EKLAT BEI FUSSBALL-A-KLASSEN-SPIEL IN ROSENHEIM

Spieler packt Unparteiischen am Hals

Rosenheim –. Im Abstiegskampf in der Fußball-A-Klasse 2 zwischen dem FC Bosna i Hercegovina Rosenheim und dem SV-DJK Kolbermoor II läuft in der Innflutmulde am Sonntag die 75. Daraufhin brennen beim Rotsünder die Sicherungen durch.

Spielminute: An der Seitenlinie kommt es nach einem Foul zum Gerangel zwischen zwei Spielern. Beide sehen Gelb – für den Spieler in Diensten der Bosnier ist es bereits die zweite Verwarnung. Der erst 16-jährige Schiedsrichter stellt ihn folglich mit Gelb-Rot vom Platz.

Zeugenangaben zufolge packt er den 16-Jährigen am Hals und wirft ihn zu Boden. Kolbermoorer Spieler gehen dazwischen, um Schlimmeres zu verhindern. Der Unparteiische bricht die Partie ab und verständigt die Polizei, die ihn abholt.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Rosenheimer Innflutmulde zum Schauplatz von Gewalt gegen Schiedsrichter wird. Im Oktober 2012 wurde ein Referee beim Spiel zwischen Iliria Rosenheim und dem ESV Rosenheim ebenfalls attackiert und schwer am Auge verletzt. Er leidet bis heute unter den Folgen. Mit entsprechendem Unverständnis äußert sich der Schiedsrichter-Obmann des Spielkreises Inn/Salzach, Josef Kurzmeier, zu dem jüngsten Vorfall: „Ich lasse mir meine Schiedsrichter nicht kaputt machen. Für mich ist das Verhalten des Spielers in keinster Weise zu tolerieren.“

Das sieht auch Mirzet Tufekcic als Vorsitzender vom FC Bosna so. „Wir haben den Spieler sofort nach seinem Ausraster suspendiert. Er wird für unseren Verein nie wieder ein Spiel machen“, kündigt Tufekcic an. Allerdings hinterfragt er im selben Atemzug die Schiedsrichter-Ansetzung bei diesem Spiel. „Wie kann man einen so jungen und unerfahrenen Schiedsrichter so ein wichtiges Spiel im Abstiegskampf leiten lassen? Ich kann den Verband nicht verstehen“, kritisiert er. Laut Tufekcic hat der Spieler den Schiedsrichter auch nicht am Hals gepackt, sondern an den Armen. Trotzdem gebe es dafür keine Entschuldigung.

Diesen Schuh will sich Kurzmeier, der die Schiedsrichter einteilt, jedoch nicht anziehen. „Unser Schiedsrichter ist nicht unerfahren. Er hat schon mehrere Partien in höheren Spielklassen gepfiffen“, sagt der Schiedsrichter-Obmann. Enttäuscht ist Kurzmeier auch von der Art und Weise, wie der bosnische Verein auf den Gewaltausbruch seines Spielers reagiert hat: „Es hat sich noch niemand bei mir oder unserem Schiedsrichter gemeldet und sich für die Tat entschuldigt. Am Abend des Spiels musste der 16-Jährige laut Kurzmeier sogar noch ins Krankenhaus, weil er über starke Kopf- und Genickschmerzen klagte.

Trotz des Eklats glauben die Bosna-Veranwortlichen nicht, dass nun wieder eine Diskussion über den Ausschluss ausländischer Mannschaften aus dem Spielbetrieb entflammt. „Das war die Tat eines Einzelnen. Man kann ja nicht 90 Minuten lang seinen Spielern hinterherlaufen“, meint Tufekcic. Allerdings war der Referee laut Verantwortlichen des SV-DJK Kolbermoor auch von außen massiven Beschimpfungen ausgesetzt. „In solchen Situationen können Vereine sehr wohl einschreiten und auf das Umfeld Einfluss nehmen. Verbale Gewalt ist die Vorstufe zur körperlichen Gewalt“, so Kurzmeier. Am letzten Spieltag trifft Bosna, derzeit auf einem Abstiegsplatz, auf den bereits geretteten Lokalrivalen Iliria Rosenheim.

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