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Wie viel Gewerbe verträgt die Natur?

Albachinger Gemeinderat diskutiert über Baupläne in Oberdieberg - Kritik auch von Bürgern

Wie viel Bebauung lässt man am Gewerbegebiet Oberdieberg zu? Dieser Frage stellt sich der Gemeinderat in Albaching derzeit.
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Wie viel Bebauung lässt man am Gewerbegebiet Oberdieberg zu? Dieser Frage stellt sich der Gemeinderat in Albaching derzeit.
  • vonIrmi Günster
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Die Gemeinde Albaching will im Gewerbegebiet Oberdieberg Platz für Gewerbe schaffen aber dabei die Natur nicht zu stark zurückdrängen. Für manchen Naturschützer aus den Bürgerreihen wird die Bebauung zu einem Kampf um jeden einzelnen Baum.

Albaching – In dem Spannungsfeld, Gewerbe erweitern zu wollen, ohne die Natur zu stark zurückzudrängen, steht momentan die Gemeinde Albaching wegen eines Bauvorhabens im Gewerbegebiet „Oberdieberg“.

Die seit 2002 dort ansässige Firma Huber möchte eine sogenannte „temperaturgeführte“ Halle auf der südlichen Fläche errichten, und auf Wunsch des Gemeinderats stellte Geschäftsleiter Reinhard Huber kürzlich in einer Sitzung ein Gesamtkonzept seines Betriebs vor, beantwortete Fragen und stellte sich der Kritik.

Noch kein Beschluss

Ein Beschluss fiel nicht, aber das Thema soll in künftigen Sitzungen wieder auf den Tisch kommen. Für den Bau der Halle und auch bezüglich der weiteren Nutzung einer Fläche im Nordosten muss der Bebauungs- und der Flächennutzungsplan geändert und erweitert werden. Die Kosten für das Planverfahren und die Ausgleichsflächen soll der Bauwerber tragen.

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„Ein beeindruckend schnelles Wachstum“ bescheinigte die stellvertretende Bürgermeisterin Jessica Vital-Robarge (GWA) dem Unternehmen, was „natürlich positiv“ sei, aber die Gemeinde stehe auch in der Verantwortung „zu sagen, wenn es zu viel wird“.

Viel Wald geht verloren

Die Kritik an dem Vorhaben sah Vital-Robarge als „berechtigt“ an, da hier ein „gutes Stück Holz kaputt gemacht“ werde. Ein „echter Ausgleich“ sei notwendig.

Man habe bereits signalisiert, dass man mit der Gemeinde „in Austausch treten möchte“, erklärte Huber.

Es gebe durchaus Grundstücke, die für den Ausgleich verwendet werden könnten, beispielsweise im „Berger Moos“. Eine ausführliche Besprechung habe es auch mit dem zuständigen Förster bezüglich der Möglichkeiten für die Wiederaufforstung gegeben, so der Geschäftsleiter weiter.

Was ist mit alten Ausgleichspflanzungen?

Hier hakte Gemeinderat August Seidinger (GWA) ein: Auch bisher habe die Firma schon Auflagen bekommen etwa für das Anpflanzen von Bäumen als Ausgleich für andere Bauvorhaben, „die teilweise bis heute ausstehen“.

Huber verteidigte: Hierzu habe man vergangenes Jahr eine grundsätzliche Anfrage an die Gemeinde gestellt und explizit gefragt, ob man die Bäume gleich pflanzen solle und damit wegen des neuen Vorhabens das Risiko eingehe, dass sie dann vielleicht wieder versetzt werden müssten, was nicht sinnvoll sei.

Vorhaben ist nicht rechtswidrig

Bürgermeister Rudolf Schreyer (GWA) gab zu bedenken: „Man nimmt der Natur ein Stück weg.“ Andererseits sei der Firmenbesitzer auch dazu berechtigt, so etwas zu versuchen.

Eine rechtliche Vorprüfung habe ergeben, dass das Vorhaben „in keinster Weise rechtswidrig“ sei, stellte er fest. Der Rat müsse sich nun fragen: „Wie weit gehen wir?“ und fügte an: „Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter“. Die Entscheidungsfindung müsse „reifen“.

