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Schüler brechen weg

Zwangspause bis zum Führerschein — 2G-Regel sorgt für Umsatzeinbußen bei Rosenheims Fahrschulen

Praxisstunden nur für Geimpfte und Genesene: Uwe Hanschmann mit seinem Fahrschüler Sebastian Jell.
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Praxisstunden nur für Geimpfte und Genesene: Uwe Hanschmann mit seinem Fahrschüler Sebastian Jell.

Nur Geimpfte oder Genese dürfen die Theorie- und Praxisstunden von Fahrschulen besuchen. Zu den Prüfungen sind sie mit 3G plus trotzdem zugelassen. Für viele Fahrlehrer ein Widerspruch, der sie vor allem eines kostet: Schüler.

Von Katja Schelle

Rosenheim – Uwe Hanschmann ist frustriert. „Bis zu 70 Prozent meiner Schüler sind nicht geimpft oder genesen und fallen jetzt weg“, berichtet der Inhaber der gleichnamigen Rosenheimer Fahrschule. Das bedeute nicht nur finanzielle Einbußen für ihn, sondern auch Probleme für jene Schüler, die nicht mehr mit ihm als Lehrer Auto fahren dürfen.

Für Hanschmann ist der Erwerb des Führerscheins fraglos systemrelevant. Viele Ausbildungsbetriebe, aber auch sonstige Arbeitgeber setzten eine Fahrerlaubnis voraus. Dies auch, damit vor allem die Menschen auf dem Land flexibel bleiben können.

Finanzielle Belastung durch mehr Fahrstunden

Fahrlehrer Hanschmann wünscht sich von der Staatsregierung, dass sie die Corona-Regeln für Fahrschulen nochmals überdenkt. Die Politik sollte erkennen, dass seine Branche wichtig für die Allgemeinheit sei.

Die erzwungene Pause beim Autofahren bedeute für seine Schüler auch eine finanzielle Belastung. Hanschmann vermutet, dass sie nun mehr Fahrstunden brauchen.

Vor allem für jene, die kurz vor der Prüfung stünden, sei dies bitter. Und Praxisstunden im Fahrzeug seien nun mal nicht online zu machen, betont Hanschmann.

Rund 80 Prozent seiner Kunden besuchten eine Schule oder Berufsschule und damit einen Ort, an dem sie regelmäßig getestet würden. Und mit einem getesteten Schüler an seiner Seite würde er sich ebenso sicher fühlen wie mit einem geimpften oder genesenen.

Online-Angebot der Fahrschule als Alternative für Theorieunterricht

Das gilt auch für Claus Uth, Betreiber der Fahrschule VBZ. Er erwartet dennoch, dass die 2G-Regel noch längere Zeit bestehen bleiben wird. Den Theorieunterricht biete die Schule für ihre nicht geimpften Schüler zusätzlich online an. Aber nach der Theorieprüfung könnten diese nicht mit den Fahrstunden weitermachen.

Auch Uth klagt über einen Umsatzrückgang von etwa 70 Prozent. „Von zehn Schülern sind mindestens sechs weggebrochen“, berichtet er. Nachdem sein Geschäft im Dezember durch hohe Inzidenzen und 2G sehr gelitten habe, verbessere sich die Situation inzwischen allmählich.

„Von zehn Schülern sind mindestens sechs weggebrochen.“

Claus Uth, Fahrschule VBZ

Für Ende Januar erwartet Uth wieder eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent. „Viele Schüler sind schon einmal geimpft, aber es dauert einfach, bis die Impfung vollständig ist“, erklärt er.

Denn wieder Fahrstunden nehmen zu können, sei für viele Schüler Anlass, sich impfen zu lassen. Bis vor einiger Zeit habe es dafür nur wenig Anreiz gegeben, weil die Corona-Tests an den Schulen den Schülern Zutritt zu den meisten Orten ermöglicht hätten.

Verständnis und Frust bei ungeimpften Schülern

Von jenen Schülern, die nicht geimpft oder genesen sind, habe er vielerlei Reaktionen erlebt. Viele hätten Verständnis gezeigt und seien bereit gewesen, sich impfen zu lassen. Aber es gebe auch jene ohne Einsicht. Und diese ließen ihren Frust über die Regeln nicht an der Staatsregierung, sondern an der Fahrschule aus.

Yilmaz Cali, Betreiber der Fahrschule Lokman, hat ebenfalls schlechte Erfahrungen mit der Regelung gemacht. Der Umsatz sei um 30 bis 40 Prozent gesunken. Er findet die 2G-Regel zwar in Ordnung und hofft, dass sich irgendwann jeder für eine Corona-Impfung entscheidet. Für seine Fahrschule wünscht er sich dennoch eine Rückkehr zur 3G-Regel in Sachen Fahrausbildung, damit sich seine finanziellen Einbußen künftig in Grenzen halten.

Rosenheimer Fahrlehrer erwartet noch strengere Vorgaben

Zudem: Cali versteht nicht, wieso ungeimpfte Schüler die Prüfung mit einem PCR-Test antreten dürfen, aber dennoch nicht am Unterricht teilnehmen können. Von zehn Schülern, die neu angemeldet hatten, musste er sechs wieder nach Hause schicken. Selbst, wenn sie die erste Impfung gegen das Corona-Virus bereits hinter sich hatten.

„Ich gehe davon aus, dass sich viele meiner Schüler für den Führerschein oder die Ausbildung impfen lassen werden, weil es anders nicht geht“, sagt Yilmaz Cali. Denn er glaubt nicht daran, dass die Regeln bald gekippt werden, sondern erwartet vielmehr noch strengere Vorgaben seitens der Bayerischen Staatsregierung.

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