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STADT ROSENHEIM DROHT RECHTSSTREIT UM DIE NUTZUNG DER LORETOWIESE

Was für ein Zirkus!

Möchte in Rosenheim auf der Loretowieseim Juni gastieren: der Circus Voyage aus Hagen. re

Was für ein Zirkus, den da der Circus Voyage in Rosenheim aufzuführen scheint: Das Unternehmen möchte auf der Loretowiese gastieren, darf es aber nicht. Sturheit wirft die Direktion der Stadt vor – und droht mit rechtlichen Schritten. Stadtpressesprecher Thomas Bugl verweist jedoch darauf, dass die Loretowiese als Parkplatz benötigt wird.

Rosenheim – „Regelmäßig wird ein Gastspiel des Münchner Circus Krone auf der Loretowiese gestattet. Für andere Unternehmen wird der Zugang verweigert. Dies ist absolute Willkür und wohl kaum mit dem im Grundgesetz festgeschriebenen Gleichbehandlungsgrundsatz zu vereinen“, findet der Tourneeleiter des Circus Voyage, Sascha Grodotzki.

Bereits seit 20 Jahren versuche der Groß-Zirkus aus Hagen unter der Direktion von Alois Spindler eine Gastspielerlaubnis für Rosenheim zu erhalten – stets vergeblich. Heuer feiere Voyage das 20-jähriges Bestehen und wolle das Jubiläumsprogramm auch in Rosenheim präsentieren. „Doch die Verwaltung bleibt stur“, ärgert sich das Unternehmen.

Nur die Loretowiese käme als Standort für Groß-Zirkus infrage

In Rosenheim gebe es nur eine geeignete Fläche für das Gastspiel eines großen Zirkus: die Loretowiese, nimmt die Stadtverwaltung Stellung. Diese diene als öffentlicher Parkplatz für die Arbeitnehmer in Rosenheim sowie für Besucher und Kunden der Innenstadt. „Jede Sperrung der Loretowiese stößt deshalb auf erhebliche Kritik. Zudem wird die Loretowiese jedes Jahr über einen nicht unerheblichen Zeitraum durch das Herbstfest und alle zwei Jahre durch die Neue Messe Rosenheim in Anspruch genommen. Hinzu kommen diverse Jubiläumsveranstaltungen örtlicher Vereine und andere außergewöhnliche Veranstaltungen“, erläutert der Pressesprecher der Stadt, Thomas Bugl. In den vergangenen Jahren habe sich nur maximal alle zwei Jahre die Möglichkeit ergeben, einen Zirkus auf der Loretowiese gastieren zu lassen.

Vom 11. bis 24. Juni wollte das Unternehmen Voyage hier sein Zelt und die Wohnwagenstadt aufstellen. Fest steht: Bereits Ende Juli beginnt in der Regel der Aufbau für das Herbstfest – verbunden mit einer mehrwöchigen Sperrung. Einen solchen Schritt bereits im Juni für etwa zwei Wochen anzuordnen, wäre vermutlich auf große Kritik in der Bevölkerung gestoßen.

Trotzdem: Voyage will das Nein nicht hinnehmen. Schriftliche Absagen in Hinblick auf die Loretowiese oder auch auf den Mangfallpark verweigere die Stadtverwaltung, wirft der Betrieb der Kommune vor. „Dies ist unzutreffend. Eine schriftliche Absage wurde mit Schreiben vom 9. April 2015 erteilt“, so Bugl. Die Verwaltung habe darin auch ausdrücklich Rücksprachen angeboten.

Der Zirkusbetrieb findet die Haltung der Stadt, die auch 2018 keine Genehmigung geben will, jedoch zirkusfeindlich. Dieser Kulturzweig werde in Rosenheim ausgeklammert und den Bürgern und Gästen vorenthalten. „Diese Behauptung ist unrichtig. Es gibt in Rosenheim regelmäßig Gastspiele kleinerer und größerer Zirkusunternehmen wie etwa vom Circus Barum, Circus Krone, dem Großen Russischen Circus oder dem Chinesischen Staatscircus“, entgegnet Bugl. Kleinere Unternehmen gastieren in der Regel auf Privatgrund in den Außenbezirken der Stadtteile, die Staatszirkusse im Kuko. Circus Krone war zuletzt 2017 in Rosenheim.

Voyage wirbt mit afrikanischen Großtieren

Die Stadt erteile regelmäßig Erlaubnisse, „obwohl in den letzten Jahren die Erfahrung zeigt, dass Zirkusgastspiele in der Regel Protestkundgebungen hinsichtlich der Haltung und der Darstellung insbesondere von Wildtieren nach sich ziehen“, betont Bugl weiter. Der Circus Voyage wirbt mit Wassershows, Motorradstunts und auch mit den Auftritten afrikanischer Großtiere für sein Programm. Dass 2014 ein Zirkus die Auftrittserlaubnis gerichtlich durchgesetzt habe, wie Voyage in einer Pressemitteilung behauptet, „ist unrichtig“, so Bugl.

Das Unternehmen erwartet jetzt Schützenhilfe vom Bund der Steuerzahler. Dieser habe die Oberbürgermeisterin mit einer entsprechenden Bitte konfrontiert. Bugl bestätigt die Anfrage. Doch auch in diesem Schreiben würden keine neuen Tatsachen vorgebracht, die zu einer anderen Entscheidung der Stadt führen dürften, ist der Stadtsprecher überzeugt..

Voyage droht auch rechtliche Schritte gegen die Absage der Stadt an – gemeinsam mit dem Verband Deutscher Circusunternehmen e.V. Der Betrieb Krone habe in Rosenheim eine Monopolstellung, anderen seriös geführten Unternehmen dürfe der Zugang nicht verwehrt werden. Das sei ein Eingriff in den marktwirtschaftlichen Wettbewerb, beharrt der Tourneeleiter des Circus Voyage.

Er gastiert noch bis zum 3. Juni in Trostberg auf dem Volksfestplatz und anschließen vom 7. bis 10. Juni in Miesbach an der Oberlandhalle. Für Rosenheim sucht das Unternehmen jetzt auch nach ausreichend großem Privatgrund. Mindestens 6000 Quadratmeter Platz sowie Möglichkeiten für Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss würden benötigt.

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