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Zeit immer öfter Mangelware

Rappelkiste im Kinderheims "Schöne Aussicht": Rund 30 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren finden dort ein vielfältiges Angebot zum Spielen, Klettern, Toben, Basteln, Bauen, Singen und Tanzen.  Foto  Schlecker
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Rappelkiste im Kinderheims "Schöne Aussicht": Rund 30 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren finden dort ein vielfältiges Angebot zum Spielen, Klettern, Toben, Basteln, Bauen, Singen und Tanzen. Foto Schlecker

Ende Juli schließt die "Kinderinsel" in Aising ihre Türen. Übrig bleibt die "Rappelkiste" in Fürstätt: Kindertagesstätten mit Elterninitiative werden rar, auch in Rosenheim.

Das sah vor 22 Jahren ganz anders aus: Damals waren Betreuungsplätze Mangelware. Aus dieser Not heraus rief das Staatsministerium das Modellprojekt "Netz für Kinder" ins Leben. Bayernweit gründeten sich daraufhin Kitas, in denen die Mithilfe der Eltern ausdrücklich erwünscht ist. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der gesetzlich verankerte Anspruch auf einen Kindergartenplatz führt zu reichlich Betreuungsangeboten, Geburtenzahlen sind rückläufig und immer mehr Mütter sind berufstätig.

Rosenheim - Kindertagesstätten mit Elterninitiative stehen für eine möglichst familiäre Betreuung. Mitbestimmung, Mitverantwortung und Mitarbeit der Eltern sind wichtige Faktoren. In der Praxis umgesetzt bedeutet das, die Eltern gestalten gemeinsam mit der Erzieherin den Alltag der Gruppe. Die Aufgaben umfassen pflegerische Tätigkeiten wie Wickeln und Anziehen ebenso wie Kochen oder Putzen.

Diese Konzeption fordert Zeit. Zeit ist aber in immer mehr Familien Mangelware. Darum stellt die Kinderinsel in der Burgfeldstraße Ende Juli ihren Betrieb nach 16 Jahren ein. Keine leichte Entscheidung für die Verantwortlichen: "Das ist schon sehr traurig", bedauert Elternbeirätin Jeanette Biel. Sechs Jahre lang hat sie sich als Mutter mit viel Kraft und auch Begeisterung bei der "Kinderinsel" eingebracht. Jetzt ist es damit vorbei. Die festangestellte, staatlich anerkannte Erzieherin hat bereits eine neue Stelle gefunden und angetreten. Die letzten Wochen halten nur noch die Eltern den Betrieb am Laufen und betreuen die 15 Buben und Mädchen alleine.

Projekt scheiterte

am Engagement

Vom Konzept der Elterninitiative an sich ist Biel nach wie vor überzeugt. "Aus pädagogischer Sicht lief alles hervorragend. Die Kinder fühlten sich rundum wohl", bilanziert sie. Gescheitert sei das Projekt ausschließlich deswegen, weil sich die Eltern nicht mehr engagieren können oder wollen: "Am Schluss hatten nur noch drei bis vier Eltern Zeit, regelmäßig mitzuhelfen. Einige wenige machten die ganze Arbeit. Das ist auf Dauer zu viel."

Kein Einzelfall. Die Zahl der Kindertagesstätten mit Eltern-Initiative sinkt landesweit rapide. In Rosenheim steht nur noch die "Rappelkiste" auf gesunden Füßen. Dort ist die Mitarbeit der Eltern noch selbstverständlich.

Gegründet wurde die "Rappelkiste" im Mai 1997 von engagierten Eltern. Ihren Sitz hat die Kindertagesstätte im Gebäude des städtischen Kinderheims "Schöne Aussicht". Rund 30 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren finden dort ein vielfältiges Angebot zum Spielen, Klettern, Toben, Basteln, Bauen, Singen und Tanzen, und das so oft wie nur möglich in der freien Natur, um dem natürlichen Bewegungsdrang der Kleinen entgegenzukommen.

Das Team besteht aus drei fest angestellten Erzieherinnen mit Fachausbildung. Betreut werden in der "Rappelkiste" nicht nur die Kleinsten. Auch eine Betreuung für Schulkinder am Nachmittag in den ersten Schuljahren ist vorgesehen. Öffnungszeiten und Betreuungsangebote werden den Wünschen und Bedürfnissen der Familien angepasst. Ergebnis ist beispielsweise das "Betthupferlabo". Dieses ermöglicht acht Mal im Jahr die Möglichkeit, sein Kind in der Kita übernachten zu lassen und bringt den Eltern damit "Frei-Zeit" für gemeinsame Unternehmungen am Abend.

Grundvoraussetzung, um sein Kind in der "Rappelkiste" unterzubringen, ist die Bereitschaft, sich auch selbst regelmäßig mit Rat und Tat einzusetzen. "Dazu gehört eine ordentliche Portion Idealismus", meint Vorstandsvorsitzende Marita Gschwandtner. An einem Vormittag in der Woche unterstützt die Mama die Erzieherinnen bei der Arbeit: "Für mich immer ein wunderschöner Tag. Ich schlüpfe so in die Lebenswelt meiner Kinder". Für ihren Einsatz bekommen die Eltern eine Aufwandsentschädigung. Probleme mit Arbeitgebern habe es bis jetzt noch nie gegeben. "Diese können sogar profitieren. Denn bei diesem Konzept lernt man unter anderem Teamfähigkeit", so Gschwandtner.

Impulse von mitredenden Eltern

Auch von Erzieherin Michaela Krause verlangt dieses ganz besondere Konzept einiges ab: "Wir Erzieher müssen damit zurecht kommen, dass die Eltern mitreden." In dieser Tatsache sieht sie aber eine gute Herausforderung und freut sich über ständig neue Impulse.

"Hier wird echtes Leben vermittelt. Bei uns ist nichts konstruiert", betont sie. Nach ihren Erfahrungen profitieren die Kinder von dieser Form der Betreuung sehr. Sie seien offener und unkomplizierter im Umgang mit anderen Menschen, außerdem immer mächtig stolz, wenn Mama oder Papa mal wieder in der "Rappelkiste" mithelfen.

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