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EINZELHANDEL IN DER CORONA-KRISE

Aktenvernichter statt Cappuccino: Haager Kaufmannsfamilie gibt Gastrokonzept wegen Corona auf

Das Ehepaar Müller-Czap setzt im Pop-up-Store auf Schreibwaren statt auf Kaffee und Kuchen.re
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Das Ehepaar Müller-Czap setzt im Pop-up-Store auf Schreibwaren statt auf Kaffee und Kuchen.re
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Mit dem „Czappuccino“ wollte die Kaufmannsfamilie Müller-Czap 2019 das Zentrum von Haag beleben. Kaum war das Tagescafé eröffnet, musste es im ersten Lockdown wieder schließen. Doch die Einzelhändler krempelten mal wieder die Ärmel hoch.

Haag – Gähnende Leere statt Begegnungen bei Kaffee und Kuchen. Nun wollen die Haager Geschäftsleute nicht länger warten – und haben erneut umgeswitcht: Aus dem Café wurde ein Pop-up-Geschäft für Homeschooling und Homeoffice.

Zeit, Nerven, Geduld und Geld

„Zeit, Nerven, Geduld, Geld – all das brauchen wir Kaufleute in diesen Zeiten“, sagt Angelika Müller-Czap. Sie und ihr Mann stehen stellvertretend für viele Einzelhändler, die sich derzeit mit großen Kraftanstrengungen, enorm viel Energie und einer Portion Kreativität durch die Krise kämpfen.

Dabei haben die beiden schon mehrere, kräftezehrende Jahre hinter sich, in denen sie in der Hauptstraße ein Haus neben ihrem Geschäft und der Druckerei hinzukauften und kernsanierten. Hier setzten sie auch ein neues Handelskonzept um: das Einkaufen als Erlebnis. Spielzeug, Bücher, Schreibwaren, Geschenkartikel, Kulinarik – und dazu einen Cappuccino und ein Stück Gebäck. Shopping g als Event, heißt dies im angesagten „D-Englisch“.

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Das Konzept ging auf – die neue Gastronomie machte jedoch nur wenige Monate später im ersten Lockdown wieder zu. Jetzt, im zweiten, haben die Haager Kaufleute den Blick auf die leeren Räumlichkeiten nicht länger ausgehalten – und die Caféhaustische wieder rausgeräumt, um Platz zu schaffen für Schreibwaren und Büroartikel.

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In Zeiten, in denen viele sich im Homeoffice einrichten, gehen Produkte, die früher eher seltener Absatz fanden: Aktenvernichter, Kopierpapier, Ablagen für die Sortierung von Unterlagen, Stifteköcher. Auch die ersten neuen Schulranzen sind schon da.

51 Prozent für den täglichen Gebrauch

Die Kunden kommen – viele genießen die Möglichkeit, entlang von Regalen zu bummeln, sagt Angelika Müller-Czap. Da in ihrem kleinen Kaufhaus jetzt 51 Prozent aller Waren für den täglichen Gebrauch gedacht sind, darf sie nun unter strengen Hygieneregeln auch die anderen Produkte verkaufen: also wieder Bücher, Spielzeug, Geschenkartikel, Kulinarik, Deko.

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Trotzdem ist den Inhabern deutlich der Frust über die Corona-Krise anzumerken. Ein Zahl, die mehr sagt als 1000 Worte: Im Januar lagen die Umsatzeinbußen bei 70 Prozent. 16 Mitarbeiter in Kurzarbeit, das Personal aus dem Café zu hundert Prozent, extrem komplexe, bürokratische Vorgänge, um Überbrückungshilfen zu beantragen, viele Arbeitsstunden, die in den Aufbau des Online-Shops und des Systems „Click & Collect“ flossen:

Das Café „Czappuccino“ musste vorerst Verkaufsräumen für Schreib- und Büroartikel weichen.

Das Ehepaar ist sichtlich gestresst vom „immer wieder Ärmel hochkrempeln“, wie es sagt. Gerne würden die Kaufleute wieder zu ihrem Handels-Gastro-Konzept zurückkehren, wieder so klangvolle Mahlzeiten wie das „Märchenfrühstück“ oder den „Liebesroman“ anbieten. „Doch wir machen das Café erst wieder auf, wenn es kostenmäßig Sinn macht“, sagt Angelika Müller-Czap – also dann, wenn sich mehr als zwei Haushalte hier wieder auf einen Kaffee treffen könnten. Sonst rechne es sich angesichts der Tatsache, dass Personal vorgehalten und Zutaten eingekauft werden müsse, nicht.

Bis dahin gibt es Aktenordner statt eine Tasse Tee, Hefte statt ein Stück Käsekuchen. Ein Sortiment, das dafür sorgt, dass das kleine Kaufhaus im Gespräch bleibt. „Wir wollen zeigen: Wir sind noch da.“

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Schreibwaren und Bürobedarf dürfen auch im Lockdown verkauft werden, doch viele Kunden wissen das nicht, stellt Angelika Müller-Czap außerdem fest. Im Fokus des Endverbrauchers stehen zu ihrem Bedauern die Supermärkte und Discounter. Dass es hier im Lockdown auch viele Produkte wie Textilien oder Spielzeug gibt, die auch im Fachhandel verkauft werden, der geschlossen bleiben muss, empfinden die Haager als Wettbewerbsverzerrung.

Immer wieder: Ärmel hochkrempeln

Jetzt hoffen sie darauf, nach Ostern vielleicht das Café wieder öffnen zu können. Dann heißt es erneut: Ärmel hochkrempeln, Waren raus, Tische und Stühle sowie Deko wieder rein. „Noch einmal ein Neustart. Ich frage mich manchmal, woher wir die Energie nehmen sollen“, sagt die Chefin. Und eilt zum Laptop, wo ein Zoom-Meeting stattfindet. Thema: der Online-Verkauf.

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