Wilde Wanderer und Radl-Rambos: Sind Sperrungen in der Region Rosenheim der einzige Ausweg?

Volldampf voraus: Längst nicht alle Mountainbiker rasen. Doch ein paar schwarze Schafe genügen, eine Sportart in Verruf zu bringen.
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Volldampf voraus: Längst nicht alle Mountainbiker rasen. Doch ein paar schwarze Schafe genügen, eine Sportart in Verruf zu bringen.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Sommerferien nahen, und mit ihnen die Sorgen. Es könnte fürs Gebirge zu viel werden. Zu viel an Besuchern. Denn „Urlaub Dahoam“ bedeutet für die Natur und viele Einheimische Stress. Wie man dem abhilft, darüber laufen die Diskussionen. Auch darüber, was Verbote bringen.

Rosenheim/Bad Feilnbach – In Bad Feilnbach mehren sich die Hilferufe der Almbauern. Kürzlich seien Mountainbiker in der Nacht im Licht der Stirnlampe durch eine Herde gerauscht, weiß Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins, zu berichten. „Einige von den Tieren haben sich dabei verletzt.“ Von einem „Freizeitpark“ sprach jüngst Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner, „Das engste Steigerl wird mit dem Bike gefahren, die Leute kommen einem mit ausgerissenen Büscheln geschützter Pflanzen entgegen.“

Es ist eng geworden in den Bergen. So eng, dass die Nerven bloß liegen. In Bad Feilnbach attackierte kürzlich eine Hundebesitzerin eine Mountainbikerin und ihren Sohn, im Rotwandgebiet (Landkreis Miesbach) schlug ein Mountainbiker auf einen Umweltschutzbeauftragten des Landratsamtes ein. Einzelfälle, heißt es beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Es gehe in den Bergen zu wie sonst auch im Straßenverkehr.

In den Bergen: Zustände wie im Straßenverkehr

Was bedeutet: Leichtsinn und Rücksichtslosigkeit, immer wieder Wortgefechte, Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-.Fraktion im Landtag, kennt das Problem. „Einen Nutzungskonflikt gibt es schon“, sagt er. Es sind nicht viele, die über die Stränge schlagen, 95 Prozent der Wanderer und Biker seien ja vernünftig, sagt etwa Samerbergs Bürgermeister Georg Huber. Aber die unvernünftigen fünf Prozent machen sich bemerkbar.

In Miesbach haben aus diesem Grunde Beratungen am Runden Tisch begonnen. Ziel der Gespräche: Wie kann man die Besucherströme lenken? Wie Zusammenstöße verhindern, die Lage entspannen? Und wie die Natur vor dem Menschen schützen?

Online über Ziele informieren, Besucherströme lenken

Da gibt es den „Ausflugsticker“ auf www.oberbayern.de. Mit Tipps wie: „Startet früh und genießt die Seen und Berge, bevor der Ansturm um die Mittagszeit kommt.“ Und empfiehlt gleich mal Alternativen: „Zum Beispiel am Ufer der Tiroler Ache.“

Dann gibt es Projekte, die den Bergbesucher Verständnis abringen sollen, mit Tipps und Regeln fürs gute Miteinander. Etwa „Auf der Alm dahoam“. Die Broschüre von Chiemsee-Alpenland Tourismus erzählt von Geschichte und Bedeutung der Almwirtschaft und soll Verständnis für Landwirtschaft in einer besonderen Rolle wecken. „Ich wünsch mir, ob von Wanderern oder Mountainbikern,dass sie die Alm als Kulturlandschaft respektieren, die Viecher in Ruhe lassen und auf den Wegen bleiben“, sagt Rosenheims Kreisbäuerin Katharina Kern, die am Sudelfeld selbst eine Alm bewirtschaftet.

Samerbergs Bürgermeister Georg Huber sieht zumindest „keinen Kampf“ zwischen Wanderern und Mountainbikern. Was auch daran liegen könnte, dass es an der Hochries einen Bikepark gibt – und damit eine Trennung.

Radhersteller wehrt sich gegen Generalverdacht

Biker anlocken, andere Bereiche blocken? Harald Gmeiner, Tourismuschef bei den Nachbarn im Landkreis Miesbach, bringt es so auf den Punkt: Bestimmte Mountainbikestrecken könne man „attraktivieren“, sensible Bereiche sperren. Damit will man auch verhindern, dass Mountainbiker illegale Downhill-Strecken auf der grünen Bergwiese einrichten. „Radfahrer stehen schon im Verdacht, dass sie auf Wegen unterwegs sind, die eher unerschlossen sind“, sagt Georg Huber.

Franz Knarr, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Rosenheim, macht darauf aufmerksam, dass das Befahren gesperrter Wege bereits jetzt unter Strafe steht. „Aber schön ist das natürlich nicht. Wer will schon den andern anzeigen?“

Ob Verbote und Sperrungen auf Dauer zu vermeiden sind? Mit dem E-Bike kommen auch Menschen auf Gebirgswege, die früher nicht daran hätten denken können. „Mountainbikefahren ist anstrengend, da trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt Knarr.

E-Bikes immer gefragter

Diese Hürde senkt nun Elektrokraft, für mehr und mehr Menschen. Beim Raublinger Fahrradhersteller Corratec machen E-Bikes 72 Prozent des Umsatzes aus. Tendenz steigend. Günther Scho- berth-Schwingenstein, Mitglied der Geschäftsleitung beim Radhersteller Corratec (IKO) in Raubling, sagt: „Verbote für Mountainbiker und E-Mountainbiker halten wir für ein falsches Zeichen.“

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