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Zwölf Quadratmeter Glück: Peter Düsing und sein Tiny House in Egarten in Rosenheim

Peter Düsing, Sohn Nico und Hund Bello verbringen ihre ganze Freizeit bei ihrem Tiny House in Egarten.
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Peter Düsing, Sohn Nico und Hund Bello verbringen ihre ganze Freizeit bei ihrem Tiny House in Egarten.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
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Ein Leben auf zwölf Quadratmetern? Für Peter Düsing kein Problem. Der 51-Jährige verbringt seine Freizeit in einem Wagen auf Rädern. Minimalismus spielt für ihn eine große Rolle. Zu Besuch in Rosenheims inoffizieller Tiny-House-Siedlung.

Rosenheim – Als Student ist Peter Düsing mit dem Wohnmobil oder seinem VW-Bus oft zum Surfen an die Küste gefahren. Er war viel in Spanien unterwegs, überall dort, wo es ihn hinzog. Er ist schon immer jemand gewesen, der Freiheit liebt. Und deshalb träumt er auch schon lange davon, in einem Haus zu wohnen, das er zur Not an einen Traktor oder einen Lkw hängen und damit wegfahren kann. „Das ist eine Lebenseinstellung für mich“, sagt er.

Die Freizeit verbringen sie in Egarten

Seinen Traum hat sich der Aschauer Lehrer mit seinem Tiny House (dt. winziges Haus, mit einer Fläche von bis zu 50 Quadratmetern) in einem Schrebergarten in Egarten erfüllt. Na ja, nicht ganz. Er wohnt dort nicht dauerhaft, sondern in einem Apartment in Aschau.

Auf zwölf Quadratmetern haben unter anderem ein Tisch, ein Schrank, ein Holzofen, ein Bett und Stühle Platz.

Düsing steht auf dem schmalen Holzplateau vor der Tür seines Häuschens, neben ihm bellt ein großer schwarz-brauner Hund. Aus der Haustür lugt ein kleiner Junge. Nico, fünf Jahre alt, ist Düsings Sohn. Die beiden verbringen ihre ganze Freizeit bei ihrem zwölf Quadratmeter großen Tiny House.

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Um dauerhaft dort zu leben, bräuchte Düsing aber eine Baugenehmigung – wie bei einem normalen Haus. Das ist auf einem Schrebergartengrundstück nicht möglich. Die sieben Tiny Houses in Egarten sind lediglich als Freizeitaufenthaltsorte geduldet. Und genau das würde Düsing am liebsten ändern. Sein Ziel: dauerhaft dort wohnen, mit Erlaubnis der Stadt. „Es wäre super, diese Sicherheit zu haben“, sagt er.

Tiny-Houses als Ergänzung, nicht als Konkurrenz

Die CSU-Stadtratsfraktion will ihm dabei helfen. „Wenn die Menschen hier leben wollen und es funktioniert, warum sollte man es ihnen nicht erlauben?“, fragt Stadtrat Florian Ludwig, der ebenfalls in die Tiny-House-Siedlung gekommen ist. Er sieht die winzigen Häuser nicht als „Konkurrenz zu bestehenden Wohnbauten, sondern als Ergänzung“.

In Egarten wolle man die Akzeptanz für ein solches Projekt in Rosenheim testen. Zusätzlich hat die Fraktion einen Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gestellt. Sie fordert die Verwaltung darin auf, zu prüfen, ob in der Stadt die Voraussetzungen für eine offizielle Tiny House-Siedlung geschaffen werden könnten.

Düsing hat Häuschen selbst gebaut

Von den zwei Grundstücken, auf denen die Häuschen der inoffiziellen Siedlung stehen, hat Düsing eines gepachtet und eines gekauft. Sein eigenes Tiny House, das auf einem ausrangierten THW-Pritschenwagen steht, hat er aus Massivholz selbst gebaut. Fünf Tonnen wiegt es. Das Selbstmachen, das ist einfach „sein Ding“.

Auf dem Schrebergarten-Grundstück gibt es einen Gemeinschaftsbereich mit einer Feuerstelle.

Die Möbel hat er so gezimmert, dass sie zentimetergenau in die Ecken passen. Unter der Decke befindet sich das Bett, daneben ein Schrank, Tisch, Stühle, die Küchennische und ein Holzofen. Alles drängt sich aneinander, der Platz ist gering.

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Das sei für ihn aber überhaupt kein Problem, sagt Düsing. Im Gegenteil: Es sei eher befreiend. „Ich muss weniger besitzen, weniger heizen, weniger zahlen“, sagt er. Überhaupt sieht er fast keine Nachteile, wenn er in seinem Tiny House dauerhaft leben könnte. Einzig im Winter sei es sehr kalt. Dann heizt er mit einem Holzofen. Bis es im Haus warm wird, dauere es einen halben Tag.

Solarplatten produzieren Strom

Die Häuser auf den Grundstücken sind außerdem nicht an das städtische Ver- und Entsorgungssystem angeschlossen. Trinkwasser müssen die Eigentümer kaufen, Strom produzieren sie selbst. Katrin Langenwalter, eine „Nachbarin“ von Düsing, zeigt auf zwei Solarplatten auf dem Dach ihres Wagens. „Der Strom reicht, um an einem Nachmittag zwei Laptops zu laden“, sagt sie.

Sanitäranlagen gibt es ebenfalls nicht. Die Ausscheidungen würde man in Kanistern „fachgerecht entsorgen“, sagt Düsing. Für ihn sei das kein Problem. „Ich mag es, autark zu sein.“ Jetzt fehlt nur noch die volle Wohnerlaubnis durch die Stadt.

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