Albaching will Leinenzwang auch für „Der-tut-nix“-Hunde

Anstatt ohne Leine unterwegs zu sein, kann man auch eine lange Leine verwenden, womit man auch die Abrufbarkeit gut trainieren kann. Bernhardiner-Dame „Vroni“ jedenfalls hat sich daran schon gewöhnt. I. Günster
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Anstatt ohne Leine unterwegs zu sein, kann man auch eine lange Leine verwenden, womit man auch die Abrufbarkeit gut trainieren kann. Bernhardiner-Dame „Vroni“ jedenfalls hat sich daran schon gewöhnt. I. Günster

Der Leinenzwang in der Gemeinde Albaching kommt: Alle Räte beschlossen kürzlich gesammelt, „die notwendigen Schritte einzuleiten, damit ein Leinenzwang angeordnet werden kann“. Dieser soll dann für alle Hunde gelten, egal welcher Größe, allerdings nur in festgelegten Teilbereichen, die speziell ausgewiesen und kenntlich gemacht werden sollen.

Von Irmi Günster

Albaching – Zu viele Vorfälle mit dem modernen „Der-tut-nix-Hund“, der häufig unangeleint, meist friedlich und freundlich, manchmal aber auch nicht, auf Spaziergänger zurennt, veranlassten den Gemeinderat nun zu diesem Schritt.

Biotop ist für alle Bürger gedacht

Speziell in Albaching auf den komfortabel ausgebauten Flurwegen sind Hunde dieser Kategorie nebst Herrchen und Frauchen anzutreffen. Die Probleme bei unangeleinten Vierbeinern sind vorprogrammiert, weil die Wege auch von Spaziergängern und Radfahrern gerne genutzt werden, unter anderem auch, um das Kneippbecken aufzusuchen. Speziell von älteren Bürgern, die häufig Angst vor den Hunden hätten, sei ihm von „unschönen Situationen“ berichtet worden, erzählte Bürgermeister Franz Sanftl (GWA).

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Dies gehe nun so weit, dass kaum noch ältere Bürger zu Fuß oder mit dem Rad zum Biotop oder Kneippbecken unterwegs seien. Und obwohl ihm persönlich dieser Schritt nicht leicht falle, da er auch selber Hundebesitzer sei, stellte Sanftl fest, dass die Gemeinde nicht Flurwege ausbaue, damit dann insbesondere ältere Leute, aber auch andere, die Angst vor Hunden hätten, sich nicht mehr trauten, diese zu nutzen.

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Von der Verwaltung kam der Hinweis, dass nichtsdestotrotz „dem Bewegungsbedürfnis der Hunde dabei ausreichend Rechnung zu tragen ist“ und ein genereller Anleinzwang für das gesamte Gemeindegebiet nicht zulässig sei.

„So leid es mir für die Hundebesitzer tut“, vor allem für diejenigen, die ihre Hunde „gut im Griff haben“, meinte Gemeinderat Tobias Langer (GWA), sei er dennoch dafür, den Anleinzwang „testweise“ zu versuchen. Da es ja noch genügend andere Bereiche innerhalb der Gemeinde gebe, wo die Hunde frei laufen könnten, könne man einen solchen Schritt machen. Teils habe sich in Albaching „ein richtiger Hundetourismus“ entwickelt, so Langer weiter.

Für Ratskollegen August Seidinger junior (GWA) war es „wichtig, dass Spaziergänger keine Angst haben“. Er sah auch noch einen weiteren Vorteil im Leinenzwang: Die Hunde könnten dann auch nicht abseits der Wege herumstöbern und andere Tiere aufscheuchen.

Verstöße der Gemeinde melden

Die Sinnhaftigkeit dieses Schrittes war auch für Gemeinderat Helmut Maier (GWA) gegeben, allerdings hatte er schon einen Einwand: „Wie wollen wir das praktisch handhaben?“ Man müsse das den Leuten ja auch bekannt geben und Möglichkeiten zur Nachverfolgung der Einhaltung dieser Regelung haben. „Wenn man so etwas erlässt und der Effekt ist gleich null, dann ist es sinnlos“, so Maier. „Um eine Beschilderung werden wir nicht herumkommen“, antwortete ihm Franz Sanftl darauf. Wenn Spaziergänger beobachten, dass sich ein Hundehalter nicht an den Leinenzwang halte, sollte er sich, soweit möglich, das Kennzeichen notieren und der Gemeinde melden.

Etwas zurück haltender äußerte sich Rätin Jessica Vital-Robarge (GWA). Das schien ihr „zu unausgegoren“. Sie meinte, es sollte für das gesamte Gemeindegebiet noch einmal „ein Fass aufgemacht werden“ und der Rat sich zum Thema „Hunde“ generell noch einmal beraten. Dieser Schritt sei ihr ein „zu kleiner Teilaspekt“, so Vital-Robarge.

Leinenpflicht für alle Hund, nicht nur für große

Sie fragte sich auch, ob man mit dem Leinenzwang die „richtigen Leute“ treffe. Und wenn Leinenzwang, dann sollte man auf einem Info-Flyer oder Schild auch erwähnen, dass die Hunde nicht im Kneippbecken baden dürften, was immer wieder vorkomme. Ihre persönlichen Erfahrungen mit Hunden und deren Besitzern seien zu 90 Prozent positiv und nur zu zehn Prozent negativ, Letztere blieben aber immer eher hängen, räumte sie ein.

„Auf jeden Fall machen“ wollte diesen Schritt Gemeinderat Bernhard Mayer (GWA). Ob die Maßnahme Erfolg habe oder nicht, sei „ein anderes Thema“. Allerdings sollte die Leinenpflicht für alle Hunde und nicht nur für große gelten. „Probieren, weil reden und nichts machen“ die schlechteste Option sei, meinte zweiter Bürgermeister Rudolf Schreyer (GWA). Speziell die Bereiche rund um die Biotope wollte Marlene Langmeier (GWA) berücksichtigt wissen.

Auf einem Plan zeigte Bürgermeister Sanftl die betreffenden Gebiete auf, in denen der Leinenzwang eingeführt werden soll. Die Höchstgeltungsdauer einer Anleinverordnung beträgt nach Angaben der Verwaltung 20 Jahre.

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