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Zwischen Wasserburg und Rosenheim: Was das alles mit Corona zu tun hat

„Wo ist da die Menschlichkeit?“ Die unglaubliche Klinik-Irrfahrt von Baby Frederick in Mamas Bauch

Irrfahrt vor der Geburt: Wie Corona Fredericks Eltern zur Odyssee zwang
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Endlich ausruhen von der Irrfahrt: Der kleine Frederick, bewacht von Magdalena und Léon Gerer.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Hin und her: Bevor Frederick aus Schnaitsee das Licht der Welt erblickte, mussten seine Eltern Nerven bewahren. Die Geschichte ihrer Geburts-Irrfahrt.

Rosenheim – Frederick schläft, in die Arme seiner Mutter gekuschelt. Dem Schlummerzwergerl ist nicht anzusehen, dass es schon einen dramatischen Auftritt hinter sich hat. Eine solche Irrfahrt vor der Geburt – das ist ungewöhnlich. Wasserburg oder Rosenheim: Bei Frederick war zunächst unsicher, wo er auf die Welt kommen würde.

Seine Eltern, Magdalena und Léon aus Schnaitsee sind nunmehr glücklich mit ihrem Sprössling. Die Umstände seiner Geburt aber machen sie immer noch fassungslos. Sie seien in Wasserburg abgewiesen worden, erzählt Léon Gerer – und zwar zweimal. Die Geburt habe sich so unnötig in die Länge gezogen. „Wo ist da die Menschlichkeit?“, fragt er.

Die Eltern seien umgeleitet worden. Das sagt Romed. Und verweist ebenfalls auf die Vorschriften: Die Regeln seien vielleicht bedauerlich, aber eben auch notwendig.

Vater Léon Gerer erinnert sich an die Odyssee. Eigentlich ging‘s ganz normal los. Seine hochschwangere Frau und er seien, als am frühen Morgen des 4. Juni die Wehen einsetzten, zunächst zur Romed-Klinik Wasserburg gefahren. Dort waren sie zur ambulanten Geburt angemeldet. „Alles lief bestens“, sagt Gerer.

Eine Irrfahrt vor der Geburt

Und dann? Kam das Ergebnis von Magdalenas PCR-Test. Positiv. Mit negativen Folgen. Denn die Isolation einer corona-infizierten werdenden Mutter war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich oder zumindest sehr schwierig. „Aus Personalmangel sei es nicht möglich, dass die Mutter ihr Kind in Wasserburg entbinde“, sagt Léon Gerer. „In Wasserburg gibt es nur eine kleine Station, da ist so etwas unter diesen manchmal ziemlich schwierig“, sagt Romed-Sprecherin Elisabeth Siebeneicher.

Also ging‘s nach Rosenheim, wo man Léon Gerer nicht ins Klinikum reinlassen wollte – „weil der Mann erst in den Endzügen der Geburt zugelassen wird, hat man mir gesagt“.

Frederick entschied sich derweil um. Und verschob seinen ersten Auftritt. Die Wehen legten sich, die werdenden Eltern fuhren wieder nach Hause. Und in der gewohnten Umgebung ging‘s prompt von Neuem los. Léon Gerer rief die Hebamme an, die erkannte, dass es höchste Zeit wurde. Sie rief einen Rettungswagen, Ziel: das Krankenhaus Wasserburg, keine 15 Kilometer entfernt.

Zum zweiten Mal in Wasserburg abgewiesen

Von dieser kurzen Strecke war nur noch ein kleiner Rest zu bewältigen – da erinnerte man sich offensichtlich im Krankenhaus an den Namen der werdenden Mutter und daran, dass sie positiv getestet worden war. Seine Frau sei daraufhin erneut abgewiesen, das Fahrzeug wiederum nach Rosenheim umgeleitet worden. Warum die Fahrer des Transports Wasserburg überhaupt anfuhren, wenn doch die Frau positiv getestet worden war, ließ sich nicht mehr klären. Ebenso wenig wie die Frage, ob und wann die Gerers die Fahrer vom PCR-Test informierten. Beim ersten Kind ist die Aufregung schließlich bei den meisten Eltern besonders groß. Vor allem bei den Vätern.

Der Vater konnte auch in diesem Fall nur mitleiden: „Festgeschnallt auf einer Liege mit FFP2-Maske in der letzten Fahrt der Geburt – jede Mutter kann sich wohl vorstellen, was das bedeutet.“ Außerdem brachte die Fahrt von über einer halben Stunde Dauer die Mutter und das Kind in ihrem Bauch aus dem Rhythmus. „Völlig entkräftet“ sei seine Frau gewesen, erzählt er. Dann war‘s plötzlich geschafft. Nach 22 Stunden und einigem Hin und Her tat Frederick seinen ersten Schrei.

Nach 22 Stunden folgt ein Happy End

„Hebamme und Gynäkologin der Rosenheimer Klinik waren unser großes Glück“, sagt Léon Gerer. Einige Tage ist die Irrfahrt nun her, Routine ist aber natürlich noch längst nicht eingezogen bei der jungen Familie. „Überglücklich“ seien sie, erzählt der junge Vater. Sein Respekt gegenüber seiner Frau sei nochmals gewachsen – „das ist schon der Wahnsinn, was sie da durchgestanden hat“.

Frederick ist nun auf der Welt, womöglich soll er noch ein Brüderchen oder Schwesterchen bekommen. Léon Gerer hat sich schon überlegt, was er anderen werdenden Eltern raten würde. „Ich würde mich, so lange diese Maßnahmen und Bestimmungen herrschen, einfach davor schon mal schlau machen.“

Den Test könne man auch schon etwas zeitiger davor machen, ebenso sich fragen, welche Krankenhäuser überhaupt eine Isolation besitzen. Vielleicht sind dann Corona-Regeln bereits überflüssig geworden. Dieses Regelwerk sorgte bei den Gerers übrigens noch für eine Pointe: Bei der Entlassung wurde ihnen mitgeteilt, dass zwei weitere PCR-Tests gemacht worden seien. Ergebnis: negativ.

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