Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Geplatzte Förderträume

Wie Rosenheimer Häuslebauer vom Wegfall der KfW-Förderung betroffen sind

Stillstand bei den Arbeiten: Die Rosenheimerin Kristine Deyerlei hofft, dass bald ein neues Förderprogramm für die energetische Sanierung von Bestandsbauten aufgelegt wird. Schlecker
+
Stillstand bei den Arbeiten: Die Rosenheimerin Kristine Deyerlei hofft, dass bald ein neues Förderprogramm für die energetische Sanierung von Bestandsbauten aufgelegt wird. Schlecker
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
    schließen

Am Montag vergangener Woche gab das Bundeswirtschaftsministerium bekannt: Mehrere Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden eingestellt. Auch in Rosenheim stellt dies Häuslebauer vor einige Probleme.

Rosenheim – Ein ganzes Jahr haben Kristine Deyerler und ihr Partner ihren Traum vom eigenen Haus durchgeplant. Eine Doppelhaushälfte mit 90 Quadratmetern Wohnfläche, die beide renovieren und durch einen Anbau erweitern wollten. Mit rund 450 000 Euro rechnete das Paar allein für die Renovierung.

Entsprechend froh waren beide, als sie von ihrem Energieberater erfuhren, dass sie mit etwa 100 000 Euro Förderung rechnen könnten, wenn ihr Haus am Ende entsprechende energetische Richtwerte einhalte. „Anders wäre diese Renovierung für uns auch kaum zu stemmen gewesen. Statt 450 000 Euro ‚nur‘ noch 350 000 Euro ist für uns ein Unterschied wie Tag und Nacht!“, sagt Deyerler.

Viele Anträge,leere Töpfe

Umso schockierter war die 28-Jährige, als am Montag vergangener Woche bekannt wurde, dass die entsprechenden KfW-Förderprogramme gestoppt wurden. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es, die Fördertöpfe seien leer.

Dazu beigetragen haben dürfte auch der Umstand, dass schon im November die inzwischen aus dem Amt geschiedene Bundesregierung das baldige Ende der Effizienzhaus-Förderung verkündet hatte. Bis Ende Januar hieß es damals noch aus dem Haus von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), nehme die KfW jedoch noch Anträge entgegen.

Die Folge: ein Ansturm auf die Fördertöpfe, deren Budget zusehends schrumpfte, bis am Ende nicht mehr genügend Mittel übrig waren, um alle Antragssteller zufriedenzustellen.

Zu diesen gehört auch das junge Rosenheimer Paar mit seiner Doppelhaushälfte. „Wir stehen aktuell vor einem Scherbenhaufen, dem Scherbenhaufen unseres Projektes Eigenheim“, klagt Kristina Deyerler, die als Personalerin in München arbeitet. Denn zum Wegfall der ersehnten Fördersumme kommen noch andere Faktoren, die Deyerler und ihrem Freund den Traum von den eigenen vier Wänden verderben. Darunter: steigende Kosten für Handwerker und Material. Die Corona-Pandemie lässt grüßen.

In diese Doppelhaushälfte möchte Kristine Deyerlein mit ihrem Freund einziehen. Bis deren Sanierung weitergehen kann und fertig ist, wohnt das Paar noch zur Miete. Schlecker

Dem Schock folgt der Ärger: „Wie kann es sein, dass mit einem Anstieg der Förderanträge nach der Verkündung des Endes des Neubauförderprogramms nicht gerechnet wurde, sodass nun völlig überraschend kein Geld mehr da ist?“, fragt die Rosenheimerin.

Verlässliche Grundlagen schaffen

Inzwischen hat Bayerns Bauministerin Katrin Schreyer (CSU) auf die Entwicklung reagiert. Sie fordert gemeinsam mit ihren Ressortkollegen aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg eine Sondersitzung der Bauministerkonferenz.

„Der plötzliche Stopp der KfW-Förderung ist ein Desaster für Klimaschutz und Bauherren. Die Bundesregierung muss sofort verlässliche Grundlagen für Förderungen schaffen. Wir brauchen mehr und bezahlbaren Wohnraum, kein Förderchaos“, verkündete Schreyer zwei Tage nach Bekanntwerden der neuen Umstände.

Lesen Sie auch: Habeck will nach KfW-Förderstopp schnelle Anschlusslösung

Laufende Förderprogramme so kurzfristig zu stoppen, sei ein schwerer Schlag. Bauherren könnten noch nicht einmal umplanen, weil neue Förderperspektiven fehlten. „Es ist zu befürchten, dass die Zahl der neuen Wohnbauprojekte in diesem und nächstem Jahr spürbar zurückgehen wird, da die bisherige KfW-Förderung des Bundes eine wesentliche Grundlage der Projektfinanzierungen gewesen ist“, heißt es aus dem Ministerium.

Das Fatale an der aktuellen Entwicklung für die Grünen ist, dass zum Erreichen der angestrebten Klimaziele hauptsächlich der Altbestand an Häusern energetisch auf Vordermann gebracht werden müsste. So wie bei der Doppelhaushälfte von Tina Deyerler und ihrem Freund.

Denn zumindest bei Neubauten hat sich der Standard „Effizienzhaus 55“, bei dem der Energiebedarf für das Gebäude nur noch knapp über der Hälfte des üblichen liegt, weitestgehend durchgesetzt. „Wie kann es sein, dass energieeffiziente Altbausanierungen, so wie es die Ampelkoalition anstrebt, auch vom Förderstopp betroffen sind?“, fragt Deyerle in diesem Zusammenhang.

Hoffnung auf neues Programm

Sie rechnet zwar damit, dass der Bund in Sachen Altbausanierung wieder ein neues Förderprogramm auflegt, offen bleibt aber, wann. Und auch, welche Standards dann verlangt werden, um Geld aus dem neuen Fördertopf zu erhalten, steht in den Sternen.

Kristina Deyerle und ihr Freund rechnen frühesten für April mit einem neuen Programm, von dem auch ihr Bauprojekt profitieren kann. „Bis dahin stehen wir da und können nichts machen als warten und hoffen“, klagt die 28-Jährige. Und bis zu diesem Zeitpunkt liegt ihr Bauvorhaben vorerst auf Eis. Und das kostet. Denn für ihren Bestandsbau zahlen Deyerle und ihr Partner schon heute Versicherungsprämien, Strom- und Heizkosten, aber auch Müllgebühren. Zusätzlich müssen die beiden weiter zur Miete wohnen, bis ihr neues Heim endlich fertig ist.

Den ersten Schock scheint Deyerle bereits verdaut zu haben. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen gibt sie sich zweckoptimistisch. Es helfe ja nichts, einfach den Kopf in den Sand zu stecken. Geblieben ist hingegen die Verärgerung über eine Bundesregierung, die ihr Förderproblem zwar von der Vorgängerregierung geerbt hat, die mit ihrem Verhalten jedoch dem widerspricht, was sie sich zum Antritt selbst ins Stammbuch geschrieben hat.

Kommentare