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Auerbräu verkündet Bierpreis

Wird das Rosenheimer Herbstfest zur Luxus-Wiesn? So viel kostet eine Karussellfahrt

Das flüssige Gold wird seinem Namen heuer gerecht. Fast ein Drittel kostet das Bier auf dem Rosenheimer Herbstfest dieses Jahr mehr.
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Das flüssige Gold wird seinem Namen heuer gerecht. Fast ein Drittel kostet das Bier auf dem Rosenheimer Herbstfest dieses Jahr mehr.
  • VonPaula L. Trautmann
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„O‘zapft is“, heißt es am 27. August. Das Rosenheimer Herbstfest findet wieder statt. Der Bierpreis erreicht eine neue Rekordmarke. Wie tief die Familien in die Tasche greifen müssen, erfahren Sie hier.

+++ Update vom 13. Juli, 16.45 Uhr +++

Rosenheim - Der Wirtschaftliche Verband (WV) will eine familienfreundliche Wiesn. „Neben einem attraktiven und ausgewogenen Angebot von Fahr-, Spiel- und Gastronomiebetrieben, legt der WV auch ein besonderes Augenmerk auf eine faire Preisgestaltung“, heißt es in einer Pressemitteilung. Deshalb sei der Verband stolz, dass die teuerste Einzelfahrt in einem Karussell 3,50 Euro nicht überschreiten werde.

Preis liegt unter dem anderer Volksfeste

„Was angesichts von Fahrpreisen von bis zu 8 Euro und mehr auf anderen Festplätzen wirklich bemerkenswert ist“, sagt Vorstandsmitglied Maximilian Werndl. Der gesamte Schaustellersektor des Rosenheimer Herbstfestes bleibe damit im Vergleich mit allen anderen Volksfesten weiterhin „das Fest mit der attraktivsten Preisgestaltung“.

So viel kostet das Bier bei Auerbräu

Unterdessen hat Auerbräu den Bierpreis fürs Herbstfest verraten. „Wir bemühen uns sehr, die Kosten im Griff zu halten und gleichzeitig den Mehraufwand nicht einfach auf die Gäste umzulegen“, so Heinrichsberger Junior, Mitglied der neuen Festwirts-Familie. „Wir optimieren dafür unsere Abläufe und arbeiten mit langjährigen, regionalen Partnern, um ein gutes Preis-Leistungsverhältnis hinzubekommen. Deshalb freuen wir uns, dass wir die Maß Wiesnmärzen um 11,40 Euro anbieten können. Limonaden werden mit 3,70 Euro und 3,40 Euro für Wasser unter Gastrostandard bleiben, an den Mittwochen wird bei uns für Kinder ein Essen mit Getränk für unter 10 Euro zu haben sein.“

+++ Der Originaltext +++

Rosenheim – Im Flötzinger-Zelt hat ein Liter Bier 2019 noch 9,20 Euro gekostet. Heuer müssen Besucher 11,80 Euro für eine Mass hinblättern – über 28 Prozent mehr. Ein halber Liter Wasser kostet 3,50 Euro. Limo, Schorle und Cola-Mix liegen bei 3,70 Euro. Bei der letzten Wiesn vor drei Jahren haben alle alkoholfreien Getränke nach Angaben von Geschäftsleiter Andreas Phyrr 50 Cent weniger gekostet. „An solche Verhältnisse kann sich selbst unser Senior Chef Franz Steegmüller in über 60 Jahren seiner Brauerei-Tätigkeit nicht erinnern“, heißt es in der Pressemitteilung.

Lieferanten verlangen doppelt so viel für die Ware

Auf die Frage, warum das Bier heuer so teuer ist, antwortet Geschäftsführer Andreas Phyrr beinahe verzweifelt: „Wo soll ich da anfangen?“ Wie viele Unternehmen treffe die „sprunghafte Inflation“ auch die Brauereien. Die Lieferanten können Phyrr zufolge entweder gar nicht liefern oder verlangen mehr für ihre Ware.

Eine Tonne Malz koste doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der Kohlensäure-Lieferant könne nur noch eine „viel zu kleine Menge“ zustellen. Sein „Vor-Lieferant“ gebe nicht genügend Ware aus. „Das ist ein Rattenschwanz“, sagt Phyrr. Jeder in der Lieferkette sei „ein Opfer der Verkettung wirtschaftlicher Zusammenhänge“. Viele Unternehmen hielten aus Angst vor der Knappheit Vorräte zurück. An anderen Stellen mangele es wirklich an Ware.

