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Über eine ungewöhnliche WG

Wohnen für Hilfe: Wie ein Projekt in Rosenheim Senioren und Studenten verkuppeln möchte

Hoffen darauf, dass ihr Projekt noch besser angenommen wird: Vertreter von „Wohnen für Hilfe“ und Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht (rechts).
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Hoffen darauf, dass ihr Projekt noch besser angenommen wird: Vertreter von „Wohnen für Hilfe“ und Dritte Bürgermeisterin Gabriele Leicht (rechts).
  • VonKarin Wunsam
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Das Projekt „Wohnen für Hilfe“ bringt wohnungssuchende Studenten und Senioren mit Platz zusammen. In Rosenheim ist der erste Versuch das Projekt zu etablieren, gescheiert. Jetzt versuchen es die Verantwortlichen erneut – mit Erfolg, wie das Beispiel eines 22-Jährigen zeigt.

Rosenheim – Alternative Wohnmodelle sind angesagt und das aus gutem Grund: fehlender Wohnraum, extrem hohe Mieten und eine zunehmende Zahl an Menschen, die alleine Leben. „Wohnen für Hilfe“ ist so ein Alternatives Wohnmodell. In Rosenheim wurde es von dem Verein „Pro Senioren“ ins Leben gerufen.

Am Donnerstag gab es dazu eine außergewöhnliche „Werbeaktion“. Vor Ort war auch der 22-jährige Jonathan. Der Student ist einer der ersten, die sich in der Stadt auf diese Art des Wohnens eingelassen hat.

Werbeaktion in der Innenstadt

Der erste Versuch „Wohnen für Hilfe“ in Rosenheim zu etablieren, scheiterte – aufgrund mangelnder Resonanz auf beiden Seiten. 2020 nahm der Verein dann einen neuen Anlauf. Dann kam Corona. Jetzt soll das Projekt aber endlich wieder Fahrt aufnehmen.

Darum fand gestern eine außergewöhnliche Werbeaktion in Rosenheims guter Stube statt. Mitten auf dem Max-Josefs-Platz gegenüber des Holztechnischen Museums wurden Tische aufgebaut und dort spielten Mitglieder des Vereins Szenen, die darstellen sollten, um was es bei dieser alternativen Wohnform überhaupt geht und wer dafür in Frage kommt.

Bedenken und Ängste aus dem Weg räumen

Außerdem sollten so Bedenken und Ängste auf beiden Seiten thematisiert und ausgeräumt werden.

Inge Ilgenfritz vom Verein Pro-Senioren liegt das Projekt sehr am Herzen. „Es ist eine Win-Win-Situation“, meint sie. Ältere Menschen würden so Hilfe bei kleinen alltäglichen Dingen, wie beispielsweise Rasen mähen oder Getränkekästen ins Haus bringen, bekommen und junge Menschen als Gegenleistung dafür günstigen Wohnraum finden.

Dass dieser auch in Rosenheim Mangelware ist, weiß der 22-jährige Jonathan aus eigener Erfahrung. 500 Euro für eine Ein-Zimmerwohnung nahe der Hochschule. Etwas weiter weg dann immer noch gut 350 Euro – das ist für einen Studenten viel Geld.

Das Abenteuer gewagt

Darum entschied sich Jonathan, das „Abenteuer“ zu wagen. Seit vergangenem Herbst wohnt er bei einer älteren Rosenheimerin. „Es klappt wunderbar“, berichtet er. Das Miteinander definiert er als Wohngemeinschaft. „Jeder hat seinen eigenen Bereich, aber Bad und Küche teilen wir uns“.

Hat das Abenteuer gewagt: Jonathan (22) lebt bei einer Seniorin.

Probleme damit habe er nicht. „Ich esse eh meistens in der Mensa und stehe viel früher auf als meine Mitbewohnern. Darum kommen wir uns da nie in die Quere.“

Ab und zu verbringt er aber mit seiner Vermieterin sogar sehr gerne Zeit. „Man wächst zusammen. Wir erzählen uns gerne Geschichten aus unserem Leben und reden auch mal über die Politik. Zu verstehen, wie ältere Generationen denken und was sie erlebt haben, finde ich sehr interessant.“

90 Euro Miete im Monat

90 Euro zahlt Jonathan im Monat für Nebenkosten. Das war es. Dafür hilft er der Seniorin bei alltäglichen Dingen. „Beispielsweise auch bei digitalen Sachen, wie E-Mails, Ausdruck von Dokumenten oder Fotobearbeitung“, erzählt der Holztechnik-Student.

Erst zwei „Tandems“ gefunden

Bis jetzt haben sich in Rosenheim erst zwei derartige „Tandems“ gefunden. Immer noch sind die Bedenken auf beiden Seiten groß. Senioren scheuen sich oft davor einen Fremden in die eigenen vier Wände zu lassen und sich damit noch einmal einen anderen Menschen anzupassen. Viele junge Menschen befürchten, dass sie sich zu sehr an die Älteren binden müssen, quasi als Enkel-Ersatz.

Ängste, die nicht sein müssen, ist man sich beim Verein „Pro Senioren“ sicher. Darum wollen sie weiter für „Wohnen für Hilfe“ werben und aufklären, um was da eigentlich wirklich geht.

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