Internationale Konkurrenz

Wie viel Gewicht trägt eine Feder? Rosenheimer Schüler wollen Antwort bei Physikwettbewerb finden

Ein Mechatroniker arbeitet mit einem Laser. Einen Ähnlichen wird auch Marlene Reissinger vom Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim beim internationalen Physikwettbewerb benutzen.
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Ein Mechatroniker arbeitet mit einem Laser. Einen Ähnlichen wird auch Marlene Reissinger vom Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim beim internationalen Physikwettbewerb benutzen.
  • vonKilian Schroeder
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Experimente mit Laser, Tic Tacs und Federn: Schüler vom Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim treten für Deutschland bei einem internationalen Physikwettbewerb an. Das planen die vier Schüler.

Rosenheim – Sie freue sich, wenn etwas Schönes dabei rauskomme, sagt Marlene Reissinger am Telefon. Gemeint ist ein physikalisches Experiment, genauer: Ein Laser, der in einem kleinen Winkel auf einen Seifenfilm gerichtet wird. Schön sind laut Reissinger die Verästelungen, die das Licht dann macht.

Mit ihrem Experiment tritt die 17-Jährige als eine von vier Schülern aus Rosenheim beim Austrian Young Physicist’s Tournament an – einem internationalen Physikwettbewerb, der vom 8. bis zum 10. April online stattfindet.

Online- statt Präsenzteilnahme

Das Ignaz-Günther-Gymnasium schickt dabei schon seit Jahren ein Team für Deutschland ins Rennen. Im AYPT bekommen Schüler aus der ganzen Welt physikalisch Probleme vorgeschlagen, die sie mit Experimenten bearbeiten. Das Team des Ignaz-Günther-Gymnasium bekommt dazu Teilnehmeranfragen aus ganz Deutschland, der Wettbewerb ist renommiert.

Schüler Leander Gmeiner ist zum ersten Mal beim internationalen Physikwettbewerb dabei.

Die Ergebnisse müssen die Schüler einzeln in zwölf Minuten vorstellen, bevor ein anderes Team als „Opponenten“ kritische Fragen dazu stellt und ein drittes Team die Diskussion als „Reviewer“ zusammenfasst. Jedes Team hat jede Rolle einmal inne. Normalerweise würden sich die Schüler dabei auch persönlich kennenlernen, im österreichischen Leoben, wo der Wettbewerb sonst stattfindet. Dieses Jahr läuft alles online.

Schülerin Jana Bergmann ist Teamleaderin und hat kein eigenes Experiment.

„Ich mochte Physik schon immer“, sagt Reissinger. Sie ist zusammen mit Leander Gmeiner (16) zum ersten Mal bei dem Wettbewerb dabei. „Ich freue mich schon auf die Erfahrung. Ich bin auch ein bisschen aufgeregt“, sagt Gmeiner. Dass er mit Wettbewerbssituationen umgehen kann, hat er schon bewiesen. Im vergangenen Jahr gewann er Silber in der Mathematik-Weltmeisterschaft.

Beim Wettbewerb „Horizont erweitern“

Auch die Teamkolleginnen Jana Bergmann (17) und Alisa Odobasic (14) haben schon Wettbewerbserfahrung, sie waren beide schon im vergangenen Jahr im Team des Ignaz-Günther-Gymnasiums. „Man kann hier wirklich seinen Horizont erweitern, etwas um die Ecke denken“, sagt Odobasic, die eine besondere Begabung für Naturwissenschaften hat: Sie macht neben der Schule ein Frühstudium der Mathematik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Angeleitet wird das Team von Jana Bergmann. Als „Team Leader“ muss sie kein eigenes Experiment bearbeiten. „Meine Aufgabe ist eher, die anderen zu motivieren, zu schauen, ob alle zurechtkommen.“ Außerdem entscheidet sie, wer in das Team aufgenommen wird. Der letztjährige Wettbewerb war für sie besonders schwierig – im Zeichen der beginnenden Pandemie musste er kurzfristig online stattfinden. „Da wurden wir ins kalte Wasser geworfen“, sagt sie.

Schülerin Marlene Reissinger wird beim Wettbewerb mit einem Laser arbeiten.

Diskussion auf Englisch

Dieses Jahr soll es besser laufen, und der Online-Wettbewerb hat laut Bergmann auch einen Vorteil: Für die Diskussionen auf Englisch können sich die Schüler Vokabellisten neben den Bildschirm legen.

Bevor es aber dazu kommt, müssen die Odobasic, Reissinger und Gmeiner ihre Experimente bearbeiten. Alle haben aus unterschiedlichen Problemstellungen, die eine Expertenjury des Wettbewerbs vorgegeben hat, eine ausgewählt.

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Während Reissinger sich mit dem Laser auf dem Seifenfilm befasst, beschäftigt sich Gmeiner mit einem Gewicht, das mit einer Schnur an einer Feder befestigt ist. Die vertikale Energie der Feder wird dann in Rotationsenergie umgewandelt, das Gewicht kann sich frei drehen. Gmeiner verändert dann die Parameter: Die Schwere des Gewichts, die Verteilung der Masse, indem er eine an das Gewicht hängt und beobachtet, was passiert. Alisa Odobasic dagegen hat sich ein Problem ausgesucht, dass sie „sofort angelacht“ hat. Sie lässt Tic-Tacs fallen, wobei Energien so umgewandelt werden, dass sie wieder über die Fallhöhe hinaus nach oben hüpfen.

Schülerin Alisa Odobasic lässt Tic Tacs auf eine Fläche fallen und beschäftigt sich mit den Energien, die dabei freigesetzt werden.

Gar nicht so schlechte Chancen

Zusammen üben sie schon den Wettbewerb, sogar während der Osterferien. Über Videokonferenzen macht das Team „Probefights“: Einer stellt sein Experiment vor, der andere ist in der Opposition. Die Jury spielt dann Lehrer Thomas Grillenbeck. Er betreut die Rosenheimer Mannschaft für den AYPT schon seit Jahren. „Das ist eine Möglichkeit, besonders begabte und interessierte Schüler zu fördern“, sagt Grillenbeck. „Im Unterricht gibt es selten Gelegenheit, auch mal selbst zu forschen. Bei den Experimenten für den Wettbewerb wissen ja teilweise nicht mal die Wissenschaftler, was herauskommt.“

Nicht zuletzt in Bewerbungen komme es später gut an, bei dem Wettbewerb dabei gewesen zu sein, sagt Grillenbeck. Auch wenn noch nicht klar ist, welchen Platz das Team aus Rosenheim in der internationalen Rangliste dieses Jahr belegen wird. Die Chancen stehen aber laut Grillenbeck nicht schlecht.

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