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ARCHIVALE DES MONATS

Nach Eisstoß: 1929 hing in Wasserburg die städtische Wasserversorgung am Drahtseil

Ausschnitte aus der Werbebroschüre von Franz Koloseus: Auf der Titelseite ist die Behelfsleitung aus vier Feuerwehrschläuchen zu erkennen, die an einem Drahtseil über den Inn gespannt wurde. Auf der Rückseite sind Passagen aus dem Zeugnis des Stadtbauamtes Wasserburg und der Berichterstattung des Wasserburger Anzeigers zur Qualität der Behelfsleitung abgedruckt.
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Ausschnitte aus der Werbebroschüre von Franz Koloseus: Auf der Titelseite ist die Behelfsleitung aus vier Feuerwehrschläuchen zu erkennen, die an einem Drahtseil über den Inn gespannt wurde. Auf der Rückseite sind Passagen aus dem Zeugnis des Stadtbauamtes Wasserburg und der Berichterstattung des Wasserburger Anzeigers zur Qualität der Behelfsleitung abgedruckt.

Wasserburgs Stadtarchivar Matthias Haupt stellt als Archivale des Monats Unterlagen vor, die die Geschichte der städtischen Wasserversorgung im Jahr 1929 beleuchten: Damals, im März 1929, beschädigte ein Eisstoß die Wasserburger Innbrücke schwer und brachte sie teilweise zum Einsturz. Damit war die Hauptwasserleitung unterbrochen.

Wasserburg – Als der Eisstoß die Brücke rammte, riss auch die städtische Hauptwasserleitung ab, die über die Brücke geführt und die Altstadt mit Quellwasser versorgt hatte.

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Als Ersatz installierte die Stadt unmittelbar nach dem Einsturz eine Notwasserleitung. Dazu wurden Feuerwehrschläuche an einem Drahtseil befestigt, das auf einer Länge von 140 Meter über den Inn gespannt wurde.

Entgegen aller Befürchtungen erwies sich diese Behelfskonstruktion als äußerst zuverlässig und sicherte für mehrere Monate die Versorgung der Altstadtbewohner mit sauberem Trinkwasser, erläutert Stadtarchivar Haupt und verweist aufs Historische Lexikon Wasserburg, wo zum Thema eine ausführliche Abhandlung von Historiker Johannes Böhm zu finden ist.

Feuerwehrschläuche als Notleitungen

Die für die Notleitung verwendeten Feuerwehrschläuche der Marke Tabaria lieferte der Wasserburger Seilermeister Franz Koloseus. Obwohl selbst der Hersteller keine Garantie dafür abgeben wollte, überstanden die Schläuche den mehrmonatigen Dauereinsatz schadlos.

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Einen besseren Nachweis für die Qualität seiner Ware hätte sich Koloseus vermutlich kaum wünschen können. Entsprechend selbstbewusst trat er einige Monate nach dem Abbau der Behelfskonstruktion auch an die Stadt Wasserburg heran und bat um Bestätigung dieser außergewöhnlichen Leistung.

Der findige Geschäftsmann Franz Koloseus ließ sich 1930 vom Stadtbauamt bestätigen, wie gut sein Provisorium funktionierte.

Das Stadtbauamt entsprach seiner Bitte und stellte Ende Januar 1930 ein Zeugnis über die hervorragende Qualität der verwendeten Schlauchleitungen aus. Diese hätten sich in Bezug auf Dichtig- und Haltbarkeit über alle Erwartungen vorzüglich bewährt, so dass diese Qualität zur Verwendung bestens empfohlen werden kann. Es versteht sich von selbst, dass Koloseus dieses Gütesiegel sogleich an prominenter Stelle in die Werbebroschüre seines Spezialgeschäfts für Feuerlösch-Ausrüstungen aufnahm.

Zeugnis des Stadtbauamtes

In gewisser Weise zog Franz Koloseus damit auch einen Schlussstrich unter eines der markantesten Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte. Der Einsturz der Innbrücke im März 1929, der das Leben der Wasserburger Bevölkerung für einige Monate aus den gewohnten Bahnen geworfen hatte, war im Frühjahr 1930 wohl ausreichend überwunden, sodass Koloseus den Blick zurück auf die jüngste Katastrophe nun ganz pragmatisch dafür nutzte, zukünftige Geschäfte anzubahnen.

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Ob das Zeugnis des Wasserburger Stadtbauamtes ihm wirklich zu besseren Umsätzen verhalf, geht aus den städtischen Akten nicht hervor. Es eröffnet jedoch eine interessante Perspektive darauf, in welch vielfältiger Weise sich der Einsturz der Innbrücke 1929 auf den Alltag in Wasserburg auswirkte. (red)

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