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EIN PROBLEM OHNE LÖSUNG

Wie Saatkrähen den Rosenheimer Josef Neujean an den Rand der Verzweiflung bringen

Hat die Nase voll: Seit zwei Jahren plagt sich Josef Neujean aus Rosenheim mit den Saatkrähen, die sich direkt gegenüber seiner Wohnung angesiedelt haben.
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Hat die Nase voll: Seit zwei Jahren plagt sich Josef Neujean aus Rosenheim mit den Saatkrähen, die sich direkt gegenüber seiner Wohnung angesiedelt haben.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Sie lärmen, sie koten und gehen vielen Menschen gehörig auf die Nerven: Krähen. Auch in Rosenheim sorgen die schwarzen Vögel weiterhin für Ärger. Einen Bürger hat es besonders schlimm getroffen.

Rosenheim – Eine ruhige Minute hatte Josef Neujean schon lange nicht mehr. Seit 20 Jahren wohnt der 75-Jährige im Rosenheimer Norden, seit zwei Jahren ärgert er sich über die Saatkrähen, die sich in den Bäumen direkt gegenüber seiner Wohnung angesiedelt haben.

„Während der Pandemie sollen wir möglichst zu Hause bleiben und Kontakte vermeiden. Aber das Geschrei ist nicht auszuhalten“, sagt Neujean.

Die Sehnsucht nach Ruhe auf dem Balkon

Er steht auf seinem Balkon, zeigt auf die sieben Nester. Der ununterbrochene Lärm der 14 Krähen macht jedes Gespräch nahezu unmöglich. „Es ist sehr frustrierend“, so der 75-Jährige.

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Während er spricht, beobachtet er die Vögel. Erst in der vergangenen Woche sei ein neues Nest dazugekommen. Die Freude darüber hält sich bei dem Rosenheimer in Grenzen.

Lärm wird noch schlimmer

Auch weil er weiß, dass es in den kommenden Monaten noch schlimmer wird mit dem Lärm. Nämlich dann, wenn die Jungen schlüpfen. Dabei sei die Situation schon jetzt kaum zum Aushalten. „Das Geschrei hält von Tagesanbruch bis in die Dämmerung an“, sagt seine Frau Renate. Selbst bei geschlossenen Fenstern könne man die Tiere hören.

Verwaltung mit Situation überfordert

Mehrmals hat sich das Paar deshalb an die Stadt Rosenheim gewandt und um Hilfe gebeten. Bisher ohne Erfolg.

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Denn auch die Verwaltung scheint mit der Situation überfordert. Was unter anderem daran liegt, dass die Saatkrähe unter Naturschutz steht. Heißt: Es ist verboten, die Tiere zu töten, zu fangen oder ihre Nester während der Brutzeit zu zerstören.

Auflagen, die wiederum dazu führen, dass sich die Vögel ungehindert vermehren können. Daran hätten auch die Versuche, die Nester zu entfernen oder die Tiere akustisch zu vergrämen, nichts geändert.

Musikkapelle gegen die Krähen

Rosenheim ist nicht die einzige Stadt, die den Kampf gegen die Krähen verliert. Im zwei Stunden entfernten Meitingen ließen die Bürger sogar eine Musikkapelle aufspielen, um die lärmenden Tiere zu vertreiben.

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In anderen Kommunen wurden Netze über Bäume gespannt, Eulenpuppen aufgestellt und Eier in den Nestern gegen Gipseier ausgetauscht. Maßnahmen, von denen sich die Krähen eher unbeeindruckt zeigten.

Den Lärm ertragen

Für Stefanie Bernhardt vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern keine Überraschung. Ihr Ratschlag: „In vielen Fällen erscheint es als das geringere Übel, vorübergehende Beeinträchtigungen durch Lärm zu ertragen, als sich der Gefahr auszusetzen, die Probleme nur zu verlagern.“

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Denn im schlimmsten Fall könnten die jeweiligen Maßnahmen dazu führen, dass sich die bestehenden Kolonien zersplittern, sich auf weitere Gebiete ausbreiten und in der Population zunehmen.

Endlich wieder in Ruhe auf dem Balkon sitzen

Josef Neujean und seine Frau können diesem Ratschlag nur wenig abgewinnen. „Nur weil die Vergrämung nichts bringt, kann es doch nicht sein, dass wir alles wie bisher lassen“, klagt der 75-Jährige. Er verlangt nach einer Lösung, will, dass er endlich wieder in Ruhe auf seinem Balkon sitzen kann.

Handlungsbedarf wenn Kolonie an Wohnnutzung angrenzt

Doch viel Hoffnung machen ihm die jeweiligen Behörden nicht. Zwar schreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt in seinem Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern, dass „ein grundsätzlicher Handlungsbedarf“ besteht, „wenn die Kolonie nahe an eine Wohnnutzung angrenzt“, doch auch das scheint ein eher beschwerlicher Weg zu sein.

Einzelprüfungen notwendig

„In solchen Fällen sind Einzelfallprüfungen notwendig“, bestätigt dessen Pressesprecher Günter von Lossow. Zuständig hierfür sei die Naturschutzbehörde der Stadt. Dort wird die Prüfung in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern durchgeführt, teilt von Lossow mit.

Eine schnelle Lösung gibt es nicht

Das Umwelt- und Grünflächenamt der Stadt bestätigt zwar, dass sich die Bürger an das Amt wenden können, räumt aber auch ein, dass „derzeit keine einfache Lösung des Problems angeboten werden kann“. Heißt konkret: Eine schnelle Abhilfe gibt es also nicht.

Humor noch nicht verloren

Für Josef Neujean und seine Frau Renate sind das wohl eher ernüchternde Nachrichten.

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„Möglicherweise sollten die Anwohner in andere Orte ziehen, damit es in Rosenheim mehr Platz und Freiheit für die Krähen in der Stadt gibt“, sagt er. Seinen Humor hat er immerhin noch nicht verloren. Die Ruhe auf seinem Balkon sehr wohl.

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