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Internationaler Cannabis-Tag

Abhängig durch nur einmal Kiffen? Expertin aus Wasserburg über die Auswirkungen von Cannabis

Ein Joint, wie ihn der Mann auf diesem Symbolfoto raucht, besteht aus der illegalen Droge Marihuana. Sie ist ein Produkt aus der Cannabis-Pflanze.
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Ein Joint, wie ihn der Mann auf diesem Symbolfoto raucht, besteht aus der illegalen Droge Marihuana. Sie ist ein Produkt aus der Cannabis-Pflanze.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Der 20. April ist als inoffizieller Cannabis-Tag für Kiffer auf der ganzen Welt ein Tag zum Feiern. Die OVB-Heimatzeitungen haben bei einer Wasserburger Allgemeinmedizinerin nachgefragt, wie gefährlich Cannabis wirklich ist – und weshalb es nicht verharmlost werden sollte.

Wasserburg– Ein Filter, ein geeignetes Stück Papier und eine fingerlange Menge an Marihuana: Mehr braucht es zum Drehen eines Joints nicht. Die illegale Droge Marihuana wird aus der Cannabis-Pflanze hergestellt. Die Wasserburger Allgemeinmedizinerin Claudia Eisenhut (55) ist Expertin auf dem Gebiet, denn sie therapiert in ihrer Praxis Süchtige mithilfe von Drogensubstitution.

Claudia Eisenhut ist Allgemeinmedizinerin in Wasserburg.

Frau Eisenhut, viele junge Leute denken: Von einem Joint wird man nicht abhängig, das ist doch ungefährlich. Ist es wirklich so einfach?

Claudia Eisenhut:: Nein. Bei unter 18-Jährigen liegt das Risiko, nach nur einem Joint abhängig zu werden, bei 17 Prozent. Bei Erwachsenen sind es nur neun Prozent.

Woran liegt das?

Eisenhut: Das hat unter anderem mit der Entwicklungsphase des Gehirns bei Jugendlichen zu tun. Bei ihnen reagiert es wesentlich intensiver auf solche Substanzen. Das ist durch Kernspintomographieuntersuchungen auf hochauflösenden Bildern auch nachweisbar. Man kann sehen, dass bei unter 18-Jährigen schon beginnender Cannabis-Konsum Änderungen in der Gehirnstruktur bewirkt. Das ist auch nicht von der jeweiligen Persönlichkeit abhängig. Durch den Konsum wird das Gehirn in bestimmter Art und Weise geschädigt und das ist irreversibel.

Lesen Sie auch: Drogenbeauftragte Daniela Ludwig besucht kbo-Klinik Wasserburg und warnt besonders vor zwei Drogen (Plus-Artikel OVB-Online)

Welche langfristigen Auswirkungen kann das auf den jungen Menschen haben?

Eisenhut: Zum einen kann man natürlich süchtig werden. Zum anderen gibt es Hinweise darauf, dass Konsum in der Jugend zu Psychosen oder zumindest zu Borderline-Krankheitssymptomen im Erwachsenenalter führen kann. Ich denke aber, dass der Cannabis bei Erwachsenen wesentlich weniger gefährlich ist als bei Jugendlichen, weil das Gehirn schon fertig entwickelt ist.

Cannabis kann also Auslöser einer psychischen oder körperlichen Erkrankung sein. Heißt das, ein gelegentlicher Joint kann gleich zu einer Psychose führen?

Eisenhut: Nein, das ist nicht zu verallgemeinern. Bei den Jugendlichen, die regelmäßig konsumieren, kann es zu Wesensveränderungen und zu Wahnvorstellungen kommen. Aber die schwerwiegenden Psychosen oder Borderline-Erkrankungen treten dann im Erwachsenenalter auf, auch abhängig von der Persönlichkeitsstruktur.

Sie sprechen von Wesensveränderungen bei Jugendlichen. Inwiefern?

Eisenhut: Die jungen Menschen entwickeln nicht ihre eigene Persönlichkeit, sind zutiefst verunsichert und eigentlich nur auf der Suche nach Nähe und Geborgenheit. Es führt zu einer Vernachlässigen der anderen Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Warum konsumieren Leute denn dann überhaupt Cannabis?

Eisenhut: Man fühlt sich wohl, ruhig und entspannt. Diese Gefühle will man immer wieder hervorrufen. Farben, Gerüche und Musik werden intensiver wahrgenommen. Die Menschen fühlen sich auch leistungsstärker.