Der Zeltaufbau kostet so viel wie ein Hausbau

Doch nicht nur die Rohstoffe für das Bier kosten mehr, auch das Personal und der Zeltaufbau. „Da kannst ein sehr schönes Haus dafür bauen und das jedes Jahr“, sagt Phyrr. Wie viel teurer der Aufbau heuer ist, kann der Geschäftsführer nicht beziffern. Es seien jedoch „große spürbare Beträge“.

Auch Strom und Gas kosten mehr. Die Brauerei sei zudem getrieben von Teuerungen, bis ins kleinste Detail: von Glühbirnen über Nägel. Und davon brauche es viele für das Festzelt. Von dem Geld für 200 Nägel könne man ein gutes Mittelklasse-Auto kaufen. „Wir sind selbst in der Not“, sagt der Geschäftsführer.

Auf dem Oktoberfest kostet die Mass zwischen 12,60 Euro und 13,80 Euro

Phyrr findet jedoch, dass es schlimmer sein könnte: „Sind wir froh, dass wir in Rosenheim sind und nicht in München.“ Auf dem Oktoberfest kostet die Mass dieses Jahr zwischen 12,60 Euro und 13,80 Euro.

2019 hatten Flötzinger und Auerbräu erstmals einen unterschiedlichen Bierpreis

Während der Flötzinger-Bierpreis feststeht, hält sich Auerbräu noch zurück. Unternehmenssprecher Michael Hinterseer teilte am Donnerstagvormittag, 7. Juli, mit, dass „man sich zu gegebener Zeit zu dem Thema äußern werde“. Dies werde jedoch nicht innerhalb der nächsten Stunden der Fall sein. Beim letzten Herbstfest vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 hat das Bier zum ersten Mal in der Geschichte der Rosenheimer Wiesn bei Auerbräu und Flötzinger Bräu unterschiedlich viel gekostet. Auerbräu hatte 8,90 Euro für den Liter verlangt, Flötzinger 9,20 Euro.

„Wir werden uns zu diesem Thema erstmal nicht äußern“, sagt auch Klaus Hertreiter vom Wirtschaftlichen Verband. Kommende Woche wird Auerbräu Hertreiter zufolge die Preise von Bier, Limo, Wasser und Spezi verkünden. Erst dann wolle er einen Kommentar abgeben.

Diese Woche gibt Auerbräu den Bierpreis nicht mehr bekannt

Auch der neue Wirt der Inntalhalle, will sich nicht zum Bierpreis äußern. „Diese Woche wird das nicht mehr rauskommen“, sagt Werner Heinrichsberger junior. Er steckt aktuell „mitten in den Vorbereitungen“. Mitarbeiter bauen die Boxen auf und dekorieren die Halle mit Fahnen und Girlanden. Viele Herbstfest-Fans hätten bereits Reservierungs-Anfragen geschickt. Dabei könnten sie erst am 19. Juli einen Tisch in der Inntalhalle reservieren. „Da kann man darauf vertrauen, dass es ein gut besuchtes Herbstfest wird.“

„Das soll keine Luxus-Wiesn werden“

Doch ebenso wie Phyrr ist Heinrichsberger klar, dass die Wiesn teurer wird. Er habe schließlich zwei Wirtschaften und wisse, wie sehr die Preise von Lebensmitteln und Gas steigen. Dennoch bemühten sich alle Beteiligten um eine familienfreundliche Wiesn. Darum hat der Wirtschaftliche Verband nach Angaben von Heinrichsberger gebeten. Er plane deshalb ein günstiges Gericht mit Getränk für Kinder an den beiden Familientagen. „Das soll keine Luxus-Wiesn werden“, sagt er.

Ob Luxus-Wiesn oder nicht, auf eines können sich wohl alle einigen: Hauptsache, das Herbstfest findet statt. „Es wird viel spekuliert“, sagt Klaus Hertreiter vom Wirtschaftlichen Verband über die Gerüchte, das Herbstfest könne wegen der Corona-Pandemie womöglich abgesagt werden.

„Wir machen uns nicht verrückt“

Alle Beteiligten arbeiten dem Geschäftsführer zufolge unter Hochdruck daran, dass die Wiesn stattfinden kann, wie es sich jeder wünscht. Es gebe jedoch immer ein Restrisiko. „Dinge, die wir nicht beeinflussen können“, betont Hertreiter. Dennoch bleibt der Geschäftsführer entspannt: „Wir machen uns nicht verrückt.“

Mit ein bisschen Glück

„Hoffentlich wird es genauso sein wie immer“, sagt auch Flötzinger-Geschäftsführer Phyrr. Doch auch ihm ist das Restrisiko bewusst: „Wir brauchen Glück, damit alles gut geht.“

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