AKTION „KEINE ANGST! HUNDE SPIELEND KENNENLERNEN“

Streicheln, Leckerli, Verständnis

Das gute Miteinander von Hund und Mensch steht bei Gitti Ziegelmeier (links) und Dr. Janey Heine im Mittelpunkt. Lezius-Pratsch
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Das gute Miteinander von Hund und Mensch steht bei Gitti Ziegelmeier (links) und Dr. Janey Heine im Mittelpunkt. Lezius-Pratsch

„Muffin“, „Timon“, „Kenny“ und „Ivy“ freuen sich immer sehr, wenn sie einmal im Monat in Kindergärten oder Schulen in Stadt und Landkreis Rosenheim zu Gast sind. Sie sind die vierbeinigen Hauptpersonen bei der Aktion „Keine Angst! Hunde spielend kennen- lernen“, die Dr. Janey Heine und Gitti Ziegelmeier vor zwei Jahren gestartet haben.

Rosenheim – Entspannt liegt der vierjährige Mini Australien Shepherd „Muffin“ auf dem Boden des Klassenzimmers und lässt sich übers Fell streichen. Währenddessen erklärt seine Besitzerin Dr. Janey Heine den Mädchen und Buben in der Grundschule Nicklheim, woran sie erkennen, dass sich das Tier wohlfühlt. „Es ist immer wieder schön mitzuerleben, wie anfangs ängstliche Kinder mit der Zeit mutiger werden und Schritt für Schritt die Sprache des Hundes lernen“, freut sich die Tierärztin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und kann sich noch ganz genau daran erinnern, als sie Gitti Ziegelmeier und ihren Labrador „Ivy“ kennenlernte. Zahlreiche Ausbildungskurse hatte die 48-jährige Rosenheimerin mit ihrer Hündin bereits besucht und erfuhr schließlich durch Zufall von der Hundeschule von Dr. Heine in Gstadt/ Söchtenau. Das Konzept überzeugte, und schließlich freundeten sich die beiden Frauen an. Schnell stellten sie fest, dass es neben der Liebe zum Hund noch mehr Gemeinsamkeiten gab, nämlich viele negative Begegnungen mit Menschen, die Hunde nicht mögen und sie deshalb massiv anfeindeten. Das wollten sie ändern. „Für alle herumliegenden Hundehaufen sollte ich plötzlich verantwortlich sein“, erinnert sich die 36-jährige Tierärztin fassungslos, die sich selbst maßlos über das rücksichtslose Verhalten vieler Hundebesitzer ärgert. Sie kam ins Grübeln. Meist ist es Unwissenheit, aber auch Angst vor Hunden, die die Menschen zu einer Überreaktion verleiten.

Erwachsene zu erreichen und zum Umdenken zu bewegen, ist schwer, dachten sich Ziegelmeier und Heine. Warum also nicht gleich bei den Kindern und Jugendlichen ansetzen und ihnen den Facettenreichtum der Hundewelt aufzeigen. Gesagt getan. Die fachlichen Voraussetzungen waren kein Problem, denn Heine ist auch Multiplikatorin des Hundebiss-Präventionsprogramms „Der blaue Hund“ und besitzt wie die Diplombetriebswirtin Gitti Ziegelmeier den BHV-Hundeführerschein (Bundesverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater). Schnell stand das Konzept fest, und die Aktion „Keine Angst! Hunde spielend kennenlernen“ war aus der Taufe gehoben. Im Fokus steht in erster Linie, Kinder zu sensibilisieren, dass Hunde Empfindungen und Bedürfnisse haben, dass auch sie sich ängstigen und mit ihrer Körpersprache Signale aussenden. Werden diese nicht oder falsch verstanden, kommt es zu Unfällen mit Hunden. Genau dem wollen die beiden Frauen vorbeugen, ängstliche Kinder stärken und im besten Fall die Begeisterung für den vierbeinigen Freund wecken. „Das hat schon oft geklappt“, strahlen Heine und Ziegelmeier und erinnern sich an viele Erlebnisse, beispielsweise im Karolinen-Gymnasium Rosenheim, dem AWO-Kindergarten Momo in Kolbermoor oder der Montessori-Schule Traunstein.

Aufgebaut ist das Projekt immer in drei Teile. Zuerst zeigen die Hunde bei kleinen Trickvorführungen ihre Stärken, was den Kindern ermöglicht, aus der Distanz das Tier zu erleben. Ein erster Kontakt aus der Ferne ist gemacht. Anschließend erklärt Heine ganz detailliert, wie man sich beim Aufeinandertreffen mit einem Hund verhält, erzählt grundlegende Dinge über die Körpersprache der Vierbeiner und deren Schutzmechanismen bei Überforderung. Zum Schluss dürfen die Kinder aktiv werden und mit dem Hund das sogenannte „Do-As-I-Do“ durchführen. Für die vierbeinigen Familienmitglieder von Heine und Ziegelmeier ist das kein Problem, sind sie doch speziell nach dem Konzept trainiert worden. Die Kinder machen die Übungen vor, die Hunde imitieren diese im Anschluss, und schon ist der direkte Kontakt geknüpft.

Wenn das alles so einfach wäre. „Aber wir sind auf einem guten Weg“, betonen die beiden Frauen einhellig, die bis Ende des Jahres ausgebucht sind. Auch im neuen Jahr sind „Muffin“, „Timon“, „Ivy“ und „Kenny“ im Einsatz und haben nur eines im Sinn: Streicheleinheiten und Leckerli und ganz nebenbei noch das Verhältnis Mensch und Hund zu verbessern.

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