100 Tage im Amt: Daniel Wendrock kann Projekte in Rott jetzt endlich auch mitgestalten

„Die Lösung vieler Probleme beginnt oft im Kleinen – auf lokaler Ebene“: Daniel Wendrock ist seit 100 Tagen im Amt als Bürgermeister der Gemeinde Rott.
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„Die Lösung vieler Probleme beginnt oft im Kleinen – auf lokaler Ebene“: Daniel Wendrock ist seit 100 Tagen im Amt als Bürgermeister der Gemeinde Rott.

Seit 100 Tagen ist Daniel Wendrock neuer Bürgermeister der Gemeinde Rott. Im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung zog der 43-Jährige jetzt eine erste Bilanz aus seiner bisheriger Amtszeit.

Von Petra Maier und Heike Duczek

Rott – Schon vor der Kommunalwahl am 15. März saß Daniel Wendrock im Rotter Rathaus auf einem Chefsessel – als Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft der beiden Gemeinden Rott und Ramerberg. Bei der Wahl holte der 43-Jährige als Kandidat der Gruppierung Bürger für Rott/SPD 64,4 Prozent der Stimmen und eroberte vor dem CSU-Kandidaten Florian Lemmrich einen anderen Chefsessel – den des Rotter Bürgermeisters. Vor 100 Tagen hat Daniel Wendrock sein Büro getauscht: Jetzt zog er im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung eine erste Bilanz.

Herr Wendrock, wie fühlen Sie sich nach 100 Tagen im Amt?

Daniel Wendrock: Gefordert. Im besten Sinne des Wortes. Zahlreiche große Projekte, vom Schulhausneubau bis zur Ertüchtigung der Kläranlage, kommen derzeit in Rott in volle Fahrt und ich kann sie endlich nicht „nur“ verwalten, sondern auch kommunalpolitisch gestalten. Da kommt mir meine jahrelange Verwaltungserfahrung natürlich zu Gute.

Wegen Corona in Quarantäne

Kaum waren Sie Gemeindeoberhaupt, da mussten Sie vorsorglich für eine Woche wegen Corona in Quarantäne. War das schlimm für Sie?

Daniel W.: Es war schon eine neue, durchaus beengende Erfahrung, über viele Tage hinweg nicht mehr das Haus verlassen zu können. Schlussendlich war für mich aber entscheidend, dass Entwarnung für meine Person und meine Nächsten gegeben werden konnte. Und die digitalen Möglichkeiten von Video- über Telefonkonferenzen bis hin zu den vielseitigen Möglichkeiten des „Homeoffice“ haben eine Amtsführung „aus dem Wohnzimmer“ schon wesentlich erleichtert. Ich würde mir wünschen, dass wir als Gesellschaft diese Möglichkeiten über die aktuelle Situation hinaus auch tatsächlich in die Zeit „nach Corona“ hinein retten.

Was waren Ihre ersten Schritte in Sachen Kommunalpolitik, die Sie eingeleitet haben?

Daniel W.: Ich habe gleich einige unserer großen Projekte auf die Tagesordnung setzen und einer Entscheidung zuführen dürfen. So wurde die Entscheidung zugunsten der selbstständigen Rotter Kläranlage und deren Neubau gefasst und die Schulbaumaßnahme ist trotz wirtschaftsbedingter finanzieller Unwägbarkeiten endlich in ihre Realisierungsphase getreten. Es sind aber auch vermeintlich kleine Maßnahmen für die wir – Gemeinderat und ich als neuer Bürgermeister – wichtige Weichen stellen beziehungsweise die Rahmenbedingungen setzen konnten. Die Rotter „Zwergerlgruppe“ wird es dank vorbildlichen ehrenamtlichen Engagements auch weiterhin geben, die Anbindung Rotts an den MVV konnte für mindestens drei weitere Jahre gesichert werden und der Umweltschutz wird mit zahlreichen Maßnahmen, die in nächster Zeit umgesetzt werden, einen neuen Stellenwert in der Rotter Kommunalpolitik bekommen. Hinter den Kulissen bereiten wir derzeit außerdem verstärkt die Digitalisierung unseres Rathauses vor – vom bargeldlosen Zahlungsverkehr über eine neue Homepage oder ein papierloses Ratsinformationssystem.

