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Kliniken unter Druck

Zufallsdiagnose Covid und steigende Zahlen: Experten warnen vor Fiasko in Region Rosenheim

In Not: Vor allem die Notaufnahme im RoMed-Klinikum in Rosenheim steht wegen Corona nach wie vor unter Druck.
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In Not: Vor allem die Notaufnahme im RoMed-Klinikum in Rosenheim steht wegen Corona nach wie vor unter Druck.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Omikron-Variante des Corona-Virus sorgt für milde Verläufe. Doch auch in der Region Rosenheim stellt sie die Kliniken vor Probleme: Viele Patienten kommen wegen etwas anderem, müssen dann aber überraschend isoliert werden. Und Omikron sorgt weiter für Ausfälle in kritischen Bereichen.

Rosenheim – Oft nicht weiter schlimm für den Kranken, jedoch folgenschwer für die Kliniken: Die hochansteckende Omikron-Variante stellt die Einrichtungen in der Region Rosenheim vor Herausforderungen in mehreren Bereichen: Es häufen sich die Fälle von „Zufallsdiagnosen“, die Umplanungen in erheblichem Aufwand verursachen. Und die steigenden Infektionszahlen führen nach wie vor zu vielen Ausfällen bei den Mitarbeitern.

Ein „entfesseltes Infektionsgeschehen“, so warnt RoMed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram, könne „gerade kritische Bereiche wie Notaufnahmen, Operationen und Intensivstationen lahmlegen“. Kurz: Covid bleibe sehr gefährlich, auch in der fünften Welle einer derzeit „weniger aggressiven, aber dafür besonders ansteckenden Omikron-Variante“.

Notaufnahme in Not

Insgesamt seien seit Beginn des Jahres 170 Mitarbeiter positiv getestet worden, heißt es seitens des Klinikum. Besonders betroffen sind die Notaufnahmen: Im RoMed-Klinikum in Rosenheim sind nach Angaben von Sprecherin Elisabeth Siebeneicher derzeit über 12 Prozent der Mitarbeiter der Zentralen Notaufnahme im Krankenstand. RoMed ziehe alle Kräfte zusammen, um den Betrieb in vollem Umfang aufrechtzuerhalten, sagt Deerberg-Wittram.

Das sei aber nicht ganz so einfach. „Die Rolle der Notaufnahme im Covid-Geschehen haben wir vielleicht ein bisschen unterschätzt“, räumt er ein. Schließlich laufen dort auch viele Menschen mit Covid-ähnlichen Symptomen auf. Überhaupt sei die Arbeit in der Zentralen Notaufnahme doppelt fordernd. Die Mitarbeiter seien nicht nur besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt, sie müssten überdies „die Wege kennen“ und sich gut in den Arbeitsabläufen am Klinikum auskennen, sagt der RoMed-Chef.

Personal immer noch heftig unter Druck

Dabei ist aus Sicht eines Stationsleiters nicht einmal entscheidend, ob der Infizierte auch nur leichte Symptome verspürt. Die Isolation für Infizierte und Quarantäne für Kontaktpersonen reißt Lücken in die Dienstpläne.

Und dann wären da noch die Überraschungspatienten. In den vorhergehenden Wellen lief es meist so: Ein mit dem Corona-Virus Infizierter spürte Symptome, ließ sich testen und wurde im Fall der Fälle eingewiesen. Wegen der leichteren Verläufe durch die Omikron-Variante wissen inzwischen viele Menschen, die das Krankenhaus aufsuchen, zunächst gar nicht, dass sie auch noch den Virus in sich tragen.

Corona-Infektion als so genannte Nebendiagnose

Wegen eines Beinbruchs ins Krankenhaus gekommen, in der Corona-Isolation gelandet: Das erleben zur Zeit immer mehr Patienten in der Region Rosenheim. 22 Patienten liegen derzeit im Klinikum in Rosenheim, weil Covid bei ihnen festgestellt worden war. 18 weitere Patienten haben Covid als so genannte Nebendiagnose.

