Nachhaltig bauen mit erneuerbaren Energien: Hochschule Rosenhbeim bei Wettbewerb dabei

So sieht ein erster Entwurf der Gebäudeaufstockung des Projektteams „Level Up“ der Rosenheimer Hochschule aus. Die Studenten nehmen am internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Europe 2021“ teil.
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So sieht ein erster Entwurf der Gebäudeaufstockung des Projektteams „Level Up“ der Rosenheimer Hochschule aus. Die Studenten nehmen am internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Europe 2021“ teil.
  • vonAlexandra Schöne
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In Zeiten des Klimawandels werden Erneuerbare Energien und nachhaltiges Bauen immer wichtiger. Als eines von nur sechs deutschen Teams nehmen 50 Studenten der Hochschule beim internationalen Studentenwettbewerb „Solar Decathlon Europe 2021“ teil. Sie wollen das „Gebäude der Zukunft“ entwickeln.

Rosenheim – In Zeiten des Klimawandels werden Erneuerbare Energien und zukunftsorientiertes, nachhaltiges Bauen immer wichtiger. Besonders die jüngeren Generationen sind gefordert, Ideen zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben, um die Zukunft der Menschen auf der Erde zu sichern.

Unter dem Motto „Mit dem Gebäude der Zukunft zur klimaneutralen Stadt“ nimmt die Technische Hochschule (TH) Rosenheim aminternationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Europe 2021“ teil. Dabei geht es um die Entwicklung lebensnaher Lösungen für die Energiewende. Das Projektteam „Level Up“ der TH ist dabei eine von nur sechs deutschen Gruppen. Bereits 2010 nahmen Rosenheimer Studenten an dem Wettbewerb teil. Die Gruppe belegte damals als bester deutscher und europäischer Teilnehmer den zweiten Platz.

50 Studenten für das „Gebäude der Zukunft“

Rund 50 Studenten sind seit Januar dabei, das „Gebäude der Zukunft“ zu planen. Sie kommen laut Projektleiter Andreas Boschert aus vielen verschiedenen Studiengängen wie zum Beispiel: Architektur, Innenarchitektur, Holztechnik, Holzbau und -ausbau, Innenausbau sowie Energie- und Gebäudetechnologie, Informatik. „Fast alle Fakultäten und Studiengänge, die es an der TH gibt, sind vertreten“, sagt Boschert. Das Rosenheimer Team hat sich bei „Solar Decathlon Europe 2021“ für das Thema „Aufstockung von Gebäuden in Städten“ beworben.

Die Aufgabe: Die Studenten müssen ein Konzept zur Aufstockung eines Gebäudes aus der 1950er-70er Jahren entwickeln. Warum gerade für Häuser aus dieser Zeit? „Vor allem in Innenstädten gibt es viele Gebäude aus diesen Jahren. Und genau dort wird Wohnraum benötigt und ist oft knapp“, erklärt Boschert.

Bedarf ausschließlich über erneuerbare Energien decken

Der Schwerpunkt bei der Gestaltung der Aufstockung, die zwei Ebenen und eine Dachfläche umfasst, liegt auf flexiblen Wänden und zuschaltbaren Räumen. Laut Barbara Salzeder (27), Innenarchitekturstudentin und Teamleiterin der Planungsgruppe „Wirtschaft, Sponsoren und Kommunikation“, steht im Aufstockungssystem „Level Up“ der Bewohner mit seinen „(Lebens-)Bedürfnissen“ an erster Stelle. „Deshalb sieht unser Entwurf einen flexiblen Grundriss vor, der sich sowohl an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen als auch auf das Bestandsgebäude anpassen lässt“, erklärt Salzeder.

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Der komplette Energiebedarf des Gebäudes soll zudem ausschließlich durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Die Studenten werden bei der Arbeit von Professoren der TH sowie von Partnern aus der Wirtschaft und Forschung unterstützt. Die Aufstockung wird Boschert zufolge für ein Haus in Nürnberg geplant. „Das Ziel ist aber, dass das Konzept auch auf jedes andere Haus aus den 50er bis 70er Jahren anwendbar ist“, sagt er.

Erneuerbare Energien sollen genutzt werden

Die Anforderungen seien komplex und anspruchsvoll. Das Haus soll unter anderem komplett CO2-neutral sein und die Nutzung vieler erneuerbarer Energien einbinden. Das große Ziel: „Eine möglichst hohe Energieeffizienz“, sagt Boschert.

Aus dem gesamten Aufstockungskonzept wird anschließend ein „Demobereich“ ausgewählt und gebaut, erklärt er. „Das ist eine Wissenschaft für sich.“ Das Konzept sowie der Demobereich muss bis August 2021 fertig sein. Dann startet voraussichtlich der Wettbewerb in Wuppertal, wenn er nicht Corona-bedingt verschoben werden muss. Hier treten 18 Hochschulteams aus der ganzen Welt gegeneinander an.

Viele Videokonferenzen, viel Arbeit online

Den Demobereich muss das Rosenheimer Team nach Wuppertal transportieren und dort aufbauen. Er wird, genauso wie das komplette System der Aufstockung, nach zehn Kriterien bewertet. Die Architektur und die Konstruktion werden begutachtet, aber auch der Komfort des Hauses. „Wichtig ist zudem die Nachhaltigkeit des Hauses“, sagt Boschert. Über allem stünde die Innovation. „Wir wollen Dinge konzipieren, die es so noch nicht gibt. Es sollen Blickfänge sein.“

Auch die Studenten kommen momentan an der Corona-Krise nicht vorbei. Viele Videokonferenzen, viel Arbeit online. Aber für Projektleiter Boschert ist das keine Schwierigkeit. „Eine Herausforderung, aber kein Problem“, sagt er. Finanziert werde das kostspielige Projekt aus Forschungs- und Sponsorengeldern. Boschert schätzt die Chancen des Rosenheimer Teams in Wuppertal gut ein. „Wir sind breit aufgestellt, haben aufgrund vielfältiger Studiengänge das nötige Wissen und Können“, bestätigt er.

Beitrag zur Klimaneutralität leisten

Für Barbara Salzeder ist das Projekt eine Chance, ihr Fachwissen hinsichtlich energieeffizientem Bauen zu erweitern. Als Vizeweltmeister des „Solar Decathlon“-Wettbewerbs im Jahr 2010 wolle die Gruppe mit der erneuten Teilnahme an den damaligen Erfolg anknüpfen. „Unsere Vision, einen gesellschaftlichen Beitrag zur Klimaneutralität unserer Städte zu leisten, motiviert unser gesamtes Team“, sagt Salzeder. Dies setze einen Einsatz von recycelbaren Materialien und Konstruktionsbauweisen voraus. Hier liegt laut Barbara Salzeder der Schwerpunkt im Holzbau, der Rosenheimer Kernkompetenz.

Die Teilnahme an dem Projekt eröffne ihr eine einmalige Möglichkeit, sich in den nächsten zwei Jahren vielseitig und interdisziplinär weiterzubilden. „Das Projekt vereint sehr komplexe Theorie mit Praxis“, sagt Barbara Salzeder.

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