Äpfel, Birnen und Quitten: Gartenbauverein St. Wolfgang presst 9000 Liter Saft

Frisch gepresster Saft wird hier abgesiebt: Pressteamleiter Fritz Heindl bei der Arbeit.
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Frisch gepresster Saft wird hier abgesiebt: Pressteamleiter Fritz Heindl bei der Arbeit.

„Wir haben dieses Jahr wirklich viel geleistet, aber trotzdem nur einen geringen Teil von dem, was vorgesehen war,“ stellt der Vereinsvorsitzende Rudi Brand im Gespräch mit der Heimatzeitung im Vereinsheim fest. Für den reibungslosen Ablauf sorgten zahlreiche Helfer .

Von Hermann Weingartner

St. Wolfgang– Das Gartlerjahr geht mit dem „Herbstputz“ jetzt zu Ende. Beim Gartenbauverein St. Wolfgang ist bereits Schluss: Trotz Corona habe man „versucht, seinen Aufgaben nachzukommen“. Der große Gartlertag musste Corona bedingt ausfallen, das Obstpressen war wieder ein voller Erfolg.

Bei den St. Wolfganger Gartlern sei „die Presssaison etwas früher wie in den vergangenen Jahren beendet worden“, sagt Brand. Das sei dem Pressteam geschuldet gewesen, das im Rahmen des Hygienekonzepts „jeden Presstag unter erschwerten Bedingungen durch das permanente Tragen von Mund-Nasenschutz und unter Einhaltung der Abstandsregeln seine Arbeit tun musste.“

In der professionellen Bandobstpresse im Vereinsheim in Gumpenstätt wurden „über 9.000 Liter Eigenpressung von Apfel-, Apfel-Birnen-, Apfel-Quittensaft und Quittensaft für den Gartenbauverein gepresst“, berichtet Brand. Das Obst sei überwiegend bei ausgesuchten Obstbaumbesitzern eingesammelt worden. Verantwortlich dafür war Günter Schmalzl und sein Team. „Nur er kennt die besten Apfelsorten in der Umgebung. Weil der Obstertrag weit über den Erwartungen lag, konnte auf den Zukauf von Äpfeln externer Apfelbaumbesitzer verzichtet werden.

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Über 30 Mitglieder seien hoch motiviert beim Pressen und Abfüllen sowie auch beim Äpfel einsammeln aktiv dabei gewesen, lobt Brand. Je nach Anlieferung wurden an 26 Einsatztagen täglich zwischen 1500 bis über 6000 Litern Saft gepresst.

Fritz Heindl sorgte als Organisator „für den geordneten Ablauf bei der Obstpresse und der seit heuer vollautomatischen Abfüllung“. Technische Probleme lösten Paul Rott und Schorsch Böckeler.

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„Die wichtigste Person im ganzen Getriebe ist unsere Burgi Lohmaier“, schildert Brand. Sie plante an fünf Wochentagen über die „Obstpresshandynummer“ sämtliche Anmeldungen, abhängig von der Pressgutmenge. Damit entstehen für die Kunden kaum Wartezeiten und die Obstpresse samt Bedienteam seien ausgelastet aber nicht überlastet. „50 bis 60 Anrufe am Tag sind normal. An manchen Tagen werden über 50 Presskunden bedient“, so der Gartlerchef. Heute kommen die Leute von weither, sogar aus den Landkreisen Ebersberg, Landshut oder München, um ihr Obst in St. Wolfgang pressen zu lassen.

Den fertigen Saft aus ungespritzten Obst gibt’s im Verkauf in den Raiffeisen RegioMärkten, einigen Gastwirtschaften und auch am Gartler-Vereinsheim zu kaufen.

Weit über 1.000 Euro in Hygienekonzept investiert

In Corona-Zeiten habe der Verein in das Hygienekonzept „weit über 1000 Euro investiert“, berichtet der Vorsitzende und lobt die Vernunft der Kunden: „Die haben sich zu 99 Prozent an die Vorgaben gehalten“.

Darüber hinaus wurden auch die Kinder- und Jugendgruppe sowie die Streuobstwiesen betreut und gepflegt. Jugendleiterin Andrea Hammer habe mit ihrem Team „für unsere Jüngsten sehr viel geleistet und das alles mit entsprechendem Abstand“, Brand. Eine „tolle Nachwuchsaktion“ sei das Bemalen von Holzstelen gewesen, an dem über 60 Kinder und Jugendliche teilnahmen.

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Auch die Pflege des vereinseigenen Kräuter- und Gemüsegartens lag wieder in Zuständigkeit der Jugendleiterin mit Unterstützung des Kräuterspezialisten Dieter Hofhammer.

Eine „Institution“ sei der Vereinshausmeister Franz Tonkovic, „ohne den Chaos im Vereinsheim wäre“. Er entsorgte per Fahrrad eine Menge Verpackungskartons im Wertstoffhof, sortierte und stapelte viele Paletten mit Apfelsaft und sorgte für immer ausreichend Beutel und Boxen zur Saftabfüllung.

Die Erfolgsstory begann mit Georg Loidl

Am letzten Obstpresstag schaute auch der Ehrenvorsitzende Georg Loidl vorbei und genoss auf dem Holzbankerl vor dem Vereinsheim die warme Herbstsonne. Ihm haben es die Gartler heute zu verdanken, dass der Verein ein eigenes Zuhause und Bandobstpresse mit Pasteurisier hat. Unbeirrt hatte er mit viel Durchsetzungsvermögen und voller Überzeugung das Projekt ein eigenes Vereinsheim zu bauen mit professioneller Obstpresse realisiert.

„Damals gab’s schon auch Widerstände“, erinnerte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Einige hätten damals gemeint, „der spinnt und ruiniert den Verein“. Heute ist man Loidl sehr dankbar für seinen Mut und Weitsicht, das dem Verein eine Zukunft gesichert hatte. Letztes Jahr wurde eine vollautomatische Abfüllanlage installiert. 2009 startete im neuen Vereinsheim das Obstpressen und wurde zur absoluten Erfolgsstory.

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