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Dies könne er nur unterstreichen merkte zweiter Bürgermeister Sebastian Friesinger (GWA) an. Das Gewerbe brauche, auch im Hinblick auf die Arbeitsplätze, „Entfaltungsmöglichkeiten“, allerdings wünsche er sich, wie schon öfter angemerkt, ein „Gesamtkonzept“ für das Gewerbegebiet. So hangle man sich durch ein „scheibchenweises Vorgehen“.

Möglichkeit zur Entwicklung

August Seidinger fügte hinzu, dass es ihm „schon wichtig ist, Gewerbetreibenden die Möglichkeit zur Entwicklung zur Verfügung zu stellen“, aber die Auflagen „müssten einigermaßen termingerecht erfüllt werden“.

Gemeinderätin Marlene Langmeier (GWA) gab zu bedenken, dass auch andere Gewerbetreibende die von der Gemeinde geforderten Auflagen nicht immer sofort umgesetzt hätten. Ratskollege Andreas Heinz regte an, der Gemeinderat sollte sich Gedanken machen, „wie es grundsätzlich mit dem Gewerbe weitergehen soll“. Vielleicht wäre eine Erweiterung an anderer Stelle sinnvoll.

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Brigitte Voglsammer (GWA) gab zu bedenken, dass es Jahrzehnte dauern werde, bis der Wald „wieder so ist, wie er jetzt ist“. Huber berichtete abschließend von einem Waldbegang mit dem Förster, der festgestellt hatte, dass aufgrund des Klimawandels der auch von den Behörden immer wieder geforderte Mischwald sinnvoller sei als der derzeitige Fichtenbestand.

Das Bauvorhaben der Firma Huber

Geschäftsleiter Reinhard Huber betonte in der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass er das Bauvorhaben in enger Abstimmung mit dem Albachinger Rat realisieren wolle. Die Halle sei auf dem ehemaligen „Burkhardt-Gelände“ südlich der bereits bestehenden geplant und solle in Betonbauweise errichtet werden.

Eine Besonderheit: Auf drei Seiten werde sie komplett von Erdreich umgeben sein, sodass sie „topografisch eingebettet“ sei. Grundsätzlich habe sich sein Unternehmen zum Ziel gesetzt, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Man betreibe zudem einen weiteren Standort in Mühldorf.

Das Thema Schallübertragung

Wie es bei einer temperaturgeführten Halle mit der Schallübertragung aussehe, fragte Andreas Heinz (GWA). Seit 2009 bereits habe man schon eine temperaturgeführte Halle und auch Aggregate, und aus der unmittelbaren Nachbarschaft seien nie Probleme bekundet worden, erklärte Huber.

Da die geplante Halle nun tief eingebettet würde, fuhr der Geschäftsleiter fort, werde es wohl kaum einen idealeren Schallschutz geben. Heinz konterte: Er befürchte dennoch eine Beschallung vor allem in Richtung Wald, die sich dann weiter Richtung Wohnbebauung fortsetzen könnte.

Kritik von Albachinger Bürger

Im Albachinger Gemeinderat erhalten auch Zuhörer ein Rederecht. Von Isidor Hagl kamen in der jüngsten Sitzung aus dem Zuschauerbereich zunächst mehrere Fragen und im Anschluss deutliche Kritik. Welche Fläche werde durch die Halle verbraucht, fragte er. Rund 3.400 Quadratmeter, und zusätzlich einschlagen müsste man etwa 3.000 Quadratmeter, lautete die Antwort.

Wegen bis dato noch fehlender Ausgleichsflächen und Begrünung habe er schon öfter „mit der Gemeinde im Clinch gelegen“ erzählte Hagl. Albaching habe generell „relativ wenig Wald“. Das betroffene Waldstück sei das größte zusammenhängende. Mit dem Gewerbegebiet „frisst man sich in den Wald rein“.

„Ich als Bürger werde schwer dafür kämpfen, dass kein einziger zusätzlicher Baum dafür gefällt wird“, verkündete der Besucher. Er „spiele mit offenen Karten“, so Hagl weiter. Er werde der Sache weiter nachgehen, auch zum Wohle der nachfolgenden Generationen.

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