Das Jahr 2020 in Porträts

„Unser Mann in Wasserburg“ blickt auf 12 Begegnungen mit Wasserburgern aus 12 Monaten zurück

Den richtigen Blickwinkel: Winfried Weithofer hat ein Gespür für interessante Menschen und ihre Geschichten.
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Den richtigen Blickwinkel: Winfried Weithofer hat ein Gespür für interessante Menschen und ihre Geschichten.
  • Winfried Weithofer
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Es war ein verrücktes Jahr, auch für Journalisten. Gelegenheit, Gesprächspartner auch mal abseits von Terminen zu treffen, gab es wegen der Corona-Pandemie nur selten. Unser Mitarbeiter Winfried Weithofer ist bei seiner Arbeit für die OVB Heimatzeitungen dennoch einer Reihe von interessanten Menschen begegnet.

Wasserburg– Hier eine Auswahl von 12 Begegnungen in 12 Monaten.

Januar

Es ist ein erfreuliches Treffen gleich zu Beginn des Jahres: Magdalena März (33), die neue Kreisheimatpflegerin für Wasserburg und Umgebung, stellt sich im Interview vor. Inspirationen, erzählt sie, kommen ihr beim Joggen rund um Zellerreit: „Da hab‘ ich wahnsinnig schöne Erlebnisse, sehe links das Kloster Attl, rechts das Kloster Rott. Da lauf‘ ich praktisch durch die Geschichte durch. Eine Zeitreise.“

Magdalena März

Am Jahresende schreibt sie einen viel beachteten Beitrag über das Leben auf der Burg von Wasserburg in früheren Zeiten.

Mehr über Magdalena März:

Wasserburg hat eine neue Kreisheimatpflegerin: Sie ist erst 32 Jahre alt

Februar

Zu den optimistischen Mitbürgern gehört auch Thomas Rothmaier (49), Verwaltungsleiter im Wasserburger Rathaus. Im Gespräch mit ihm wird deutlich: Er ist kein trockener Bürokrat, der sich hinter Papierbergen verschanzt.

Thomas Rothmaier

Seine Leidenschaft gilt der Natur, dem Fahrradfahren, dem Schwimmen und Bergsteigen. Er will nicht fremdbestimmt sein. „Mir ist meine Freizeit einfach zu wichtig. Das Leben ist so kurz.“

Mehr über Thomas Rothmaier:

Beruflich und privat: Thomas Rothmaier will immer hoch hinaus

März

In diesem Monat schlägt die Corona-Krise auch in Wasserburg mit voller Wucht zu, die Geschäfte und die Gastronomie, aber auch die Schulen werden geschlossen. Verena Grillhösl (59), Schulleiterin des Luitpold-Gymnasiums, entwickelt sich dabei zur Kämpferin. „Mit gelingt es, Ruhe zu bewahren. Die Arbeit ist jetzt nicht weniger, sondern eher sogar mehr geworden. Wir müssen die Krise professionell managen.“

Verena Grillhösl

Mehr über Verena Grillhösl:

Wasserburgs Schulleiterin Verena Grillhösl im Interview: „Wir werden Lösungen finden“

April

Wer in die Wohnung von Gabriele Beck (81) kommt, betritt eine andere Welt – und spürt den Zauber durch Bilder, Figuren und alte Möbel, vor allem aber ein Gefühl der übersinnlichen Wärme. Auch derjenige ist fasziniert, der für Volkskunst sonst nicht viel übrig hat. Die Kunsthandwerkerin und Katholikin glaubt an Wunder. „Ja, sehr sogar“, sagt Beck. „Wunder gibt es. Ich habe das Gefühl, dass immer von irgendwoher Hilfe kommt, wenn es einem schlecht geht.“

Gabriele Beck

Mehr über Gabriele Beck:

Gabriele Beck aus Wasserburg: Ein Leben für den Zauber der Kunst

Mai

Er ist ein tüchtiger Mann, der Sebastian Hausberger. Nach und nach hat der 76-Jährige in den vergangenen Monaten seinen Grund am Riedener Weg nahe der Rampe an die Stadt verkauft, die dort ein neues Gebäude für die Feuerwehr bauen will.

Sebastian Hausberger

In seiner Gärtnerei daneben arbeitet er unverdrossen weiter, auf kleinerer Fläche. Grün macht ihn glücklich. „Wenn man der Pflanze beim Wachstum zusieht, befriedigt das.“

Mehr über Sebastian Hausberger:

Vorbei ist`s mit der Gärtnerei: Wasserburger Traditionsbetrieb Hirneiß gibt Gewächshäuser auf

Juni

Sie kommt im Gespräch im Rahmen unserer Porträt-Serie rasch auf den Punkt, und von bürokratischer Steifheit ist bei ihr nichts zu spüren. Locker pariert sie auch schräge Fragen. Mechtild Herrmann (59) ist seit acht Jahren Stadtbaumeisterin von Wasserburg, und das will sie bleiben.

