100 Tage im Amt: Reichertsheims Bürgermeister Franz Stein hat sich viel vorgenommen

Bürgermeister Franz Stein im Übergangsquartier, Ende Oktober soll der Einzug ins neue Rathaus erfolgen.
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Bürgermeister Franz Stein im Übergangsquartier, Ende Oktober soll der Einzug ins neue Rathaus erfolgen.

Breitbandausbau, Umzug ins neue Rathaus, Dorferneuerung: Reichertsheims neuer Bürgermeister Franz Stein hat viel zu tun. Doch ihm geht es nicht nur darum, die Infrastruktur weiter zu verbessern. Ihm liegt auch das Miteinander im Dorf am Herzen.

Von Karlheinz Günster

Reichertsheim – Franz Stein (Einigkeit Ramsau) hat mit Gemeindepolitik seit 24 Jahren Erfahrung, denn er war auch Gemeinderat. Dass das Amt als Bürgermeister so vielfältig ist, war dann für ihn doch überraschend.

Sie sind seit 100 Tagen im Amt, wie fühlt es sich an?

Franz Stein: Es fühlt sich richtig gut an, auch wenn es eine deutliche Umstellung vom „süßen Nichtstun“ in der passiven Phase der Altersteilzeit in die regelmäßige Arbeit in der Gemeinde war. Es freut mich, dass in den vergangenen drei Monaten mir viele Gemeindebürgerinnen und -bürger zum Amt beglückwünscht, mir Erfolg gewünscht und ihr Vertrauen ausgesprochen haben – vielen Dank dafür.

Haben Sie es sich so vorgestellt?

Stein: Als langjähriges Mitglied des Gemeinderats waren mir die Belange unserer Gemeinde im Wesentlichen vertraut, aber das breite Spektrum der Themen hat mich dann doch überrascht. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat in den bisherigen vier Sitzungen entsprach genau meiner Vorstellung und Erwartung: offene, konstruktive und sachliche Diskussion mit raschen Entscheidungen.

Wie war die Einarbeitung?

Stein: Die Aufnahme im Rathaus war sehr herzlich, sodass ich mich schon nach wenigen Tagen „heimisch“ gefühlt habe. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft Reichertsheim funktioniert hervorragend und auch die Chemie mit Christoph Greißl, dem Bürgermeister der Gemeinde Kirchdorf, stimmte von Anfang an, so kann’s weitergehen. Zudem freue ich mich, dass ich guten Kontakt zu den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden habe und wir uns gegenseitig unterstützen.

Was waren Ihre ersten Schritte in Sachen Kommunalpolitik, die Sie eingeleitet haben?

Stein: Zunächst gilt es die bereits initiierten Themen weiterzuführen und erfolgreich umzusetzen. Neben Außenbereichssatzungen und dem Baugebiet Lexenberg steht natürlich die Fertigstellung des Rathauses in Reichertsheim an oberster Stelle. Die Böden sind weitestgehend verlegt, aber neben vielen Kleinigkeiten im Innenbereich sind die Außenarbeiten noch zu erledigen. Aktuell gehe ich davon aus, dass wir Ende Oktober ins „neue Heim“ umziehen.

Können Sie schon Schwerpunkte Ihrer Arbeit benennen?

Stein: Die Schwerpunkte sind noch die gleichen wie vor der Wahl, also Infrastrukturthemen wie der Erhalt von Straßen, zum Beispiel Risse verfugen, Kiesstraßen ausbessern und punktuelle Einzelmaßnahmen, und der weitere Ausbau im Rahmen der Flurneuordnung für Kronberg. Hier wurden in den vergangenen Wochen umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt und Ende Juni konnten bereits viele Vereinbarungen geschlossen werden. Insgesamt werden im Rahmen dieser Flurneuordnung circa 6,5 Kilometer Straßen neu asphaltiert.

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Als weiteren Schwerpunkt sehe ich die optimale Betreuung unserer Kinder in Kinderkrippe und Kindergarten im Franziskus-von- Assisi-Kindergarten, die Corona-bedingt in den vergangenen Monaten besonders herausfordernd war. Das Konzept für den September steht bereits. Außerdem geht es um die bestmögliche Förderung der Kinder in der Grundschule. Auch hier waren große Anstrengungen durch die Schulleitung und die Lehrer notwendig, um den Schulbetrieb trotz Corona aufrecht zu erhalten.

Ein weiterer Schwerpunkt stellt der Breitbandausbau dar. Dieser wurde mit der Inbetriebnahme des Höfe- Bonus-Programms mit der Ausführung durch die Firma Amplus abgeschlossen, alle Hausanschlüsse in unserer Flächengemeinde sollten nun mindestens 30 Megabit in der Sekunde zur Verfügung haben, 114 Hausanschlüsse haben bereits Glasfaser zur Verfügung mit bis zu ein Gigabit in der Sekunde. Die nächsten Schritte zum weiteren Ausbau von Glasfaseranschlüssen sind bereits in die Wege geleitet.

Wo sehen Sie – abseits der Corona-Krise – die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?

Stein: Ob mit oder ohne Corona, das Leben geht weiter und ich wünsche mir ein „gesundes Wachstum“ in allen Bereichen der Gemeindeentwicklung, insbesondere bei der Einwohner- und der Gewerbeentwicklung. Wir werden mit Umsicht und vorausschauend die Planungen und Projekte vorantreiben, damit wir diese Ziele erreichen und dazu alle Erfahrungsträger miteinbeziehen.

Gibt es ein Thema, das Sie persönlich besonders bewegt?

Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir miteinander und nicht übereinander reden und füreinander da sind. In der kurzen Amtszeit habe ich bereits viele Gespräche geführt, einerseits zum gegenseitigen Kennenlernen und andererseits um Bedürfnisse, Wünsche und Ideen zu erfahren. Ich habe dabei viel Zuspruch erhalten. Ich bin überzeugt, dass wir so gemeinsam Konflikte vermeiden und existierende Probleme leichter lösen können. Ich möchte alle ermuntern, sich ehrenamtlich zu engagieren in den unterschiedlichen Vereinen unserer Gemeinde oder in der Nachbarschaftshilfe. Nicht nur der Verein, auch der Ehrenamtliche gewinnt dabei.

Wie geht es mit dem geplanten Dorfsaal und der Dorferneuerung voran?

Stein: Der Vorstand für die Dorfentwicklung Reichertsheim muss im Rahmen einer öffentlichen Versammlung gewählt werden. Hierzu werden vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) alle Reichertsheimer Bürger eingeladen, besonders die betroffenen Grundstückseigentümer, der Verein „Dorfmitte Reichertsheim“, der Trachtenverein und der Gemeinderat. Wegen Corona konnten wir diese Versammlung bisher nicht durchführen, Gemeinde und ALE sind in enger Abstimmung. Im Rahmen der Dorfentwicklung Reichertsheim werden wesentliche Fragen zur Weiterentwicklung der Ortschaft geklärt, unter anderem die Überplanung des Rampl Areals und ein möglicher Dorfsaal.

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