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IN CORONAZEITEN

Zeit für große Flächen: Rosenheims Theaterszene will wieder starten

Theater lebt – aber mit Hindernissen: Schauspieler Andreas Schwankl und Choreographin Deva Schubert während der Proben zu „Neotopia“– einer Inszenierung des „Jungen Theaters Rosenheim“.
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Theater lebt – aber mit Hindernissen: Schauspieler Andreas Schwankl und Choreographin Deva Schubert während der Proben zu „Neotopia“– einer Inszenierung des „Jungen Theaters Rosenheim“.
  • VonRebecca Seeberg
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Am 27. März ist Tag des Theaters. Ein Grund mehr für die Rosenheimer Theaterlandschaft, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Auch ohne städtische Bühne profitiert die Stadt von einer vielfältigen Szene. Deren Akteure jedoch leiden unter der Ungewissheit, wann es wieder losgeht – und suchen neue Wege.

Rosenheim – Der Vorhang fällt. 1000 leibhaftige Zuschauer applaudieren vor einem leibhaftigen Orchester. Das passiert gerade in Berlin. Im Rahmen eines Pilotprojektes öffnen ausgewählte Bühnen mit vorher getesteten Zuschauern. Die Hauptstadt probt, wie Vorstellungen unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln funktionieren können. Denn es sei an der Zeit, zu erkennen, „dass Kultur auffangen kann“, sagt der in Rosenheim lebende Schauspieler Andreas Schwankl. Zusammen mit Benedikt Zimmermann leitet er das „Junge Theater Rosenheim“.

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Warten auf die Wiedereröffnung: der Vorstand des „TAM-OST“, Alexander Zinn und Gerhard Sellmair (von links).

Anlässlich des Welttheatertages sprechen die Rosenheimer Theater frei heraus: über ihre Situation in der Corona-Pandemie, über Lösungen, die Bühne auch in diesen Zeiten nicht verwaist zu lassen.

Rosenheim – eine Stadt des Theaters

Heute, ist die Vision des „International Theater Institute“, soll gewürdigt werden, wie relevant  Bühnenkunst für die Gesellschaft sein kann. Hört man sich dazu bei den Rosenheimer Kulturschaffenden um, werde der 27. März als ein Tag unter vielen abgetan. Aber vielleicht, schließen sie im Nachsatz an, sei dieses Datum gerade jetzt wichtig, um zu zeigen: Sie sind da.

Zwischen „Skandal“ und „Glück“

„Rosenheim ist eine Stadt des Theaters“, sagt der Kulturreferent der Stadt Rosenheim, Wolfgang Hauck. Er ist von der Vielfalt der lokalen Bühnenkunst begeistert. Wenngleich es in Rosenheim kein Stadttheater gibt. Ob das ein „kulturpolitischer Skandal“ ist, wie es der Rosenheimer Theaterwissenschaftler Dominik Frank formuliert, oder „Glück für die Amateurszene“, wie es Gaby Schmidt, Gründungsmitglied des Rosenheimer Theaters „TAM OST“ und langjähriges Mitglied der Rosenheimer Theaterinsel beschreibt – darüber herrscht Uneinigkeit. In einem stimmen die Aussagen überein: Die Rosenheimer Theaterszene sei bunt. Großteils unentgeltlich gehen sowohl Profis als auch Laien ihrer Leidenschaft nach: der Schauspielerei.

Jede Produktion kostet Geld

Trotzdem kostet auch eine ehrenamtlich gestemmte Produktion Geld. Das „Theater Rosenheim“ rechnet für seine Stadtspiele mit Kosten bis zu 100.000 Euro. Summen, erklärt der Vorstandsvorsitzende, Horst Rankl, die sich insbesondere durch Technik, Tribüne, Bühnenbild, Requisiten oder auch Security ergäben.

Planungsunsicherheit ist die heiße Kartoffel, mit der die Rosenheimer Bühnenkunst gerade jongliert. Während der Großteil der Theater keine eigenen Spielstätten betreibt und dadurch kaum Fixkosten hat, müssen die Theaterinsel und das „TAM-OST“ die Mieten für ihre Häuser decken.

Im Rahmen der Kulturförderrichtlinie unterstützt die Stadt die Vereine, sagt Kulturreferent Hauck. Um auch in der Pandemie über die Runden zu kommen, sei aber die Landesregierung gefragt, meint Rankl. Neben seiner leitenden Funktion im „Theater Rosenheim“ ist er auch der Präsident des Verbands bayerischer Amateurtheater mit Sitz in Rosenheim. Er vertritt über 700 Bühnen mit rund 60.000 Mitwirkenden. Aber: Die Coronahilfen des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst würden beim Amateurtheater nicht greifen, kritisiert er.

Vorreiter für Neustart der Kultur

Von Perspektivlosigkeit kann man in der Rosenheimer Schauspielwelt nicht sprechen. Es sind vor allem die jungen Kulturschaffenden, die sich aufmachen, dem Theater neues Leben einzuhauchen. Zum Beispiel Sebastian Kieser. Der 23-Jährige arbeitet als Regieassistent und Spielleiter am Wiener „Theater in der Josefstadt“ . Im Sommer leitet er das Rosenheimer Ensemble „INNszenierung“. Um Vorreiter für einen Neustart in der Kultur zu sein, hat er ein Budget von 4000 Euro für das Testen seiner Schauspieler während der kommenden Spielsaison eingeplant.

Spielwiese für progressive Bühnenkunst

Zudem gibt es Dominik Frank, Theaterwissenschaftler und Dozent an der Uni Bayreuth, der die Rosenheimer „Vetternwirtschaft“ als Spielwiese für progressive Bühnenkunst nutzt. Der 37-Jährige beschäftigt sich intensiv mit Bewegtbild und inszenierte erst kürzlich Szenen aus Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ als Livestream. im Internet.

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Auch die 26-jährige Sophia Pölcher, Vorstandsmitglied der Theaterinsel, nutzt die Möglichkeiten des Bewegtbilds. Zu Silvester führte sie „Dinner for One“ vor der Kamera auf. Niemand spreche davon, Theater „umsonst ins Netz zu hauen“, wie es der Intendant am Staatstheater Augsburg, André Bücker, anlässlich des jüngsten Welttheatertages in der Presse formulierte. Der Schritt ins Digitale sei vor allem für die Ensemblemitglieder wichtig, um aktiv zu bleiben, erklärt Thomas Eiween, ebenfalls Vorstandsmitglied der Theaterinsel.

Bühnen brauchen Planungssicherheit

Für eine Wiedereröffnung brauchen die kleinen Bühnen Planungssicherheit. „Jetzt ist Zeit für große Flächen“, schlägt Eiween als möglichen Lösungsansatz vor. Hier sei nicht nur Rosenheim mit seinem Kultur- und Kongresszentrum gefragt, sondern auch die Zivilgesellschaft. Ein Vorreiter in Rosenheim ist die Städtische Galerie, die im Dezember 2020 ihren Hauptsaal dem Abschlussjahrgang des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums zur Verfügung stellte.

Damit ermöglichte sie Präsenzunterricht mit Sicherheitsabstand. Es ist ein Corona-Wunder, dass gesellschaftliche Teilsysteme gemeinsam kreative Lösungen finden.

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