Der Wald der Zukunft

Das Ökosystem Wald verändert sich zunehmend, Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.
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Das Ökosystem Wald verändert sich zunehmend, Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.

Mit der TH Rosenheim an der Spitze startet im Frühjahr ein Gemeinschaftsprojekt zur zukunftsweisenden Entwicklung der Forst- und Holzwirtschaft in der EU. 19 Partner aus acht Ländern, vor allem Universitäten und Hochschulen, sind an dem auf drei Jahre angelegten Projekt beteiligt.

„Wir werden die gesamte Wertschöpfungskette der Wald- und Holzwirtschaft analysieren, um daraus Erkenntnisse für deren nachhaltige Umgestaltung zu gewinnen“, erläutert Veronika Auer, stellvertretende Leiterin des Zentrums für biobasierte Materialien (ZBM) der Technischen Hochschule Rosenheim.

Vielfältige Funktionen des Waldes

Im Mittelpunkt steht dabei die ganzheitliche Betrachtung des Öko- und Wirtschaftssystems Wald. „Die Funktionen des Waldes sind vielfältig: Er bietet Schutz zum Beispiel vor Lawinenabgängen, Menschen können sich in ihm erholen und Forstbesitzern dient er als Einnahmequelle“, so Auer. Die verschiedenen Aspekte bestmöglich zu vereinen, sei das Hauptziel des Projekts „ONEForest“. In verschiedenen Szenarien-Analysen für die kommenden 30 Jahre werden die Wissenschaftler/innen konkrete Vorschläge für die Umgestaltung liefern.

Verschiedene Kompetenzen vereint

Das in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Forschungsallianz und den europäischen Partnern entwickelte Projekt bringt die Kompetenzen des Zentrums für biobasierte Materialien, des Zentrums für Forschung, Entwicklung und Transfer (Claudia Bayer, Dr. Benjamin Engler, Dr. Sebastian Hirschmüller) und dem Fachgebiet Nachhaltige Produktentwicklung und Produktion (Prof. Dr. Sandra Krommes) auf dem Themengebiet der Holzwirtschaft und Nachhaltigkeit zusammen. Die Förderung in Höhe von rund 5,2 Millionen Euro erfolgt über das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“.

„Wir wollen den Wald nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive betrachten, sondern auch die Ökosystemdienstleistungen des Waldes mit in den Fokus rücken. Also welchen Nutzen und welchen Wert der Wald für die Gesellschaft und für die Lebensqualität der Menschen sowie den Klima- und Umweltschutz hat“, verdeutlicht Krommes. Idealerweise finde man Ansätze, den Wald und die Wertschöpfungskette Forst-Holz ganzheitlich unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten zu bewerten.

Um die verschiedenen Funktionen des Waldes eingehend zu untersuchen, betrachtet das Projektteam vier biogeografische Modellregionen. Damit wird sichergestellt, dass Unterschiede bei Klima- und Waldbedingungen, Waldwachstum sowie Holzversorgung und -nutzung berücksichtigt werden.

Vier Waldregionen werden untersucht

Dabei spielen auch die notwendigen Veränderungen unserer Wälder von Monokulturen zu Mischkulturen eine Rolle, damit diese weniger anfällig gegenüber Schädigungen durch Insekten, Stürme oder Trockenheit sind. Untersucht werden Mittelmeerwälder in Spanien, Alpenwälder in der Schweiz, Kontinentalwälder in Deutschland sowie nördliche Wälder in Estland.

Unter Federführung der TH Rosenheim und der Universität Trento wird im Rahmen des Projektes auch die Einsatzmöglichkeit eines Holzfaser-Biopolymer-Komposites als Bodenabdeckung untersucht. „Insbesondere werden die Auswirkungen auf Bodenerosion, Bewuchs, Wasserspeicherkapazität, mikrobiologische Aktivität und Bodenstabilisierungspotenzial genauer betrachtet“, erläutert Hirschmüller.

Kooperation mit Interessensgruppen

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Forschungsprojekts ist laut Auer, alle Inte ressensgruppen, und dabei insbesondere die Holzindustrie, bei der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Umgestaltung der Forstwirtschaft mitzunehmen.

„Der Wald wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern und das hat auch Auswirkungen auf die Materialflüsse und die Produkte. Wir wollen die Unternehmen der Wertschöpfungskette darauf vorbereiten und zusammen mit ihnen Perspektiven für die künftige Holznutzung erarbeiten.“.

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