Corona-Lockdown in den Bars

Wiedereröffnung nach 6 Monaten: Gemischte Gefühle bei Rosenheimer Nachtgastronomen

Blicken auf die Wiedereröffnung am Samstag mit gemischten Gefühlen: (von links) die Nachtgastronomen Robert Stein, Josefine Schütz und Franz Fischer.
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Blicken auf die Wiedereröffnung am Samstag mit gemischten Gefühlen: (von links) die Nachtgastronomen Robert Stein, Josefine Schütz und Franz Fischer.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Rosenheim – Das lange Warten hat ein Ende: Am Samstag, 19. September, dürfen Bars und Kneipen nach einer sechsmonatigen Corona-Pause wieder eröffnen. Doch die Freude bei den Betreibern hält sich in Grenzen. Drei Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Franz Fischer und Alexander Stöhr, Inhaber der Bar „Nerdz“: „Ob wir aufsperren oder nicht, macht für uns keinen finanziellen Unterschied. Mit den Corona-Auflagen geht die komplette Kneipen-Atmosphäre verloren. Unsere Kneipe besteht zur Hälfte aus einer Theke. An der dürfen die Gäste jetzt aber nicht mehr stehen. In unserer Bar haben wir insgesamt nur drei Tische. Das heißt, wir können maximal 15 Leute reinlassen. Das nervt. Gerade weil wir so viel Platz haben.

Bierbankgarnitur auf der Tanzfläche?

Im Moment überlegen wir uns, ob wir vielleicht auf die Tanzfläche eine Bierbankgarnitur stellen. Das wiederum würde den Laden sehr ungemütlich machen. Auch darf nur im Hintergrund Musik laufen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir das Arbeiten in Zukunft so Spaß machen wird.

Mund-Nasen-Schutz stört Fischer

Uns persönlich stört der Mund-Nasen-Schutz am Meisten. Hier würden wir uns eine Lockerung wünschen, sodass sich die Besucher wenigstens in der Bar freibewegen können, ohne jedes Mal, wenn sie aufstehen, die Maske aufzusetzen. Letztendlich müssen wir einfach mal schauen, wie die Kundschaft die Regeln annimmt. Vielleicht können wir ein bisschen was verdienen. Die erhoffte Rettung ist es aber auf keinen Fall. Auch weil wir immer noch nicht wissen, wie wir die Pacht für den kommenden Monat bezahlen soll.“

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Robert Stein, Inhaber „Triple Inn“, „Revenge“ und „Arche“: „Ich werde meine Bars am Samstag vorerst nicht aufmachen, weil es die Beschränkungen nicht zu lassen. Mit den aktuellen Corona-Auflagen dürften nur fünf Personen an einem Tisch sitzen, heißt, es passen maximal 20 Leute in meine Lokale. Das lohnt sich nicht. Hinzu kommt, dass ich meinen Hauptumsatz an der Theke mache. Da dürfen die Besucher aber nicht stehen.

Umsatz würde nur Personalkosten decken

Ich müsste die Leute am Tisch bedienen. Das wiederum bedeutet, dass ich Thekenpersonal brauche und jemanden, der am Eingang sitzt und die Namen aufschreibt. Der Umsatz den ich am Abend mache würde also gerade einmal die Personalkosten decken. Ich hoffe jetzt darauf, dass die Inzidenzzahl für eine längere Zeit unter 35 bleibt und damit die Beschränkung aufgehoben wird, dass sich maximal fünf Menschen in Gruppen aufhalten dürfen. Dann würden 30 bis 40 Leute in mein Lokal passen und ich könnte mir vorstellen, wieder aufzusperren.

Ohne Unterstützung der Vermieter nicht möglich

Ohne die Unterstützung meiner Vermieter hätte ich die vergangenen sechs Monate nicht überstanden. Denn die Kosten laufen ja trotzdem weiter. Die musste ich zum Teil auch privat stemmen. Mein Glück ist, dass die Lokale nur mein zweites Standbein sind. Hauptberuflich arbeite ich als Kraftfahrer bei Auerbräu. Für meine Familie ist also weiterhin gesorgt. Ein kleiner Trost ist, dass die aktuelle finanzielle Lage auf die Coronasituation zurückzuführen ist und nicht auf eine schlechte Betriebswirtschaft meinerseits.

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Josefine Schütz, Inhaberin der „Party Oim“: „Natürlich mache ich auf. Im Moment verhandeln wir noch mit dem Ordnungsamt, wie viele Leute, ich in die „Party Oim“ lassen darf. Normalerweise passen 40 rein, mit den Auflagen sind es knapp 20. An der Theke haben wir eine Plexiglasscheibe angebracht. Das war eine Menge Arbeit. Aber dadurch dient die Theke für die Besucher jetzt als Rückenwand und es passen noch ein paar mehr rein. Wir müssen ab Samstag am Tisch bedienen und dürfen keine Getränke mehr über die Theke reichen.

Mindestumsatz von 35 Euro

Die Besucher sitzen jetzt eben an ihren Tischen und haben eine Gaudi und stehen nicht mehr. Ich glaube nicht, dass die Stimmung darunter leiden wird. Die Leute sind scharf darauf, dass es endlich wieder losgeht. Um die Auflagen einzuhalten, lassen wir nur Leute in die Bar, die reserviert habe. Laufkundschaft geht nicht mehr. Außerdem gibt es einen Mindestumsatz von 35 Euro.

„Geht darum, das Name nicht verloren geht“

Sonst lohnt sich das Aufsperren nicht. Aber die Leute verstehen das. Wir freuen uns, dass es jetzt endlich wieder losgeht – auch wenn ich nicht glaube, dass es sich rentiert. Letztendlich geht es auch darum, dass unser Name nicht verloren geht.“

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