Video-Überwachtung ausgewertet

Wertstoffinseln in Rosenheim: Vermüllung sorgt für Ärger – bei Stadt und Anwohnern

Vermüllte Wertstoffinsel: Wenn die Container voll sind, lassen Müllsünder ihren Abfall einfach liegen. Besonders nach Feiertagen oder nach langen Wochenenden sieht dann so manche Wertstoffinsel aus wie diese beim Rewe an der Ebersberger Straße in Rosenheim.
+
Vermüllte Wertstoffinsel: Wenn die Container voll sind, lassen Müllsünder ihren Abfall einfach liegen. Besonders nach Feiertagen oder nach langen Wochenenden sieht dann so manche Wertstoffinsel aus wie diese beim Rewe an der Ebersberger Straße in Rosenheim.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
    schließen

Kartonagen in allen Größen, Papiertüten voller Abfall und weggeschmissene Dokumente: Die Wertstoffinseln in Rosenheim ähneln oft einer Mülldeponie. Neu ist das Problem nicht. Doch wie schlimm es wirklich ist, hat jetzt die Auswertung einer Videoüberwachung ergeben.

Rosenheim– Gerd Höglinger hat die Nase gestrichen voll. Der 80-Jährige wohnt in der Kranzhornstraße, kämpft seit Jahren für mehr Sauberkeit an seiner Wertstoffinseln. Bis jetzt ohne Erfolg. „Mit dem steilen Anstieg des Internet-Handels ist der Kartonagen-Abfall lawinenartig gewachsen“, sagt Höglinger. Er kritisiert, dass die Container oft „bis obenhin voll sind“. Das wiederum führe dazu, dass die Menschen „ihr Zeug auf die Straße schmeißen“. Für Höglinger ein Unding. Immer wieder wähle er deshalb die Nummer der Stadtwerke, mache die Mitarbeiter darauf aufmerksam, dass die Container geleert werden müssen. Doch verbessert hat sich die Situation bis jetzt höchstens für ein paar Tage.

Beherrschendes Thema im Umweltausschuss

Und dabei ist Höglinger nicht der einzige Rosenheimer, der sich über die Situation an den Wertstoffinseln beschwert. Das Thema beherrschte auch die jüngste Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Klimaschutz. „Wir haben noch nie so viele Beschwerden bekommen“, sagt Ralf Seeburger, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamts.

Lesen Sie auch:

Saustall an der Wertstoffinsel: So will Rosenheim dem Chaos Herr werden

Und das, obwohl die Mitarbeiter der Stadtwerke Rosenheim von Montag bis Samstag im Einsatz sind. „Oft sind die Container gar nicht voll, sondern so zugestellt, dass die Erreichbarkeit nicht gegeben ist“, sagt Seeburger während der Sitzung. Bestes Beispiel: die Wertstoffinsel beim ESV Rosenheim.

Vor drei Jahren Videoüberwachung angebracht

In den vergangenen Jahren wurden hier immer wieder Sperrmüll, Möbel und Matratzen entsorgt. Um die Situation in den Griff zu bekommen, beschloss die Stadt vor drei Jahren, besagte Wertstoffinsel per Videokamera zu überwachen. Doch die Umsetzung gestaltete sich schwieriger als gedacht. So habe es erst ein Datenschutzproblem gegeben, da keine Gesichter aufgenommen werden durften.Es folgten ein Diebstahl der Kamera und Probleme mit der Internetverbindung des Nachfolgemodells. Zwischenzeitlich wurde dann auch noch der Masten angefahren, an dem die Kamera befestigt ist. Doch diese Probleme gehören mittlerweile der Vergangenheit an. „Die Technik läuft“, sagt Seeburger.

Umwelt- und Grünflächenamt wertet Videomaterial aus

Er ist, gemeinsam mit seinen Kollegen des Umwelt- und Grünflächenamtes, für die Auswertung des Videomaterials zuständig. „Was wir da zu sehen bekommen, ist teilweise eine Katastrophe“, sagt er. Er spricht von Menschen, die ihren Müll einfach vor den Container werfen. Von anderen, die kleine Schränke, Teppiche und Kinderwagen abladen.

Lesen Sie auch:

Rosenheimer kämpfen gegen die Abfallberge

Durch die Videoüberwachung soll genau das unterbunden werden. Denn durch die Kamera können die Kennzeichen der jeweiligen Müllsünder aufgenommen werden. Dadurch kann die Stadt den Halter ermitteln und zur Rechenschaft ziehen.

Fast 100 Verstöße seit Januar 2020

„Etliche streiten es erst einmal ab“, sagt Seeburger. Er vermutet, dass viele nicht wissen, dass es sich bei den Aufnahmen nicht nur um Fotos handelt, sondern um kleine Filmsequenzen. „Wir können also ganz genau nachvollziehen, was passiert ist“, erklärt er. Und das sei allein in diesem Jahr eine ganze Menge. Rund 50 Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit seien bereits abgeschlossen, 50 weitere laufen noch. Das Bußgeld beträgt durchschnittlich 100 Euro.

Soll mehr Reinigungspersonal eingesetzt werden?

Es ist ein erster Versuch, das Problem zu lösen. Doch ausreichen wird das nicht. Auch weil im Moment nur eine der 72 Wertstoffinseln videoüberwacht wird. „Mittelfristig müssen wir über das Thema und den künftigen Weg diskutieren“, sagt Seeburger. So laufen Überlegungen, ob mehr Reinigungspersonal eingesetzt werden soll.

Lesen Sie auch:

Rosenheimer ärgert sich über Fund im Müll: 30 Semmeln falsch entsorgt

Außerdem werde in fast jedem neuen Bebauungsplan eine Wertstoffinsel eingeplant. Eine langfristige Lösung braucht es trotzdem. Gerd Höglinger jedenfalls würde das freuen – bis dahin kämpft er weiter.

Kommentare