Die Frauenbeauftragte der TH Rosenheim im Interview

„Männer sind einfach selbstbewusster“

TH Rosenheim Kölzer
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Prof. Dr. Brigitte Kölzer.

Professorinnen sind an Hochschulen nach wie vor unterrepräsentiert – dabei gäbe es genügend Frauen, die für den Job in Frage kämen. Ein Interview mit Prof. Dr. Brigitte Kölzer, Frauenbeauftragte der TH Rosenheim, über weibliche Zurückhaltung und die Vorteile des Professorinnen-Daseins.

Frau Kölzer, fühlen Sie sich als Professorin manchmal als Exotin?
Das kommt ganz darauf an, wo ich bin. An der Hochschule nicht, da gibt es ja noch einige andere. Aber im privaten Umfeld schauen mich schon manche erstaunt an, wenn Sie erfahren, dass ich Professorin bin. Das wird durchaus als etwas Besonderes oder Exotisches wahrgenommen (lacht).
Spielt das Geschlecht aus Ihrer Sicht eine Rolle für die Lehre?
Nein, denn es geht vor allem darum, wie gerne und wie gut jemand unterrichtet. Da ist es nicht wichtig, ob eine Frau oder ein Mann im Hörsaal steht.
Warum ist es dann wichtig, dass es mehr Professorinnen gibt?
Es geht ums Thema Gleichstellung. Etwa 50 Prozent aller Studienabsolventen sind weiblich. Wenn man deren weiteren Weg verfolgt, landen nur wenige von ihnen in den Führungsetagen. Da sind die Hochschulen leider keine Ausnahmen. Dabei gibt es zweifellos genügend gut ausgebildete Frauen, die dazu befähigt wären, Professorin zu werden. Es schlagen aber zu wenige diese Laufbahn ein.
Weshalb?
Viele wissen tatsächlich nicht, dass ihnen dieser Weg offen stehen würde und welche Vorteile sie hätten. Gerade die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist durch flexible Arbeitszeiten sehr gut. Man hat zwar einen festen Stundenplan, aber abgesehen davon freie Zeiteinteilung für die Vor- und Nachbereitung oder sonstige Arbeiten. Als Managerin in einem Unternehmen hat man diese Vorteile nicht.
Womöglich legen Männer auch mehr Wert auf den Job und den Titel eines Professors.
Das kann ich nicht beurteilen. Wir wissen aber, dass Männer es sich eher zutrauen, diesen Beruf auszuüben. Das beobachten wir auch bei unseren Stellenanzeigen. Selbst bei Stellen, für die es genügend qualifizierte Frauen gäbe, haben wir einen deutlich höheren Anteil männlicher Bewerber. Frauen halten sich eher zurück, wenn das Anforderungsprofil aus ihrer Sicht nicht zu 100 Prozent zu ihnen passt. Männer sind einfach selbstbewusster oder sehen es auch lockerer.
Die TU Eindhoven stellt nur noch Frauen ein. Was halten Sie davon?
Das überzeugt mich nicht. Die Qualifikation entscheidet, und die kann ich nicht verordnen. Der Schlüssel ist, dass sich mehr Frauen für das Berufsbild interessieren und sich mit mehr Selbstbewusstsein bewerben!

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