Mechtild Herrmann

Eine Frau, die, wie man sagt, „auf Zack“ ist. Das müsse sie sein, „sonst würde ich nicht hier sitzen“, bekennt sie selbstbewusst. Die Frage, was sie den lieben langen Tag so mache, kontert sie mit den Worten: „Wie viel Zeit haben Sie?“

Mechtild Herrmann im Porträt:

Wasserburgs Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann: Mit Ordnung an die dicken Bretter

Juli

Der Zettel mit den Fragen kann getrost weggelegt werden, das Gespräch mit ihr läuft von ganz allein. Sidney Parsons, Basketball-Trainerin des TSV 1880 Wasserburg, spricht geradeheraus, sie ist auf gewinnende, sympathische Art extrovertiert, das einstündige Interview mit ihr ist im Nu vorbei.

Sidney Parsons

Eine Sportsfrau mit Pep. „Ich bin glücklich mit dem, was ich tue“, sagt sie und strahlt. „In Deutschland gefällt mir auf jeden Fall Wasserburg am besten. Das ist wie meine Heimat.“ Die 33-Jährige stammt aus Arizona/USA.

DIe Trainerin im Porträt:

Wasserburgs Basketballtrainerin Sidney Parsons: Mit ihr kam der Erfolg – und dann kam Corona

August

Er ist ein erfolgreicher Unternehmer und hat eine große Leidenschaft für einen lauten Sport: Christian Kerstens aus Amerang liebt das Motocrossfahren. Das Leben muss Spaß machen, sagt der 61-Jährige, der über positive Ausstrahlung und Herzlichkeit verfügt.

Christian Kerstens

Sein Hobby nennt er unglaublich faszinierend. „Es ist ein Sport, der mit Geschwindigkeit zu tun hat, mit Körperbeherrschung. Es ist echt akrobatisch, was die Fahrer mit ihren Maschinen leisten.“

Der Ameranger im Porträt:

Christian Kerstens aus Amerang: Ein starker Typ auf starken Maschinen

September

Auch der Trachtenverein Wasserburg durchlebt wegen Corona eine schwere Zeit. Die Feste, die sonst im Trachtler-Jahr gefeiert werden, fallen aus. Hubert Mittermeier, der Vorsitzende, lässt sich aber nicht unterkriegen: Trachten, sagt der 50-Jährige, seien mehr denn je ein Renner und in allen Altersstufen beliebt, daran könne Corona nichts ändern.

Hubert Mittermeier

Das Platteln, fügt er hinzu, sei ein Ausdruck von Lebensfreude – wichtig auch in Zeiten der Pandemie.

Mehr über Hurbert Mittermeier:

Keine Feste, keine Plattler: Wasserburger Trachtler treffen coronabedingte Absagen ins Mark

Oktober

Werner Haas (41) ist seit gut 25 Jahren Mitglied der Bergwacht Wasserburg. Auch in diesem Jahr war er wieder bei Dutzenden Rettungsaktionen dabei. Es ist ein aufreibender Job, den der Bankbetriebswirt und ausgebildete Rettungssanitäter für die Wacht leistet, alarmiert wird er auch schon mal mitten in der Nacht. Die Kletterei kennt keine Altersgrenze: Haas hat auch schon mal einen 90- Jährigen gerettet.

Werner Haas

Das Porträt zum Nachlesen:

Wasserburger Bergwacht rettet regelmäßig Kraxler an der Kampenwand

November

Die neapolitanische Darstellung der Krippe gleicht einem rauschenden Fest, bei dem sich Lebensfreude pur entfaltet. Margarete Kölbl, die Frau des Bürgermeisters, hat ein solches Kunstwerk in ihrem Haus aufgebaut, ein prächtiges Werk, das den Betrachter in eine opulente Welt entführt.

Margarete Kölbl

Was für eine Augenweide! Insgesamt sind gut 80 Figuren versammelt und etwa ebenso viele Tiere. „Das ist meine religiöse Puppenstube“, sagt die Krippenkünstlerin.

Margarete Kölbl im Porträt:

Margarete Kölbl liebt ihre prächtige neapolitanische Krippe, in der eine Figur schwer zu finden ist

Dezember

Isolde Brandl, Vorsitzende des Wasserburger Pfarrgemeinderats, nimmt die Pandemie-Situation mit Gelassenheit hin. Bodenständigkeit und Pragmatismus zeichnen die 64-Jährige aus.

Isolde Brandl

Mehr über Isolde Brandl:

Kirchenfrau und Powerfrau – Isolde Brandl, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Wasserburg, im Porträt

Dass sie in diesen Tagen Gott näher zugewandt ist als sonst, würde sie nicht sagen. Auch an eine Rettung durch die Religion glaubt sie nicht: „Der Herr ist nicht derjenige, der alles richtet, da müssen wir Menschen schon mitarbeiten. Man kann nicht alles auf den lieben Gott schieben.“

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