Kein statistischer Zufall, wie RoMed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram unterstreicht. „Das bestätigt den Trend der letzten Wochen, dass wir genauso viele Covid-Patienten haben wie Patienten, die eigentlich wegen etwas anderen kommen und zusätzlich positiv sind.“

Erheblicher Aufwand für die Überraschungspatienten

Das Problem daran: Diese Patienten müssen nach wie vor isoliert werden. Gerade bei dieser Gruppe von Überraschungspatienten verzeichne man „erheblichen Mehraufwand für ungeplante Isolations- und Schutzmaßnahmen“, sagt Deerberg-Wittram. Einen Patienten mit gebrochenem Schlüsselbein und dazu Covid könne man eben nicht einfach auf die Unfallstation legen. Das binde Ressourcen.

Aus der Sicht des Klinikumsverbunds mit seinen Standorten in Rosenheim, Wasserburg, Bad Aibling und Prien bewegen sich daher zwei Kurven in die jeweils falsche Richtung: Kraft und Ausdauer des Personals sinken, während die Zahl der Infizierten steigt.

Von den Zutaten für einen „perfekten Sturm“, ein ausgewachsenes Fiasko also, spricht daher Jens Deerberg-Wittram. Er wünsche sich, die Kurve so weit wie möglich zu strecken, um Überlastungen in einzelnen Bereichen zu vermeiden.

Noch gibt es wenigstens keine Hinweise darauf, dass die Kombinationen aus Covid und anderen Erkrankungen schlimme Folgen zeitigt. Das liegt nach Auskunft von Prof. Dr. Stephan Budweiser, Chefarzt Pneumologie am RoMed-Klinikum, daran, dass die meisten Patienten mit diesen Covid-Diagnosen eigentlich wegen einer Verletzung eingeliefert wurden.

Nur milde Verläufe? Experten trauen dem Frieden nicht

Immerhin: Mit nur zwei Patienten auf der Covid-Intensivstation und 40 Patienten auf der Normalstation ist RoMed weit von den Ausnahmezuständen der vorhergehenden Wellen entfernt. Dennoch könnte ein anhaltender steiler Anstieg der Infektionszahlen irgendwann erneut die Kapazitäten überlasten. „Eine Verdoppelung der Zahlen könnten wir nicht brauchen“, sagt auch Budweiser.
Vor diesem Hintergrund sieht er Lockerungen wie die Aufhebung der Corona-Sperrzeit in der Gastronomie nicht ganz unbeschwert. „Auch wenn ich dieses Ansinnen gut verstehen kann.“

Für Erleichterung sorgt dagegen eine andere Lockerung - die Ankündigung von Ministerpräsident Markkus Söder (CSU), die Impfpflicht für Mitarbeiter in Gesundheitsberufen auszusetzen. Von mindestens 80 bis 85 Prozent geimpften Mitarbeitern darf man bei den Kliniken in der Region Rosenheim zwar ausgehen. Aber eben schon der Verzicht auf 15 Prozent würde viele Häuser hart treffen. „Wir brauchen jeden Mitarbeiter“, unterstreicht Budweiser.

Deerberg-Wittram sieht die Denkpause der Staatsregierung mit gemischten Gefühlen. Die isolierte Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitswesen habe er immer als problematisch angesehen, weil sich dadurch viele Kolleginnen und Kollegen „diskriminiert“ fühlten. „Es wird sich aber leider nicht vermeiden lassen, dass Impfskeptiker, Corona-Leugner und Demokratiefeinde diese Entscheidung der Staatsregierung, die auch noch explizit gegen die Entscheidung der Bundesregierung steht, als Sieg gegen staatliche Maßnahmen feiern werden.“

Gesundheitsamt vermisst verbindliche Ansagen des Freistaats

Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Hierl, dessen vollkommen überlastete Behörde auch noch die Impfquote der Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen überprüfen müsste, traut dem Frieden offenbar nicht. Man habe von der Absicht, den Vollzug für Pflegeheime auszusetzen, auch erst über die Medien erfahren, heißt es von Seiten des Landratsamts. „Leider liegen hierzu von Seiten der Staatsregierung noch keine Vollzugsregelungen für die Verwaltung vor.“ Die wolle man noch abwarten.

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