Einsparungen gegenüber den Kostenberechnungen

Sie dürfen als Bürgermeister in Ihrer Amtszeit eine neue Schule bauen – eine besondere Herausforderung und seltene Aufgabe. Bereitet Sie Ihnen eigentlich manchmal schlaflose Nächte?

Daniel W.: Ich würde nicht gleich von schlaflosen Nächten sprechen, aber dieses Großprojekt mit einer kalkulierten Bausumme von über 18 Millionen Euro ist natürlich immer präsent. Die bisherigen Ausschreibungen haben zwar erfreuliche Einsparungen gegenüber den Kostenberechnungen ergeben, aber wir sind natürlich erst am Anfang. Werden die Kosten weiter im Rahmen bleiben ? Wie stark werden am Schluss die Gewerbesteuerausfälle in den nächsten Jahren wirklich sein, die sich natürlich auch auf die Baufinanzierung durchschlagen können ? Und wie reibungslos wird der Unterricht in der neuen Containerschule ablaufen – auch unter den möglichen verschärften Bedingungen der aktuellen Situation, die wir natürlich mit bedacht haben? Das sind schon zentrale Fragen, die man sich als Bürgermeister fortwährend stellt.

Sie haben angekündigt, in punkto Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ökologie Gas geben zu wollen. Welche Maßnahmen haben Sie geplant?

Daniel W.: In der Tat, das Thema ist mir sehr wichtig. Oder um es einmal ganz global zu sagen: Die ökologischen Probleme stellen aus meiner Sicht die vielleicht größte Herausforderung für die Menschheit im 21. Jahrhundert dar. Und die Lösung vieler Probleme beginnt oft im Kleinen, auf lokaler Ebene. Und hier sind die Maßnahmen, die wir für Rott in nächster Zeit andenken vielgestaltig: Sie reichen von einer Förderung der E-Mobilität (Ladestationen, Dienstfahrzeuge) über ein Nachverdichtungskonzept oder die regionale und biologische Verpflegung von Kindertageseinrichtungen bis hin zu sozial-ökologischen Kriterien bei der Vergabe von Dienstleistungsaufträgen oder die weitere Schaffung von Nist- und Brutmöglichkeiten für Vögel und andere Tiere – oft kleine Maßnahmen, manchmal nur mit Vorbildfunktion, in der Summe aber durchaus wirksam.

Die finanzielle Situation ist angespannt

Wo sehen Sie – abseits der Corona-Krise – die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?

Daniel W.: Die bereits erwähnte angespannte finanzielle Situation bleibt sicherlich ein Dauerthema für unsere Gemeinde, zumal sie auch wichtige kommunalpolitische Projekte unter Finanzierungsvorbehalt stellen kann. Daneben stellt aber sicherlich die Alterung der Bevölkerung, der sogenannte demografische Wandel eine Hauptaufgabe für die Gemeinde dar. Während wir in Rott derzeit einen Anteil von 18 Prozent an Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Alter 65-Plus haben, wird für 2035 bereits einen Anteil von zirka 25 Prozent prognostiziert – Tendenz steigend. Das heißt: Wir werden uns auch in Rott Gedanken über zeitgerechte Angebote für Seniorinnen und Senioren und neue altersgerechte, auch generationenübergreifende Wohnformen machen müssen.

Gibt es ein Thema, das Sie persönlich besonders bewegt?

Daniel W.: Das ist sicherlich die Zukunft der Kinder- und Vorschulbetreuung, nicht zuletzt persönlich als Vater eines kleinen Sohnes. Ich denke, dass wir uns hier insgesamt und auch als Gemeinde breiter aufstellen sollten. Dazu gehören für mich auch neue Betreuungsformen beispielsweise unter Einbeziehung der Wald- und Naturpädagogik. Erste konkrete Überlegungen hierzu gibt es bereits. Denn: Wie wir uns als Träger von Kindertageseinrichtungen hier aufstellen, was wir unseren Kleinsten mitgeben können, das ist auch mitprägend dafür, in welcher Gesellschaft wir morgen leben werden.

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