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Nachruf

„Wer ihre Hilfe brauchte, hat sie immer bekommen“: Die Rosenheimerin Eva Stilz ist von uns gegangen

Eva Stilz
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Eva Stilz
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Die frühere Rosenheimer Grünen-Stadträtin Eva Stilz ist verstorben. Die Sozialpädagogin war nicht nur in der Politik, sondern auch in vielen sozialen Projekten aktiv.

Rosenheim – Jeder, der Eva Stilz einmal begegnet ist, wird sie wahrscheinlich nicht so schnell wieder vergessen. Denn wer die Rosenheimerin kannte, beschrieb sie als einrucksvolle Person, die sich ihr Leben lang für zahlreiche Projekte in und rund um Rosenheim engagierte.

Die am 12. November 1960 geborene Sozialpädagogin nutzte ihr nie als selbstverständlich angesehenes Privileg einer reichen Erbschaft, um Menschen in Not zu helfen. Sei es durch die günstige Vermietung von Wohnungen, ihrem Einsatz in der Politik oder in Vereinen. Nicht zuletzt deshalb bleibt sie als Persönlichkeit der Stadt vielen Einwohnern in guter Erinnerung.

Engagiert in vielen Bereichen

„Sie war schon immer eine rührige Person, viel unterwegs und unglaublich engagiert“, sagt ihr Bruder Markus Stilz. Wer die Hilfe von Eva Stilz brauchte, habe sie immer bekommen. Um die Grundeinstellung von Eva zu verstehen, reiche ein Blick auf ihre unzähligen Projekte, die sie im Laufe ihres Lebens auf die Beine stellte – egal ob bei der Diakonie Rosenheim, dem Stadtjugendring, der Rosenheimer Caritas, ob als Leiterin eines Seminarhauses in Bad Feilnbach, als Gründerin von diversen Stiftungen oder als Vermieterin von Sozialwohnungen am Samerberg und in Rosenheim.

Ein buntes Leben rund um die Stadt

Ihr „buntes Leben“ begann dabei laut ihrem Bruder sehr früh. Aus Düsseldorf kam die Familie Stilz im Jahr 1976 nach Rosenheim. Bereits seit ihrem Schulabschluss am Ignaz-Günther-Gymnasium habe sich Stilz für sozial Schwächere eingesetzt. Und das oder gerade weil sie selbst kaum Geldsorgen hatte. Ihr Großvater Anton Betz war Verleger der Rheinischen Post und hinterließ der Familie eine reichhaltige Vermögensstiftung. Doch die Rosenheimerin ruhte sich niemals auf ihrem Geld aus, was ihre Initiative „Appell für eine Vermögensabgabe“ zeigte. Die Vereinigung setzte sich genauso wie die „Bewegungsstiftung“, bei der Stilz ebenfalls beteiligt war, dafür ein, dass deutsche Bürger mit einem hohen Einkommen deutlich mehr Steuern zahlen müssen als bisher.

Günstige Wohnungen für Bedürftige

Solange eine höhere Abgabe allerdings staatlich nicht geregelt war, verwirklichte die Sozialpädagogin die einst von ihr bezeichnete „gerechtere Umverteilung“ eben selbst. Zu ihrem 54. Geburtstag im Jahr 2015 gründete sie die soziale Hängematte, eine Anlaufstelle für alle Menschen, die Hilfe benötigten. Der von ihrem Bruder als Herzensprojekt bezeichnete Treffpunkt in der Rosenheimer Herzog-Otto-Straße sollte bei behördlichen und sozialen Fragen beraten. Zudem besaß Stilz selbst sechs Wohnungen in Rosenheim, die sie bewusst günstig an Bedürftige vermietete. Und auch ihre fünf Autos kamen immer wieder für diverse Organisationen kostenlos zum Einsatz.

Person mit klarer Haltung

„Sie war eine faszinierende Frau. Was sie sich in den Kopf gesetzt hat, hat sie einfach gemacht“, meint Bernhard Schellmoser von der Werkgemeinschaft Rosenheim, der Stilz seit 40 Jahren kannte.

Auch politisch war Stilz aktiv. Als Mitglied der Grünen saß sie von 1996 bis 2002 im Stadtrat Rosenheim. „Sie wollte immer helfen, war großzügig und ein absolut sozialer Mensch“, erinnert sich ihre Nachfolgerin Regina Georg.

Als eine Person mit klarer Haltung hinterließ Stilz auch einen bleibenden Eindruck als aktives Mitglied in der Apostelkirche oder bei der offenen Altershilfe in der Rosenheimer Diakonie, wo sie bis ins Jahr 2004 ehrenamtlich arbeitete. „Genau solche Personen braucht es“, sagt Diakonie- Geschäftsbereichsleiter Sebastian Kurz.

Einsatz geht über den Tod hinaus

Auch wenn sie mit 61 Jahren ihren Herzproblemen erlag, bleibt ihr Einsatz für sozial Schwächere in der Stadt nach ihrem Tod bestehen.

Im Testament sind einige Einrichtungen und Privatpersonen, die sie in ihrem Leben begleitete, bedacht. Ihr Engagement für die Stadt Rosenheim wird somit nicht nur den rund 100 Anteilhabenden bei ihrer Beerdigung im Gedächtnis bleiben.

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