Begehrte Vierbeiner

500 Hunde sorgen in Wasserburg für Freude in Coronazeiten – und manchmal auch für Ärger

Diese Augen lassen die Herzen dahinschmelzen: Flocke ist einer von gut 500 Hunden in Wasserburg.
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Diese Augen lassen die Herzen dahinschmelzen: Flocke ist einer von gut 500 Hunden in Wasserburg.
  • Winfried Weithofer
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In Corona-Zeiten kommen viele auf den Hund: In Wasserburg sorgen 500 Vierbeiner für viel Freude – hin und wieder jedoch auch für Ärger. Wobei: Des Menschen tierische Helfer gegen die Einsamkeit tragen oft nicht die Schuld, sondern Herrchen oder Frauchen.

Wasserburg – Der Tierschutzverein Rosenheim, in dessen Zuständigkeitsbereich auch Wasserburg fällt, macht in der Pandemie einen verstärkten Trend zum Vierbeiner aus. Die Nachfrage sei enorm hoch, sagt die Vorsitzende Andrea Thomas. Der tierische Kamerad sei ein willkommener Freund und Helfer gegen die Einsamkeit. Denn die Menschen würden sich in Zeiten von Homeoffice und Lockdown eine Ablenkung suchen. Fest steht außerdem: Mit Hund dürfen sie trotz Ausgangsbeschränkungen raus und Gassi gehen.

Seit Corona würden sich Interessenten im Tierheim melden, die oft sogar verzweifelt auf der Suche nach einem Hundewelpen seien, berichtet Tierschützerin Thomas. Es würden sich auch Menschen nach einem tierischen Wegbegleiter sehnen, die bisher noch keine Erfahrung mit Hunden gehabt hätten, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins.

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In Wasserburg gab es im vergangenen Jahr trotz Corona freilich keinen nennenswerten Zuwachs an Hunden. „Laufende Anmeldungen (Zuzug, Kauf) und Abmeldungen (Wegzug, Ableben) halten sich in etwa die Waage“, sagt Claudia Schaber, Leiterin des Ordnungsamts. In den vergangenen vier Jahren schwankte die Zahl der angemeldeten Hunde zwischen 511 und 530.

Gleichwohl steht das Thema Hund stets im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Für regelmäßigen Ärger sorgen etwa die Hinterlassenschaften der Vierbeiner. Andreas Hiebl, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus, hält den weitaus größten Anteil der Hundehalter für achtsam.

Tretminen haben abgenommen

Der Hundekot würde in der Regel gewissenhaft beseitigt, die Zahl der „Tretminen“ habe anscheinend etwas abgenommen, berichtet die Verwaltung. . Doch es gäbe auch Personen, die den Kot in Tüten verpacken und diese dann mitsamt Inhalt in die Sträucher oder gar mitten auf die Straße werfen würden. „Warum sie das machen, wird mir immer ein Rätsel bleiben“, so Hiebl.

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Ein Verhalten, dass es nicht nur in Wasserburg gibt. Hersteller der Beutel haben bereits darauf reagiert und fertigen diese in auffälligem Rot an. So sollen Gassigeher davon abgehalten werden, sie wild zu entsorgen.

40 Stationen mit Kotbeuteln

In Wasserburg muss keiner lange nach einer Hundetoilette suchen: Es gibt im Stadtgebiet rund 40. Mitarbeiter des Bauhofs füllen sie regelmäßig auf – dabei machen sie die Beobachtung, dass die Tüten oft gehamstert werden. „Es kommt immer wieder vor, dass alle Beutel schon nach kurzer Zeit plötzlich weg sind“, so Hiebl. „Vielleicht werden sie als Müllsäcke zweckentfremdet“, so seine Mutmaßung.

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Korrekt verhalten sich die Wasserburger bei der Zahlung der Hundesteuer: „Ein paar Ausnahmen aufgrund finanzieller Situationen gibt es immer mal. Es wird stets allen Hinweisen nach eventuell nicht angemeldeten Hunde nachgegangen“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Auch was Beißvorfälle betrifft, gibt es kaum Ärger. Das Ordnungsamt spricht von einem „relativ ruhigen“ Jahr 2020. „Es hat nur einige wenige Vorfälle beziehungsweise Hundebisse bei Menschen gegeben“, so Amtsleiterin Claudia Schaber.

Tierische Gesellschaft fördert Gesundheit

Der Nutzen des Hundes für den Menschen bleibt jedenfalls unbestritten. Erst jüngst wieder meldeten sich Forscher der TU Dresden mit der Erkenntnis zu Wort, dass Leute, die Haustiere halten, weniger einsam seien. Hunde beispielsweise würden Gesellschaft bieten, Freude bereiten und: „Sie strukturieren den Alltag.“

Begehrte Welpen

Kleinere Hunde oder Welpen sind nach Auskunft des Rosenheimer Tierschutzvereins sehr gefragt. Leider leiste die starke Nachfrage auch den vielen illegalen Welpentransporten aus dem Ausland Vorschub. Meist seien die Tiere in einem erbärmlichen Zustand und nicht geimpft. Insbesondere bei sogenannten „Rassehunden“ verdienen laut Tierschutzverein Kriminelle auf einfache Art und Weise viel Geld. Diese Tiere würden später häufig krank werden, wenn sie einer unkontrollierten Massenproduktion entstammen. Vorsitzende Andreas Thomas warnt auch vor den vielen unseriösen Welpen-Angeboten im Internet.

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