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Archäologische Ausgrabungen

171 Menschen-Schädel bei Sanierung der Wasserburger Stadtmauer entdeckt

Der Schädelfund an der Stadtmauer – vermutlich stammen die Knochen von Menschen, die Anfang des 19. Jahrhunderts begraben wurden.
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Der Schädelfund an der Stadtmauer – vermutlich stammen die Knochen von Menschen, die Anfang des 19. Jahrhunderts begraben wurden.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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171 menschliche Schädel und viele Langknochen sind bei den Restaurierungsarbeiten an der alten Stadtmauer in Wasserburg im Untergrund zum Vorschein gekommen. Sie stammen vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Pfarrer Bruno Bibinger spricht von einer „Schädeldeponie“.

Wasserburg – Von einer „Schädeldeponie“ ist im Gespräch mit Pfarrer Bruno Bibinger die Rede. Von einem „Bodendenkmal“ spricht Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann.

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„So einen Fund hab ich auch noch nicht gehabt“, so Herrmann, die beschreibt, die Überreste seien bei der Ausschachtung der Fundamente entdeckt worden. Vorsichtig freigelegt, dokumentiert, gesammelt und kartiert wurden sie von der Wasserburger Grabungsfirma PlanATeam Archäologie. Derzeit pausieren die archäologischen Grabungsarbeiten, bis im kommenden Jahr die Stadtmauer instand gesetzt worden ist.

Das Landesamt für Denkmalpflege, Bereich Bodendenkmäler, habe die „Crania“ (Fachausdruck für Knochengerüst des Kopfes) mitgenommen.

Seit Jahrhunderten tot

Aus welcher Zeit sie stammen, werde derzeit untersucht, um neuzeitliche Gebeine handle es sich jedoch nicht, das habe man am Zustand der Knochen sehen können, so Herrmann. Ihren Informationen zufolge wurden sie wahrscheinlich vor 1805 hier bestattet und waren zum Zeitpunkt der Lagerung schon skelettiert. Also Knochenfunde ohne Kriminalfall. „Wie die Schädel dort hinkamen, ist wissenschaftlich noch nicht gesichert“, so Mechtild Herrmann im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung.

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Eine Vermutung haben Pfarrer Bruno Bibinger und Heimatforscher Ferdinand Steffan. „Der Platz auf dem Friedhof war beschränkt. Darum war es üblich, Gebeine nach einer Weile zu exhumieren und sie vom Friedhof ins Beinhaus zu verlegen“, so Bibinger. In Wasserburg gab es hierfür die Gruft- und Michaelskapelle, vermutlich mit Knochendepots etwas unter dem Bodenniveau.

„Die Michaelskapelle war eine Doppelkirche. Sie diente auch als Karner (Beinhaus, Anm. d. Red.). Dort bewahrte man die Knochen würdig auf. Weil auch dort der Platz knapp wurde, verlegte man sie irgendwann zur Enddeponie an die Stadtmauer“, erklärt Steffan.

Pfarrer will Schädel zurück für würdige Bestattung

Bibinger erwartet, dass die Schädel nach der archäologischen Untersuchung wieder nach Wasserburg zurück kehren, damit sie bestattet werden können. „Hier gibt es einen eigenen Ritus; die Totenruhe wurde gestört“, so der Pfarrer, der ergänzt: „Die Gebeine gehören zu uns. Denen bereiten wir a schöne Leich‘“

Nachgefragt beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, erklärt Maximilian Bauer, Referent für Kommunikation, in verschiedenen „Grabungsabschnitten am Friedhof an der Nordseite der Stadtmauer wurde schon nach wenigen Zentimetern eine große Sammlung von einzelnen menschlichen Schädeln entdeckt, die aufgereiht und aufeinander gestapelt gegen die Stadtmauer hingelegt worden waren“.

Nach der kompletten Freilegung und Bergung durch Anthropologen belief sich die Anzahl der hier aufgefundenen Schädel auf mindestens 171 Exemplare.

In den Bereichen zwischen den Grabungsschnitten liegen ebenfalls noch etliche weitere Schädel, so Bauer vom Denkmalamt.

Deponie mit Langknochen entdeckt

In einem der Profile wurde eine Deponie von Langknochen, hauptsächlich Oberarmknochen, entdeckt. „Durch die anderen archäologischen Funde und den Glücksfall, dass einige der Schädel außen eine Beschriftung aufwiesen, lässt sich festhalten, dass die hier sekundär verlagerten Knochen mehrheitlich aus dem 18. Jahrhundert stammen müssen“, erklärt Bauer weiter. Beschriftet war beispielsweise ein Schädel mit den Worten „gestorben 1732 seines Alters 80 Jahr“.

Auch das Amt geht von der Theorie der Umbettung der Überreste aus.

Grabungen noch nicht abgeschlossen

„Wahrscheinlich waren dies Knochen, die eine unbestimmte Zeit vorher in einem für die Zeit typischen Beinhaus gelagert wurden, bevor dieses etwa am Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst wurde. Danach wurden die Knochen – und vor allem die Schädel – am Friedhof direkt an der Stadtmauer beigesetzt“, so Bauer.

Die Grabungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Sobald dem Amt ausführliche Untersuchungsergebnisse vorliegen, berichtet die Wasserburger Zeitung erneut.

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