„Es tut uns allen leid“

Monatlicher Stammtisch statt wöchentlicher Verkaufstag: Das Team der Kinderkleidertauschzentrale hat sich immer gut verstanden, bleibt auch nach dem Ende der Zentrale in regelmäßigem Kontakt. Bauer
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Monatlicher Stammtisch statt wöchentlicher Verkaufstag: Das Team der Kinderkleidertauschzentrale hat sich immer gut verstanden, bleibt auch nach dem Ende der Zentrale in regelmäßigem Kontakt. Bauer

Das Jahresende ist auch das Ende für eine Haager Institution: Die Kinderkleidertauschzentrale schließt nach 37 Jahren endgültig ihre Tore. Haag.

Einerseits werden die Räume vom Gemeindekindergarten gebraucht, andererseits sind die organisierenden Damen, wie sie selber sagen, „nicht mehr die Jüngsten“.

– Die bereits verstorbene Ute Ihbe hatte die Idee: Haag sollte rundum die erste Kinderkleidertauschzentrale erhalten. „Wir sind zuerst nach Rosenheim gefahren und haben uns das angeschaut“, erinnert sich Gabi Hellmich, die vom ersten bis zum letzten Tag dabei war. Ihre ersten Mitstreiterinnen waren Gerti Angerer und Lieselotte Petsch. Später kamen Irmi Geiger, Anne Ober, Brigitte Reislhuber, Erika Schlesinger, Lucia Ronacher und Erna Dimpflmeier dazu.

Die Organisation war perfekt: eine Helferin nahm die Ware an, die zweite schrieb die Nummer in die Kartei, die dritte verfasste das Papierkärtchen, die nächste heftete es an die Ware, die nächste räumte auf, die nächste verkaufte und die siebte in der Runde brachte den Tee mit. „In Schlangen sind die Mütter angestanden“, berichtet Gabi Hellmich. Körbeweise hätten sie Ware gebracht, von der sie sich erhofften, dass sie „an den Mann ging“, um dann das Geld abzuholen. Eine kleine Gebühr, anfangs 25 und 50 Pfennig oder eine Mark ging an die Tauschzentrale.

Da stapelten sich in den Räumen Jacken, Höschen, Schuhe und Schwimmflügel. Daneben standen Räder, Puppenküchen, Kaufläden, Laufställe, Kinderwannen, Babysachen von der Wärmelampe bis zum Fläschchen. Anfangs hatte die Zentrale nur einen Annahme- und einen Verkaufstisch, kein Regal. „Das war primitiv eingerichtet“, so Gabi Hellmich.

Zunächst begann es im katholischen Kindergarten an der Berger Straße. Dann wurde nach St. Kunigund in die Grundschule und schließlich in den Gemeindekindergarten am Schachenwald gewechselt. Man suchte immer Räume, für die nichts zu zahlen war. Die Gebühren wurden nämlich gespendet. Insgesamt waren das 20 000 Euro, die an Kindergärten, St. Kunigund für Bastelsachen, an die Schulbibliothek, Behindertenheime, Spielplatz und andere gingen.

Offen hatte die Kinderkleidertauschzentrale 37 Jahre jeden Mittwoch von 14.30 bis 16.30 Uhr mit Ausnahme der Ferien. Gabi Hellmich war von Anfang an da: „Viermal habe ich gefehlt. Da war ich Skifahren und hatte ein ungutes Gefühl.“ Nun wird den sieben Damen von der Haager Tauschzentrale etwas abgehen. Es gab ja, wie sie betonen, all die Jahre keinen einzigen Streit – und das bei sieben Frauen. So wollen sie sich künftig einmal im Monat zur gemütlichen Runde treffen.

Letztes Jahr wurden sie im Bürgersaal zur Neujahrsehrung ins Rampenlicht geholt und für ihren Einsatz gelobt. So herausgehoben werden wollten sie eigentlich nicht. Etwas Wehmut klang nun beim Ausräumen schon mit: „Es tut uns allen leid.“ Jedenfalls soll auch am Ende einer langen Reihe von guten Taten ein sozialer Zweck erfüllt werden: Was liegenbleibt, geht nach Rumänien. Die Kinder dort haben sich schon öfter auf Ladenhüter aus der Haager Kinderkleidertauschzentrale freuen dürfen.

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