Veränderungen verdeutlichen

Alles beim Alten in Wasserburg? Der neue Stadtkalender klärt auf

Historisches Foto aus dem Dachfenster von St. Jakob Richtung Doppelstockkirche St. Michael, um 1925/30.
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Historisches Foto aus dem Dachfenster von St. Jakob Richtung Doppelstockkirche St. Michael, um 1925/30.

Von der Stadt Wasserburg heißt es, dass sie ihr historisches Antlitz bis heute erhalten habe. Wer aber genau hinsieht, entdeckt dennoch kleine und große Details, die sich verändert haben, beweist der Stadtbildkalender für 2021.

Von Mathias Haupt und Thomas Rothmaier

Wasserburg – Das Stadtarchiv freut sich, zum vierten Mal, den Stadtbildkalender mit historischen und vergleichenden aktuellen Ansichten herausgeben zu können, um auf diese Details aufmerksam zu machen.

Der Geschäftsstellenleiter des Rathauses, Thomas Rothmaier, und der Leiter des Stadtarchivs, Matthias Haupt, schöpfen erneut aus dem reichen Fundus des Bildarchivs und teilen zwölf Monate auf je sechs ausgewählte Geschichten auf. Sie stellen historische Fotos vor, erklären das, was einmal war und nun zu sehen ist. Museumsleiterin Sonja Fehler übernahm wieder Satz und Gestaltung des Kalenders, der nun – rechtzeitig vor Weihnachten – in Wasserburg erhältlich ist.

Vater und Sohn Mayr bestücken Bildarchiv

Der Jahreskalender beschäftigt sich heuer schwerpunktmäßig mit der Negativsammlung des Wasserburger Bildarchivs, die im Jahr 2020 digitalisiert und neu erfasst wird.

Einige der Fotografien (März, Mai, Juni und August) stammen von den Hobbyfotografen Georg Mayr und Georg Mayr (junior). Vater und Sohn waren wichtige Fotografen für das Bildarchiv: Georg Mayr ( geboren 1911, gestorben 1999) baute das städtische Bildarchiv auf und verwaltete es viele Jahre (von 1975 bis 1996) ehrenamtlich.

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Mayr brachte dabei auch eigene Fotografien in den Bestand ein. Eine wichtige Aufgabenstellung sah er darin, Veränderungen im Stadtbild festzuhalten und diese zu dokumentieren.

Das Interesse für Fotografie wird ihm schon von seinem Vater George Mayr /geboren 1879, gestorben 1927) mit auf den Weg gegeben worden sein. Denn dessen fotografischer Nachlass, den der Junior später dem Bildarchiv überließ, zeigt, dass dieser in den 1900er bis 1920er Jahren viel fotografiert hatte. Der Hobbyfotograf Mayr senior, der wie sein Sohn im Hauptberuf Kaufmann war, interessierte sich besonders für Landschaftsfotografie.

Die Abbildungen des diesjährigen Kalenders reichen von den 1870er bis zu den 1920er Jahren. Zwei Fotos stammen aus späterer Zeit – aus den 1950er bzw. den 1970er Jahren. Wie gewohnt ordnet das Stadtarchiv die Fotos geschichtlich ein und zeigt Entwicklungen auf. Da, wo es angebracht war, anhand von Vergleichsfotografien der Jetztzeit.

Wahrzeichengebäck und Seelenwäger

Ein Beispiel aus dem Kalender, der Erklärtext zum August:

Die Doppelstockkirche St. Michael am Kirchhofplatz ist eine Karnerkapelle. Das Foto wurde aus einem Dachfenster der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Richtung Süden aufgenommen. Seitdem haben sich nur geringfügige Veränderungen ergeben. 1378 wurde ein Sakralgebäude zur Bewahrung von Totengebeinen mit zwei übereinanderliegenden Kirchenräumen errichtet.

Ein Neubau an der jetzigen Stelle erfolgte in den Jahren 1501 bis 1503 durch Wolfgang Wiser, der den Steilhang zu nutzen wusste: Niveaugleich zum Friedhof, der um die Stadtpfarrkirche angelegt war, befand sich das Gebeinhaus und die Gruftkapelle, darüber die Michaelskirche für die Seelenmessen der Verstorbenen. Dem Erzengel Michael wurde die Grabkirche gewidmet, weil er im mittelalterlichen Glauben am Tag des Jüngsten Gerichts mit der Seelenwaage die guten und bösen Taten abwägen werde.

1810 wurde das Gotteshaus im Zuge der Säkularisierung verkauft. Der Turm wurde eingerissen, das Gebäude war zum Abbruch bestimmt. Letzteres trat jedoch nicht ein. Stattdessen war darin von 1888 bis 1938 das Städtische Museum untergebracht.

Zwei zusammengebackene Semmel als Wahrzeichengebäck

Eine war bis vor einigen Jahrzehnten das sogenannte Wahrzeichengebäck, das es am Namenstag von St. Michael nach der Messe in der Kirche für alle Gläubigen gab. Zwei übereinander und zusammengebackene Semmeln als Symbol für die zwei Kirchen unter einem Dach. Der frühere Stadtpfarrer Ludwig Bauer erwähnte dies regelmäßig. Heute erhalten alle Besucher des Patroziniums in Erinnerung daran noch eine normale Semmel.

Aktuelles Vergleichsfoto aus dem gleichen Blickwinkel: Im August 2020.

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