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Rundgang durchs Heizwerk

10 Jahre Biomasse-Heizwerk in Gars: Fünf Millionen Liter Heizöl gespart

Der große Heizkessel mit 850 kW ist im Winter in Betrieb.
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Betreiber und Besitzer des Biomasseheizwerks, Sepp Pflügl, am großen Heizkessel.
  • VonAnja Leitner
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Seit über zehn Jahren gibt es das Biomasseheizwerk am Garser Kloster. Wie die Anlage funktioniert und was die Vor-und Nachteile sind: Wir haben mit Besitzer Sepp Pflügl einen Rundgang gemacht.

Gars – Seit über zehn Jahren gibt es das Biomasseheizwerk in Gars. Seidem hat sich viel getan: 2011 war Sepp Pflügl, Besitzer und Betreiber der Anlage, noch eine Art Pionier auf diesem Gebiet. Heutzutage ist das Interesse rund um Fernwärme groß.

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Durch das Heizwerk, das sich neben dem Kloster in Gars befindet, konnte bisher eine Menge Heizöl und CO2-Ausstoß eingespart werden. „Kloster, Gärtnerei und Gymnasium haben miteinander 500.000 Liter im Jahr an Öl verbraucht, manchmal sogar mehr, wenn der Winter kalt und lang war. Das sind auf zehn Jahre gerechnet fünf Millionen Liter, die eingespart wurden. Und jährlich 2.000 Tonnen weniger CO2, das sind 20.000 Tonnen auf die ganze Zeit gerechnet“, resümiert Sepp Pflügl, Innungsobermeister für Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik Traunstein.

Mit 900 Grad wird verbrannt

Das Heizwerk wird mit Hackschnitzel betrieben. Das Material dafür sei Abfall aus der Holzgewinnung und werde von den umliegenden Landwirten angeliefert – unter anderem aus Jettenbach, Gars und Unterreit, so Pflügl. „Alles, was im Wald nach den Forstarbeiten normalerweise liegen bleibt, wird hierher gebracht. Restholz und sogar Christbäume werden klein gemacht und eingeheizt.“

Das Hackschnitzellager ist 17 mal 35 Meter groß. Pro Jahr wird die Anlage zwei Mal befüllt. Über ein Schubbodenbeförderungssystem und eine Förderschnecke werden die Hackschnitzel, also die Biomasse, in den Kessel befördert. Zwei davon stemhen im Heizwerk zur Verfügung, ein großer mit 850 kW, der im Winter in Betrieb ist, und ein kleinerer Hackgutkessel mit 200 kW.. Er läuft nur den Sommer über. In den Öfen wird die Masse mit bis zu 900 Grad verbrannt, berichtet Pflügl weiter.

Sepp Pflügl im Hackschnitzellager.

Mit der erzeugten Wärme würden die 50.000 Liter Wasser im Pufferspeicher erhitzt und über die 1200 Meter langen Leitungen an die angeschlossenen Objekte gepumpt: das Kloster, die Gärtnerei und der Alt- und Neubau des Gymnasiums, circa 15 Wohnhäuser, und ab 1. Oktober 2022 die Grund- und Mittelschule. Außerdem seien vier weitere Gebäude in Planung, erklärt der Innungsobermeister.

In jedem der angeschlossen Häuser ist eine Übergabestation montiert. Dort komme das Wasser mit 90 Grad an und werde in die Heizkörper verteilt. Danach fließed das Wasser mit etwa 50 Grad in den Pufferspeicher des Heizkraftwerks zurück. Wenn es richtig kalt sei, könnten es auch nur 45 sein, so Pflügl.

Das einzige Manko des Biomasseheizwerks: der hohe Stromverbrauch. „Die Anlage frisst 60 000 kW im Jahr. Durch die Photovoltaik auf dem Dach können wir einiges davon selbst produzieren, aber das ist natürlich viel Strom, der hier genutzt wird“, erklärt der Betreiber.

Schön warm: Ein Blick in den Heizkessel.

Trotzdem sei die Anlage eine der saubersten Arten zu heizen, auch was die Staubemissionen angehe. „Erlaubt sind 20 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter. Vor zehn Jahren waren es noch 100 Milligramm. Die Anlage stößt zwei bis vier Milligramm pro Kubikmeter aus. Sauberer geht es eigentlich nicht“, erklärt Pflügl. Darüber hinaus werde das Heizkraftwerk zwei Mal im Jahr vom Kaminkehrer überprüft. „Was wir mit bloßem Auge aus dem Kamin kommen sehen, ist zu 99 Prozent Wasserdampf. Es gibt eben einen großen Unterschied zwischen weißem und schwarzem Rauch“, verdeutlicht Pflügl.

Zur Absicherung von Spitzen sowie im Falle eines Totalausfalls der Hackgutanlagen übernehmen zwei Ölkessel den Betrieb. Damit die Energieversorgung zu 100 Prozent gewährleistet ist, ist die Heizung mit einem Notstromaggregat ausgestattet. Die Idee, das Heizwerk zu bauen, sei damals eigentlich vom Kloster ausgegangen, erzählt Pflügl.

Fernwärme ist die Zukunft

„Die sind auf mich zugekommen und ich habe mit meiner Firma das Projekt in die Hand genommen. Ansonsten hatten vor zehn Jahren noch wenige Interesse an dieser Art des Heizens. Heute will jeder angeschlossen werden.“

Überhaupt sei das Heizen mit Fernwärme „die Zukunft“, meint er. „Ansonsten ist die Klimawende nicht zu schaffen.“ Die Baukosten für das Heizwerk schlugen damals mit 2,8 Millionen zu Buche, davon wurden nur 180.000 Euro gefördert. Heutzutage liege die Förderung bei etwa 40 Prozent, weiß der Geschäftsführer.

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