1995 hieß es: Ausbildungsplatz verzweifelt gesucht

Wasserburg – Viele junge Wasserburger waren vor 25 Jahren auf der Suche nach einer Lehrstelle, in der Stadt am Inn fehlt es an Ausbildungsplätzen.

Außerdem berichtete die Zeitung über Münzsucher machen am Blaufeld einen unerwünschten Fund und stoßen auf eine Panzergranate.

Wasserburg – Um einiges schwieriger als letztes Jahr gestaltet sich die Suche nach der geeigneten Lehrstelle für die Schulabgänger im Sommer. In einigen Branchen gibt es so gut wie keine Ausbildungsplätze in Wasserburg. Insgesamt stehen derzeit 232 Bewerbern 315 Ausbildungsplätze gegenüber – eine Situation, die bei Thomas Schewe vom Rosenheimer Arbeitsamt „die Alarmglocken läuten lässt“. Die Schwachpunkte von Wasserburg liegen im Verwaltungs- und kaufmännischen Bereich. Im Gastronomiebereich ist dem Arbeitsamt für Wasserburg keine einzige freie Ausbildungsstelle gemeldet worden, ebenso für den beliebten Beruf Arzthelferin. Obwohl rein rechnerisch für jeden Jugendlichen ein Ausbildungsplatz vorhanden wäre, seien die Wahlmöglichkeiten stark eingeschränkt, so Schewe. Auch für Gerhard Russ, Rektor der Wasserburger Hauptschule, sieht die Situation in diesem Jahr nicht sehr rosig aus. Knapp die Hälfte seiner diesjährigen Schulabgänger hat noch gar keine Stelle oder keine definitive Zusage. Gründe dafür sieht er in der zunehmend geringeren Bereitschaft der Betriebe, Lehrlinge auszubilden, während die Nachfrage sogar ansteigt.

Eigentlich waren die Schatzsucher mit ihren Metalldetektoren auf der Suche nach alten Münzen. Doch dann spürten ihre Geräte am Blaufeld einen weniger wertvollen, dafür umso gefährlicheren „Bodenschatz“ auf: In rund 20 Zentimeter Tiefe ruhte eine scharfe Panzergranate. Da die Wiese bisher noch nie umgepflügt wurde, wurde die Granate bisher nicht entdeckt. Ob sich im Bereich des Blaufelds, früher beliebtes Ausflugsziel von Wasserburg aus, noch mehr Blindgänger befinden, ist nicht bekannt. Um noch weitere Granaten auszumachen, müsste man die ganze Wiese systematisch absuchen. „Diese Durchsuchung müssen aber die Grundstücksbesitzer in Auftrag geben, denn sie tragen die Kosten“, meinte Sprengmeister Helmut Kuhn, der aus München zur Entschärfung des Geschosses angereist war. Er ist der Ansicht, dass die gefundene Granate noch aus dem Ersten Weltkrieg stammt, was man an ihrer Beschaffenheit erkennen könne.

Weitere Meldungen in der Woche vom 9. bis zum 15. März 1995:

St. Johns – Im Fischereikonflikt zwischen Spanien und der Europäischen Union auf der einen und Kanada auf der anderen Seite überschlagen sich die Ereignisse. Zum Schutz ihrer Fischerdampfer vor Neufundland will Spanien ein zweites Kriegsschiff entsenden. Unterdessen zwang die kanadische Marine die geenterte „Estai“ in den Hafen St. Johns, wo etwa 8000 Schaulustige für einen heißen Empfang sorgten und eine Gruppe von 40 Demonstranten die Besatzung mit Eiern bewarf. Die Kanadier werfen dem spanischen Kapitän eine Verletzung des Gesetzes zum Schutz der Küstenfischerei vor.

Köln – Noch nie waren die Deutschen, zumindest statistisch gesehen, so gut mit Ärzten versorgt wie derzeit. Im vergangenen Jahr kam auf 304 Einwohner ein Arzt. Noch 1993 teilten sich rechnerisch 308 Einwohner einen Mediziner. Zu Beginn der Statistiken im Jahr 1876 versorgte ein Arzt sogar 3110 Menschen. Wie die Bundesärztekammer in Köln mitteilte, waren Ende 1994 bundesweit rund 326 760 Mediziner gemeldet.

Washington – Nicht nur die Sonne, auch das fahle Licht des Mondes wärmt die Atmosphäre der Erde. Über diese Entdeckung berichteten US-Forscher der Arizona State University. Doch die Erwärmung ist nur minimal; sie macht nur 0,017 Grad Celsius in der unteren Troposphäre aus. Dieser Bereich erstreckt sich vom Boden bis in eine Höhe von knapp sechs Kilometern.

Pisa – Eine Konstruktion aus Stahlseilen soll den Schiefen Turm von Pisa für die nächsten 80 Jahre vor dem Umstürzen bewahren. Mit den Arbeiten wurde nun begonnen. Dabei soll das berühmte Bauwerk aus dem zwölften Jahrhundert mit insgesamt 50 Stahlseilen mit einer unterirdischen Plattform verbunden werden. Die Seile von unterschiedlicher Spannlänge sollen nicht nur eine weitere Neigung des Turms verhindern, sondern ihn darüber hinaus um weitere vier Zentimeter aufrichten.

Garmisch-Partenkirchen – „Trittst Du auf meine Brille, brenne ich ein Loch in Deinen Teppich.“ Durch vorgetäuschte Schäden ist der Aufwand für Versicherungen in Deutschland um mehrere Milliarden höher, als tatsächlich reguliert werden müsste. Im Schnitt subventioniert jeder Bürger über seine Prämie Betrüger jährlich mit rund 100 Mark. Die Assekuranz will den „Volkssport Versicherungsbetrug“ nun mit einem Maßnahmenbündel eindämmen.

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