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25-JÄHRIGER ASYLBEWERBER VOR GERICHT

Sex-Attacke auf 15-Jährige: Bewährung

Wegen sexueller Nötigung einer 15-Jährigen verurteilte das Schöffengericht Traunstein einen 25-jährigen Asylbewerber aus Eritrea zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten mit Bewährung. Der Mann, der in einer Gemeinschaftsunterkunft in Grassau wohnt, bedrängte die Jugendliche zu nächtlicher Stunde auf dem Achen-Damm.

Traunstein/Grassau – Die Angaben des Opfers und des Angeklagten widersprachen sich vor Gericht. Während der 25-Jährige von einem „ganz normalen nächtlichen Spaziergang“ und einer „harmlosen Begegnung“ mit dem Mädchen sprach, berichtete die 15-Jährige dem Gericht unter Vorsitz von Richter Wolfgang Ott von „unerwünschten, sexuell motivierten Handlungen“. Das Schöffengericht schenkte dem Mädchen vollen Glauben und verurteilte den Angeklagten wegen sexueller Nötigung zu 14 Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Die Zeugin ging laut Anklage in der Nacht zum 18. Juli 2016 auf dem Damm der Tiroler Achen mit ihrem Hund spazieren und spielte dabei auf dem Handy. Auf einmal stand ein ihr unbekannter dunkelhäutiger Mann vor ihr und sagte, ihre Haare sähen aus „wie ein Schleier“. Er fasste nach der 15-Jährigen, hielt sie fest, begrabschte sie und gab ihr gegen ihren Willen einen Zungenkuss. Der 25-Jährige war laut Opfer spürbar sexuell erregt. Das Mädchen war von dem Geschehen überrascht und sagte mehrmals „Ich muss nach Hause“. Als die Jugendliche wegging, fasste sie der Asylbewerber fest an der Schulter. Sie informierte ihre Mutter und die Freundin. Auf Fotos der Polizei konnte die Schülerin den 25-Jährigen identifizieren, ebenso vor Gericht. Seit dem Zwischenfall meidet die Zeugin Spaziergänge bei Dunkelheit am Achen-Damm. Allein geht sie nachts mit dem Hund nur noch „eine kleine Runde“. Noch lieber nehme sie ihren Bruder mit, wie sie berichtete.

5000 Dollar für Flucht bezahlt

Der Angeklagte schilderte sinngemäß eine harmlose Begegnung mit Begrüßung und Austausch von Belanglosigkeiten. Das Alter der 15-Jährigen habe er auf 25 bis 30 Jahre geschätzt, meinte er auf Frage des Gerichts. Er habe neun Geschwister und sein Heimatland wegen des Militärdienstes verlassen. Ende 2013 sei er über Äthiopien, den Sudan, Libyen und Italien mit Hilfe eines Schleusers nach Deutschland gekommen. Die 5000 Dollar für die Flucht habe seine Familie aufgebracht.

Eine ursprünglich zusätzlich angeklagte vorsätzliche Körperverletzung war aus Sicht von Staatsanwältin Alexandra Karch nicht zu beweisen. Die Geschädigte habe abwehrend reagiert auf die eindeutig begangene sexuelle Nötigung durch den 25-Jährigen, die dieser mit Gewalt erwirkt habe und jetzt bestreite. Sie habe erhebliche Zweifel, dass eine Minderjährige sich nachts mit einem ihr unbekannten Schwarzafrikaner über Belangloses unterhalte, merkte die Staatsanwältin an. Das Mädchen sei sehr glaubwürdig und habe keinen Belastungseifer gezeigt. „Ich habe keinen Zweifel an der Aussage der Geschädigten“, hob die Anklägerin hervor. Karch verneinte einen „minderschweren Fall“.

Der Angeklagte habe sich bisher in Deutschland einwandfrei geführt. Die sexuellen Handlungen lägen im unteren Bereich. Strafverschärfend sei das Alter des Opfers. Man dürfe die Auswirkungen auf ein so junges Mädchen nicht unterschätzen. Der Vorfall sei „nicht tolerierbar“. Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, sei erforderlich, schloss die Staatsanwältin.

„Wenn man dem Mädchen glaubt, war der Vorfall eine sexuelle Beleidigung. Wir haben kein brutales Vorgehen mit Gewalt, sondern einen Vorfall in der Nähe einer sexuellen Beleidigung“, fasste Verteidiger Miguel Moritz aus Traunstein das Geschehen zusammen. Natürlich sei es strafrechtlich relevant, aber sein Mandant habe freiwillig von dem Mädchen abgelassen. Wenn es um die Schuldfrage gehe, müsse auch der andere Kulturkreis des Angeklagten berücksichtigt werden, argumentierte der Verteidiger und plädierte auf Freispruch. Sollte das Gericht zu einer sexuellen Nötigung gelangen, sei von einem „minderschweren Fall“ auszugehen. Angemessen sei dann eine Freiheitsstrafe von deutlich unter einem Jahr, die auf jeden Fall zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Warnung des Richters

In seinem Urteil hob Richter Wolfgang Ott heraus, der Entscheidung liege die Aussage der Zeugin zugrunde, „die uneingeschränkt glaubwürdig war“. Der Tatbestand der sexuellen Nötigung sei für ihn erfüllt. Eine Gewalthandlung sei zu bejahen, habe der Angeklagte die 15-Jährige doch mit Kraft zu sich herangezogen. „Ihm war klar, dass das Mädchen das nicht will.“ Gegen einen minderschweren Fall sprächen die Gesamtumstände der Tat. „Wenn man eine solche Situation sofort ausnützt und das Mädchen bedrängt, ist ein minderschwerer Fall abzulehnen.“ Ott gab dem Angeklagten noch eine eindeutige Warnung mit auf den Nachhauseweg. „Wenn so etwas noch einmal passiert, riskieren Sie eine Strafe ohne Bewährung.“

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