100 Tage im Amt: Maitenbeths Bürgermeister Thomas Stark ist gefühlt schon ewig da

„Die Vielzahl der Themen hat mich nicht überrascht“: Maitenbeths Bürgermeister Thomas Stark zieht erstes Fazit aus 100 Tagen im Amt.
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„Die Vielzahl der Themen hat mich nicht überrascht“: Maitenbeths Bürgermeister Thomas Stark zieht erstes Fazit aus 100 Tagen im Amt.

Seit 100 Tagen ist Thomas Stark Bürgermeister der Gemeinde Maitenbeth. Er hat sich nach eigenen Angaben schnell eingearbeitet. Im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung zieht der 59-Jährige ein erstes Fazit seiner bisherigen Amtszeit.

Maitenbeth – Dass die Arbeit als Bürgermeister in Maitenbeth abwechslungsreich wird, das hat Thomas Stark aus seiner Zeit als Gemeinderat bereits geahnt. Dass es dann doch so detailliert wird, war eine Überraschung. Stark versucht, diese Herausforderung ruhig anzugehen, „ich verspreche nichts, das ergibt sich“, hat er einmal gesagt. Den Berufswechsel erleichtert haben dem früheren Verlagsredakteur die hilfsbereiten Mitarbeiter im Rathaus und auch die Bürger. Geht er durchs Dorf, bringt er etwas mehr an Zeit mit, denn immer wieder ergeben sich Gespräche – wie jetzt mit der Wasserburger Zeitung über seine bisherige Amtszeit.

Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Wie fühlt es sich an? Haben Sie es sich so vorgestellt? Wie war die Einarbeitung?

Thomas Stark: 100 Tage im Amt – dieses „Jubiläum“ möchte ich dazu nutzen, allen von Herzen zu danken, die mir den Start so leicht gemacht haben. Allen voran natürlich den Mitarbeitern der Gemeinde und der Verwaltungsgemeinschaft. Ich habe in meinem Berufsleben noch nicht viele Wechsel hinter mir, aber hier hat es sich schon am ersten Tag so angefühlt, als wäre ich mittendrin und eigentlich schon ewig da. Und nicht zu vergessen die vielen guten Wünsche der Bürger, die mich in mein neues Amt begleitet haben. Die Vielzahl der Themen hat mich nicht überrascht, davon kann man im Gemeinderat ja schon einen ganz guten Eindruck bekommen. In welche Tiefe und Details die Aufgaben des Bürgermeisters reichen, das war dann aber doch neu. Und das macht nach 100 Tagen mehr Spaß, als ich gehofft hatte – auch wenn man nicht jedem Problem aus dem Weg gehen kann. Das trifft ganz genauso auf den Wasserzweckverband der Mittbachgruppe zu, dessen Vorsitz mir übertragen wurde.

Beeindruckt von Hilfsbereitschaft und Beratungsangeboten

Mich beeindruckt, auf wie viel Hilfsbereitschaft und Beratungsangebote ein neuer Bürgermeister über „seine eigene Verwaltung“ hinaus trifft. Durch die kollegialen Gespräche mit den Zuständigen im Landratsamt kann ich sehr viel lernen und auch die Angebote des Bayerischen Gemeindetags sind von einer überragenden Fachkompetenz. Das gibt mir die Gewissheit, auch in kniffeligen Situationen einen guten Weg zu finden.

Was waren die ersten Schritte in Sachen Kommunalpolitik, die Sie eigeleitet haben?

Stark: Ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger ist für mich eine Grundvoraussetzung für eine gute Kommunalpolitik. Deshalb möchte ich nach wie vor jeden bitten, mit einer kurzen Mail oder einem Anruf einen Termin zu vereinbaren, was bislang immer recht kurzfristig gelungen ist. Davon wird auch schon regen Gebrauch gemacht. Auch beim Spaziergang durch den Ort oder auf dem Weg mit dem Radl ergibt sich immer wieder ein Gespräch. Dass sich solche Anregungen immer sofort in die Tat umsetzen lassen, ist leider meistens nicht der Fall. Aber sie sind wichtig für alle weiteren Überlegungen.

Passende Maßnahmen ergreifen

Ich sehe es als meine Aufgabe, für die Anliegen einer Mehrheit der Bürger Möglichkeiten der Umsetzung zu finden. Hier die Ohren offen zu halten und dann gemeinsam mit dem Gemeinderat die passenden Maßnahmen zu ergreifen, ist eine Aufgabe, die mich über die ganze Amtszeit hin beschäftigen wird.

Liegt der Anbau des Kindergartens im Zeitplan?

Stark: Die Kinderbetreuung ist wichtiges Thema, das zeigt ja allein schon der Blick in den Haushalt der Gemeinde. Zum 1. September soll der Anbau fertiggestellt sein. In allen Details wird das wahrscheinlich nicht der Fall sein. Was das Große und Ganze angeht, bin ich aber optimistisch und folge der Zuversicht unseres Architekten. Und ab September ist die Kindertagesstätte auch in gemeindlicher Trägerschaft. Künftig ist also nicht nur das Gebäudemanagement, sondern auch die tägliche Arbeit mit den Kindern im direkten Aufgabenbereich der Gemeinde. Es freut mich sehr, dass alle Mitarbeiterinnen geschlossen diesen Schritt mitgegangen sind. Das stellt sicher, dass der pädagogische Auftrag auch in Zukunft in der gewohnt guten Qualität erfüllt wird.

Können Sie schon Schwerpunkte benennen?

Stark: Die beiden neuen Bebauungspläne sind Projekte, die bereits vor meiner Amtszeit begonnen wurden und nun fortgeführt werden wollen. Es gibt eine große Zahl einheimischer Bewerber um einen Baugrund. Diese jungen Familien vor Ort zu halten, darin sehe ich eine wichtige Aufgabe der Gemeindeentwicklung. Und bei diesem Thema sehe ich auch für die Zukunft noch einigen Handlungsbedarf, zum Beispiel, was das Grundstück angeht, auf dem zur Zeit noch das alte Rathaus steht.

Offene Kommunalpolitik verfolgen

In diesem Bereich liegt ganz sicher ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit. Um zu beurteilen, was sich sonst noch ergeben kann, sind wohl die ersten 100 Tage zu kurzfristig. Aber ich möchte eine offene Kommunalpolitik verfolgen und neue Ziele frühzeitig in einer breiten Öffentlichkeit diskutieren.

Wo sehen Sie, abseits der Corona-Krise die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?

Stark: In der Frage, ob Maitenbeth schon zum Ballungsraum München gehört oder noch nicht. Was bedeutet das für die Zukunft von Maitenbeth? Wie können wir den ländlichen Charakter unserer Gemeinde bewahren? Was können wir dem Siedlungsdruck entgegenhalten? Ich befürchte, dass es auf solche Fragen keine einfachen Antworten gibt. Sie trotzdem zu suchen und zu finden, das wird uns hinter den Tagesaufgaben in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen müssen. Hier möchte ich auch persönlich einen Beitrag leisten.

Interview: Karl-Heinz Günster

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