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Abwasserbehandlungsanlage in Griesstätt? Zosseder-Vorhaben löst Kontroverse aus

Hier möchte die Firma Zosseder ein Betriebsgebäude, Lagerhallen und eine Abwasserbehandlungsanlage verwirklichen. Im Gemeinderat Griesstätt sind nicht alle begeistert.
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Hier möchte die Firma Zosseder ein Betriebsgebäude, Lagerhallen und eine Abwasserbehandlungsanlage verwirklichen. Im Gemeinderat Griesstätt sind nicht alle begeistert.
  • vonKarheinz Rieger
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Kontrovers wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung der Antrag der Zosseder GmbH auf Neubau eines Betriebsgebäudes mit Lagerhallen und einer Abwasserbehandlungsanlage im Gewerbegebiet „Am Leitenfeld“ diskutiert. Hier haben sich die Pläne geändert.

Griesstätt – Eigentlich wollte Zosseder ein Gebäude für die Aktenvernichtung und Folienpressung erstellen. Jetzt soll eine Wasseraufbereitung betrieben werden.

Grund für die Debatte im Gemeinderat war vor allem die nach Ansicht der Kritiker damit verbundene Eile sowie die von Grünen und den „Bürgern für Griesstätt“ befürchtete mangelnde Transparenz sowie Sorgfalt bei der Entscheidungsfindung betreffs des künftigen Betriebs der Anlage. Außerdem ständen noch Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz aus. Letztlich befürworte die Mehrheit mit zwölf zu drei Stimmen den Bauantrag. Die genaue Prüfung der Bedenken obliegt jetzt dem Landratsamt und den Fachstellen.

Bedenken in schriftlicher Form

In zwei Schreiben hatten die Griesstätter Grünen und die Bürger für Griesstätt im Vorfeld der Sitzung ihre Bedenken der Gemeindeverwaltung mitgeteilt. Sie stellten gemeinsam fest, dass man den Neubau der ursprünglich für Aktenvernichtung und Folienpressung vorgesehenen Hallen, die jetzt für die Abwasserbehandlung genutzt werden sollen, und diesen Betriebszweck nicht getrennt behandeln dürfe.

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Zudem seien in der vorangegangenen Bauausschusssitzung noch nicht alle Unterlagen für eine Entscheidung zur Verfügung gestanden. Die Informationen über die neue Anlage zur Abwasserbehandlung, vornehmlich zur Ölabscheidung, seien auf Auskünfte der Zosseder GmbH beschränkt, Auskünfte der Fachstellen würden bisher fehlen.

Nicht alle strittigen Punkte geklärt

Ein Ortsgespräch mit allen Beteiligten und eine weitere Bauausschusssitzung hatten in den Tagen vor der Sitzung zwar einige strittige Punkte geklärt. Grundsätzlich waren aber nicht alle Bedenken ausgeräumt.

Das veranlasste Martin Hofmeister (Grüne) dazu, zunächst auf Verschiebung der Entscheidung zu drängen und zumindest die Stellungnahme des Bundes Naturschutz im Rahmen der Prüfungen zum Bundesimissionsschutzgesetz abzuwarten. Martin Fuchs (BfG) bemängelte vor allem, dass Emissionsgutachten noch nicht vorlägen. Eine mittlerweile erfolgte Weiterleitung an die beteiligten Ämter und Fachstellen erschien den Kritikern als Entscheidungsgrundlage zu wenig.

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Vor allem die Verarbeitungsmenge wurde von Katharine von Sommoggy (Grüne) misstrauisch betrachtet, da erst über einer Tonne pro Tag eine Genehmigung des Landratsamtes mit entsprechendem Gutachten nötig sei.

Grundsätzlich sehe man auf Seiten der Grünen aber die Notwendigkeit, Abfall zu recyceln durchaus, Transparenz und ökologische Verträglichkeit seien aber sicherzustellen.

Eine geschlossene Anlage

„Die ganze Aufregung verstehe ich nicht.“, bemerkte Christian Graf (GfuG). Es handle sich bei dem Bauvorhaben um eine geschlossene Anlage, von der keine Belastung ausgehe, warum solle man da den Umwelt- und Naturschutz fragen. Anton Strahlhuber (GfuG) erinnerte daran, dass man bei den Anhörungsverfahren zum gesamten Baugebiet bereits Umweltauflagen festgelegt habe, man könne nicht bei jedem Bauvorhaben von vorne anfangen. Dass man das Gewerbegebiet gewollt habe, um Arbeitsplätze zu schaffen und Gewerbesteuern zu verbuchen, bemerkte Jakob Ametsbichler (GfuG). „Mit einer Verzögerung kommen wir nicht weiter“, meinte er wie auch Manfred Andraschko (GfuG).

Dass Zeitverzögerungen beim Genehmigungsverfahren vermieden werden sollten, dafür plädierte auch Rudolf Liedl (GfuG). Denn nach Angaben der Firma Zosseder laufe behördlicherseits die Genehmigung für die gut 30 Jahre alte Aufbereitungsanlage in Spielberg zum dritten Quartal 2021 aus. In Griesstätt soll Ersatz geschaffen werden.

Kein Giftmüll

Wegen nicht möglicher Nachrüstung der nötigen technischen Standards ist ein Neubau an anderer Stelle damit zeitnah nötig. Und es handelt sich bei den verarbeiteten Abfallstoffen nicht, wie befürchtet, um „Giftmüllabfälle“, sondern um Wassergemische, vornehmlich aus der Region, die wieder getrennt würden, so Zosseder in seiner Betriebsbeschreibung.

Bürgermeister Robert Aßmus (parteifrei) erinnerte daran, dass im Bereich der Anlage sogar das anfallende Oberflächenwasser für Reinigung oder Kanalspülungen verwendet werde, um Trinkwasser zu sparen. Man könne aber wegen anderer Abwasserfragen in den Beschluss aufnehmen, dass weiterer Aufwand für die Gemeinde vermieden werden müsse.

Letztlich hielten nur Martin Hofmeister, Katharina von Sommoggy (Grüne) und Martin Fuchs (BfG) an ihren grundsätzlichen Bedenken wegen fehlender Stellungnahmen der Fachbehörden fest und stimmten gegen den Bauantrag.

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