Vielleicht nehmen einige die Droge auch deshalb? Weil sie in Schule oder Ausbildung Leistungsdruck verspüren?

Eisenhut: Das ist durchaus möglich. Manche machen es auch, weil sie dazu gehören wollen. Ähnlich wie bei Zigaretten oder Alkohol.

Die Pandemie ist für viele Jugendliche eine schwierige Zeit. Ist die Versuchung zum Kiffen jetzt größer?

Eisenhut: Es ist bereits erwiesen, dass der Alkoholkonsum steigt. Es ist erwiesen, dass die psychischen Folgen der Pandemie gravierend sind. Die Isolation in dieser vulnerablen Phase des Erwachsenwerdens kann zu Depressionen und zu Suchtverhalten führen. Dass man anfälliger für etwas ist, das einen von dem Ganzen wegbringt, kann ich mir vorstellen.

Cannabis dann also als Einstiegsdroge?

Eisenhut: Richtig. Die Gefahr ist, dass man nur über Dealer daran kommt und so der Weg zum Heroin zum Beispiel kürzer ist.

Woran lassen sich Marihuana rauchende Menschen denn erkennen?

Eisenhut: Unmittelbar nach dem Konsum zum Beispiel durch die Rötung der Augen.

Betroffene und Angehörige können sich an die Stelle für Prävention und Suchthilfe „neon“ in Rosenheim unter der Telefonnummer 08031/3042300 oder per E-Mail an info@neon-rosenheim.de wenden.

Die Rechtslage zu Cannabis/Marihuana:

Laut dem Deutschen Anwaltsverein gilt Marihuana rechtlich als Betäubungsmittel und ist eine illegale Droge. Der Konsum an sich ist erlaubt. Cannabisprodukte zu kaufen, zu verkaufen und zu besitzen sowie Cannabis-Planzen anzubauen, ist allerdings verboten. Wird man mit Cannabis in Besitz erwischt, droht nach dem Betäubungsmittelgesetz eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft. Ausnahmen gelten für alle, die eine Erlaubnis für medizinisches Cannabis haben.

Die Höhe der Strafe hängt davon ab, wie viel man dabei hat, heißt es auf dem Rechtsportal des Deutschen Anwaltsvereins im Internet. Die Staatsanwaltschaft kann unter bestimmten Voraussetzungen von einem Strafverfahren absehen, wenn jemand nur mit einer „geringen Menge“ erwischt wird. Was als gering gilt, hängt vom Bundesland ab.

In Bayern liegt die Grenze bei sechs Gramm. Bei Jugendlichen, die Cannabis besitzen, greift nicht das Erwachsenen-, sondern das Jugendstrafrecht. Hier steht dem Verein zufolge oft ein Erziehungsgedanke im Vordergrund. Richter könnten Jugendliche verwarnen, Freizeit- oder Dauerarrest verhängen und Auflagen erteilen, wie zum Beispiel Sozialstunden.

Das sagt die Bundesdrogenbeauftragte:

In Deutschland wird hitzig über die Legalisierung von Cannabis debattiert. Die Rosenheimer CSU-Bundesabgeordnete Daniela Ludwig hält als Bundesdrogenbeauftragte davon nichts. Fast jeder zehnte Cannabiskonsument werde abhängig, sagt sie. „Es geht hier also nicht um eine Verbotspolitik, sondern um die Entscheidung pro Jugend-und Gesundheitsschutz.“

Eine Legalisierung führe dazu, dass Kinder und Jugendliche das Gesundheitsrisiko mehr und mehr unterschätzten. Sie spricht sich dafür aus, Cannabis-Erstkonsum als Ordnungswidrigkeit zu handhaben und keine strafrechtlichen Konsequenzen folgen zu lassen. Werde man mit einer geringen Menge zum Eigenbedarf erwischt, müsste man mit einem Bußgeld rechnen oder zu einer Suchtberatung gehen.

„Für Jugendliche wäre so ein Gespräch nach meiner Vorstellung verpflichtend.“ Sie selbst wird für ihre Arbeit als Drogenbeauftragte in den sozialen Netzwerken oft angefeindet – meistens geht es dabei nur um das Thema Cannabis-Legalisierung. Das bedauert sie. Die Diskussionen auf Facebook, Twitter und Co. seien „leider häufig sehr ideologisch geprägt“ und oft werde es auch persönlich. „Das ärgert mich schon ab und zu.“

Daniela Ludwig ist CSU-Bundestagabgeordnete und Bundesdrogenbeauftragte.

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