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Amanda Venerandum aus Prien schreibt sich mit Gedichten Belastendes von der Seele und will trösten

Amanda Venerandum
              verfasst seit einigen Monaten Gedichte und kurze Texte in ihrem rosa Notizbuch. Mit ihnen will die 23-Jährige anderen Menschen Mut machen.
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Amanda Venerandum verfasst seit einigen Monaten Gedichte und kurze Texte in ihrem rosa Notizbuch. Mit ihnen will die 23-Jährige anderen Menschen Mut machen.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
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Amanda Venerandum ist erst 23 Jahre alt und hat trotzdem schon viel durchgemacht: Depressionen, eine Essstörung, die Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“. Ihr Fels in der Brandung: die Poesie. Mit ihren Gedichten will sie anderen Mut machen.

Rosenheim/Prien – Amanda Venerandum ist eine ganz normale junge Frau. Sie ist gelernte Fachkraft für Lebensmitteltechnik sowie technische Fachwirtin, trifft sich gerne mit Freunden und liebt die Berge. Amanda Venerandum geht aber auch einmal pro Woche zur Therapie in Rosenheim. Denn psychisch ging es der 23-Jährigen, die in Prien wohnt, lange nicht gut. Und auch jetzt kämpft sie noch immer. Aber es wird besser, sagt sie. Die 23-Jährige benutzt einen Künstlernamen. Ihren echten Namen will sie nicht in der Zeitung lesen.

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Alles habe vor vier Jahren angefangen, als sie ein Burnout bekam. „Ich habe unter der Woche 50 Stunden gearbeitet, war an den Wochenenden auf Weiterbildungen und lag dann am Sonntag mit Migräne im Bett“, erzählt sie. Außerdem sei sie an ihrem damaligen Arbeitsplatz von den Kollegen gemobbt worden, was zum psychischen Stress beigetragen habe.

Als 20-Jährige kam sie in die Schön Klinik Roseneck in Prien. Wegen des Burnouts, wegen Essstörungen und Depressionen. „Zu dieser Zeit stand ich dem Leben sehr kritisch gegenüber“, sagt sie. Sie berichtet ruhig über die toxische Beziehung mit ihrem Exfreund, die im Dezember vergangenes Jahres endete.

Über ein Buch zur Poesie gekommen

Beim Spaziergang im Rosenheimer Riedergarten spricht sie ganz offen über ihre Vergangenheit. Das kann sie mittlerweile. Dabei geholfen, sich selbst zu reflektieren und ihre Erlebnisse zu verarbeiten, habe ihr die Poesie. In jeder Therapiestunde habe sie aus einem Buch einen Satz abgeschrieben, der ihr gefallen hatte. Am Ende habe sie die einzelnen Sätze zu einem Gedicht zusammengefügt. So sei sie zur Poesie gekommen.

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Seit April schreibt Amanda Venerandum Gedichte und Texte, was immer ihr in den Sinn kommt. Es ist ihr sicherer Hafen, ihr Fels in der Brandung. Wenn ihr alles zu viel wird, es ihr schlecht geht und alte Erinnerungen aufkommen, greift sie zum Stift. „Wenn ich schreibe, gebe ich ein Stück der Schwere ab.“ Am liebsten tue sie das am See, sagt sie. Sie hat ein Büchlein, in dem sie ihre Gedichte sammelt. Beinahe 50 Stücke sind es mittlerweile. Mal kurze Texte, mal längere.

„Ein Hafen mit meinem eigenen Schutzprogramm“

Eines ihrer Gedichte heißt „Heimathafen“. Sie schreibt: „Ich konnte dann endlich einschlafen und ich träumte von meinem Heimathafen. Einem Heimathafen, an dem ich, ich selbst sein kann, einem Hafen mit meinem eigenen Schutzprogramm. Einem Schutzprogramm, das mich auf mich selbst aufpassen lässt, das dient als eine Art Selbsttest, mich gleichzeitig aber auch ziemlich entstresst.“

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Es sind tiefgründige Texte, die sich oft um sie selbst und ihre Erlebenisse drehen, aber auch um andere Menschen. „Sie kommen aus meinem tiefsten Herzen.“ Sie sei gut in dem, was sie tue. Das bedeute ihr viel. Denn früher habe sie oft mit Selbstzweifeln zu kämpfen gehabt, sei zu selbstkritisch gewesen. „Ich dachte immer, ich kann nichts. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt.“

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Mittlerweile habe sie sich auch getraut, ihre Texte mit der Öffentlichkeit zu teilen. Bei zwei Poetry Slams hat sie bisher teilgenommen, weitere sollen folgen. Außerdem hat sie einen Instagram-Kanal gegründet, auf dem sie ihre Gedichte postet. „Ich will anderen, denen es vielleicht genauso geht wie mir, Mut machen“, sagt die 23-Jährige.

„Ich werde nie ganz gesund sein“

Dass sie mit ihrer Borderline-Persönlichkeitsstörung leben muss, weiß Amanda Venerandum. Sie werde nie ganz gesund sein, sagt sie. Trotzdem: Wenn sie ihr Leben noch einmal von Neuem beginnen könnte, sie würde es nicht tun. „Ich würde es immer so leben. Weil es mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin.“ Bei dieser Erkenntnis hat ihr auch das Schreiben geholfen.

Mehr Texte und Gedichte von der Poetin sind auf ihrer Instagramseite amanda_venerandum zu finden.

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