen, denn es ist Zeit für das Mittagessen. Und für einen kleinen Ausflug in die Familiengeschichte:

Alexander Breitsamer ist der Enkel der heutigen Seniorchefin Anneliese Maier, die 1946 die erste Hundepension Europas in München-Giesing gegründet hat. Kurz darauf begann sie mit der Zucht Deutscher Doggen. "Das war damals schon ihr größter Traum."

Individuelle Stärken

20 Jahre später stieg ihre Tochter Frances in die Pension und den Zuchtbetrieb mit ein. Obwohl in Obertaufkirchen mittlerweile nicht mehr gezüchtet wird, ist Frances immer noch Landeszuchtwart in Bayern. "Die deutsche Dogge ist ein wundervolles Tier. Auf der einen Seite ist sie trotz ihrer 70 Kilogramm und einem Stockmaß von bis zu 90 Zentimetern ein sehr kuschelbedürftiger Schoßhund, auf der anderen Seite würde sie nie einen Fremden in den Garten lassen." Alexander spricht aus Erfahrung: Jedes Familienmitglied hat auch privat Hunde, darunter sind auch Doggen.

Aber es arbeiten nicht nur alle im Betrieb mit, jeder setzt seine individuellen Fähigkeiten zum Wohl der Hunde ein. Mit Hilfe von Alexanders Vater, Franz Breitsamer, dem damaligen Leiter der Münchner Polizeihundeschule, erhielt man 1986 die Zulassung als staatlich anerkannter Lehrbetrieb für Tierpfleger.

Eine Lehrstelle

Die einzige Lehrstelle ist zur Zeit unbesetzt, obwohl durchaus immer wieder Bewerbungen ankommen. "18 ist das Mindestalter, die meisten Bewerber sind jünger. Wir sind hier ja relativ abgeschieden und die Berufsschule liegt in Triesdorf (Mittelfranken), da sollte man schon mobil sein."

Auch die Hundeschule wurde von Franz Breitsamer aufgebaut. Sie bietet neben Selbstausbildung und Gruppentraining auch eine Internatsausbildung von 4-6 Wochen an, mit anschließender "Lernzeit" des Besitzers. "Je mehr Zeit sich der Besitzer für den Unterricht des Hundes nimmt, desto besser. Schließlich müssen beide lernen, der eine die Kommandos, der andere ihre Anwendung". Für jede Art der Ausbildung wird ein "Führerschein für Hundebesitzer" ausgestellt, der als Sachkundenachweis bei den Behörden gültig ist.

Neben der Hundeschule und dem Privathaus der Familie gibt es mittlerweile drei Hundehotels und eine 800 Quadratmeter große Allwetterhalle in Obertaufkirchen. Die Hundehäuser wurden wie Wohnhäuser geplant und anschließend erst auf die Bedürfnisse der Tiere eingerichtet. "So vermeiden wir, dass sich die Hunde verletzen oder etwas kaputt geht", schmunzelt Alexander Breitsamer. Jeder Raum ist für zwei Hunde ausgelegt und verfügt über viel Spielzeug, einen Garten und sogar eine Dusche. Auf diese Weise erhält jedes Tier Serviceleistungen wie Wellness, Bürsten, Fellpflege und regelmäßige Gesundheitschecks gleich im eigenen Raum.

Betrachtet man die malerische Umgebung und den liebevollen Umgang mit den Tieren, ist es kein Wunder, dass jedes Jahr zahlreiche Urlauber ihre Hunde zu dem unscheinbaren weißen Haus, kurz hinter Obertaufkirchen, bringen. elg

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