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Zahl steigt stetig

Zuwachs bei der Rosenheimer Leibspeise: Immer mehr Menschen wollen Bedürftigen helfen

Mehr als bloß Arbeitskollegen: Das Team der Rosenheimer Leibspeise kümmert sich um bedürftige Menschen in Rosenheim.
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Mehr als bloß Arbeitskollegen: Das Team der Rosenheimer Leibspeise kümmert sich um bedürftige Menschen in Rosenheim.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich die Rosenheimer Leibspeise um Bedürftige. Doch die Pandemie hat die Arbeit des Vereins erschwert. Ein Lichtblick: Noch nie gab es so viele Helfer, die Gutes tun wollen. Ein Besuch in der Leiblstraße 16.

Rosenheim – Es gab eine Zeit, da hat Peter Kaiser, Vorsitzender der Leibspeise, händeringend nach Ehrenamtlichen gesucht. Nach Leuten, die ihm beim Sortieren der Lebensmittel helfen und beim Verteilen von Konserven und Hygieneartikeln. Die ihm hin und wieder einen Fahrdienst abnehmen oder sich Zeit nehmen, für einen Plausch mit den Bedürftigen, die die Lebensmittelausgabe fett im Kalender markiert haben.

Der Logistiker unter den Mitarbeitern

Es ist eine Zeit, an die sich Peter Kaiser hin und wieder zurückerinnert, auch um zu realisieren, dass es nicht selbstverständlich ist, dass an diesem Donnerstagvormittag zehn Menschen um ihn herumstehen, die ihn unterstützen. Da wäre zum Beispiel Fred, den alle nur den Logistiker nennen. Während er spricht, rutscht ihm seine FFP2-Maske immer wieder unter die Nase. Er schiebt sie zurück, erzählt von der Zeit vor dreieinhalb Jahren, als er auf der Suche nach einer Beschäftigung gewesen sei.

Vermittlung durch das Jobcenter

Das Jobcenter habe ihn schließlich an die Rosenheimer Leibspeise vermittelt. „Ich habe erst als Ein-Euro-Jobber gearbeitet“, sagt Fred. Mittlerweile hat er eine Feststellung. Er plant, stellt um und schafft Platz, wo es Platz zu schaffen gibt. Er weiß, welche Waren in den großen Kühlschränken und Tiefkühltruhen zu finden sind, welche demnächst verteilt werden müssen und wo es Nachschub braucht.

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Wenn jemand drei Paletten mit rohem Fisch vorbeibringt, ist Fred derjenige, der sich darum kümmert, wo die Ware untergebracht werden soll. „Ich glaube, viele wissen nicht, wie viel Arbeit hinter so einem Verein steckt“, sagt Fred.

Seit vier Wochen bei der Leibspeise

Darüber erstaunt waren auch Wolf-Dieter und Astrid Welz. Das Paar ist erst seit vier Wochen bei der Leibspeise und schon jetzt nicht mehr wegzudenken, wie Peter Kaiser mehrfach betont. „Es ist wirklich erschreckend, wie viel an Planungen nötig ist“, sagt Welz. Nachdem er in Altersteilzeit gegangen ist, habe überlegt, wie er etwas an die Gesellschaft zurückgeben kann. Weil seine Frau bereits an die Leibspeise gespendet hat, habe er Kontakt zu Peter Kaiser aufgenommen. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, sagt der Leiter.

Anzahl der Bedürftigen nimmt zu

Denn weniger geworden ist die Arbeit seit Beginn der Pandemie nicht. Im Gegenteil. Die Anzahl der Bedürftigen nimmt stetig zu, hinzukommen die Hygieneregeln, die sich mehr und mehr verschärfen. Neben der Masken- und Schutzhandschuhpflicht werden die Mitarbeiter täglich getestet.

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Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss draußen bleiben. Harte Vorschriften, doch nur so könne man sicherstellen, dass der Betrieb nicht eingestellt werden muss. „Der Aufwand hat sich bis jetzt bewährt“, sagt Kaiser. Viermal in der Woche finden die Lebensmittelausgaben statt, am fünften Tag liefern die Leibspeise-Mitarbeiter Konserven, Brot und Milch zu denjenigen nach Hause, die nicht gut zu Fuß unterwegs sind.

Die Frau für die Organisation

Ein straffes Programm, das ohne die 20 Mitarbeiter, die derzeit bei der Leibspeise arbeiten, nicht stemmbar wäre. Das weiß wahrscheinlich niemand besser als Melanie Henneberger. Die 46-Jährige ist seit zehn Jahren ein fester Bestandteil des Vereins. Sie gibt Anweisungen und kümmert sich um die Organisation. „Wenn Melanie eine Ansage macht, stehen alle stramm“, sagt Peter Kaiser. Er lacht, aber die Tatsache, dass Fred sich gleich ein bisschen gerader hinstellt, zeigt, dass die Worte ernst gemeint sind.

Gutes tun und die Zeit vergeht

Direkt neben Fred steht Gerhard. Die Mütze hat er tief ins Gesicht gezogen. Auf die Frage, wie lange er schon bei der Leibspeise ist, zuckt er mit den Schultern. „Ich bin jeden Tag beschäftigt. Wenn man Gutes tut, denkt man nicht an die Zeit.“

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Es sind Sätze, die in einer anderen Situation fast schon abgedroschen klingen würden. Nicht so in der Leiblstraße. Hier meint jeder genau das, was er sagt. Es wird nichts beschönigt, aber auch nichts runtergespielt. Wenn gute Arbeit gemacht wird, sagt man das auch.

Unterstützung durch Sechser-WG

Relativ neu im Team sind Jan und Philipp. Die beiden wohnen in einer Sechser-WG, haben mittlerweile auch die restlichen Bewohner dazu animiert, bei der Leibspeise zu helfen. „Wir wollten etwas zurückgeben“, sagt Jan, der an der Hochschule studiert. Philipp stimmt ihm zu. Ihm sei wichtig, etwas zu machen, bei dem er weiß, dass die Hilfe direkt ankommt.

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Wenn er täglich in die strahlenden Gesichter derjenigen blickt, denen er eine Tüte gefüllt mit Lebensmitteln in die Hand drückt, weiß er, dass er bei der Leibspeise richtig ist. Genauso wie die anderen 20 Mitarbeiter.

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