Weniger Einbrüche und Drogendelikte: Polizei Rosenheim: „Sehr gute Sicherheitslage“

Kein Hotsport für Einbrecher:Die Anzahl derartiger Straftaten hat sich 2019 im Vergleich zu 2018 nach Angaben der Polizei nahezu halbiert. dpa
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Kein Hotsport für Einbrecher:Die Anzahl derartiger Straftaten hat sich 2019 im Vergleich zu 2018 nach Angaben der Polizei nahezu halbiert. dpa

Weniger Einbrüche, eine sinkende Anzahl an Rauschgiftdelikten und in vielen Bereichen eine überdurchschnittliche Aufklärungsquote – die Verantwortlichen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bescheinigten der Stadt Rosenheim jetzt eine „nachweislich sehr gute Sicherheitslage“.

Rosenheim – Insgesamt wurden im Jahr 2019 nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 5163 Straftaten im Stadtgebiet erfasst – der zweitniedrigste Stand seit Gründung des Polizeipräsidiums. Die Aufklärungsquote lag bei 67,8 Prozent und damit leicht über dem bayerischen Durchschnitt. Somit werden in der Stadt Rosenheim zwei von drei Straftaten aufgeklärt.

Positive Tendenz im langfristigen Vergleich

Erfreulich sei nach Angaben der Polizei die im langfristigen Vergleich sinkende Tendenz der Gewaltkriminalität: Dieser Bereich umfasst unter anderem Delikte wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, gefährliche oder schwere Körperverletzung und weitere Straftaten.

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Mit 192 dieser Straftaten verzeichnet die Polizei, trotz des Anstiegs von 18 Straftaten im Vergleich zu 2018, den zweitniedrigsten Wert seit Entstehung des Polizeipräsidiums. Hier läge die Aufklärungsquote sogar bei 80,2 Prozent und damit deutlich über dem allgemeinen Durchschnittswert. Einen signifikanten Rückgang verzeichnet die Polizei im Bereich der Tötungsdelikte mit zwei Taten. Hier waren es 2018 noch sieben.

Bei der Straßenkriminalität, zu der unter anderem Körperverletzung auf Straßen, Wegen und Plätzen, Sachbeschädigungen an Autos, und Kfz-Diebstähle zählen, verzeichneten die Ordnungshüter hingegen einen deutlichen Anstieg um 24,5 Prozent auf 1043 Delikte. Dieser Anstieg ist laut Polizei im Wesentlichen auf zwei umfangreiche Serien von Graffiti-Schmierereien und den damit verbundenen Sachbeschädigungen zurückzuführen. Der Polizeiinspektion Rosenheim sei es mittlerweile gelungen, in „akribischer Kleinarbeit“ zwei Graffiti-Sprayer zu überführen.

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Einen großen Anteil an der Kriminalstatistik haben in der Stadt auch Diebstahlsdelikte. Hier sind vom Ladendiebstahl bis zum klassischen Einbruch vielfältigste Arten vertreten. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 1425 Diebstähle zur Anzeige gebracht. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 39,6 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorjahres.

Wohnungs- und Wohnhauseinbrüche haben nach Einschätzung der Rosenheimer Ordnungshüter oft nachhaltige und umfassende Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Neben den materiellen Schäden seien die Opfer vor allem psychischen Belastungen ausgesetzt.

Thematischer Schwerpunkt

Im Jahr 2019 wurden 22 Einbrüche im Stadtgebiet angezeigt, was nahezu dem Wert von 2010 entspricht. Im Jahr 2018 war die Zahl noch annähernd doppelt so hoch. Dieser Rückgang sei nach Einschätzung der Ermittler der thematischen Schwerpunktsetzung im Rahmen der polizeilichen Arbeit sowie der „Professionalität der Schutz- und Kriminalpolizei“ zu verdanken.

Die registrierten 20 Fälle des Einbruchsdiebstahls in gewerbliche Objekte markieren den statistischen Tiefststand seit Gründung des Polizeipräsidiums. Dies bedeutet einen Rückgang von 62,3 Prozent im Vergleich zu dem ohnehin schon deutlich gesunkenen Vorjahreswert. Den Beamten der operativen Ergänzungsdienste Rosenheim gelang es Anfang Oktober 2019 zwei dringend tatverdächtige Personen festzunehmen, die für acht Einbrüche in Geschäfte in Stadt und Landkreis Rosenheim in Frage kamen.

Auch Rosenheims registrierte Rauschgiftkriminalität hat im vergangenen Jahr – entgegen dem Trend – angenommen. Und zwar um 46 Straftaten. Die 401 Rauschgiftdelikte implizieren alle Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie die direkte Beschaffungskriminalität.

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Obwohl im Bereich der Sexualdelikte die Straftaten um 7,1 Prozent auf 65 Fälle zurückgegangen sind und die Beamten zugleich eine sehr hohe Aufklärungsquote von 81,5 Prozent vorweisen können, geht laut Polizei „die Schere von gefühlter Sicherheit und tatsächlicher Sicherheitslage“ hier weit auseinander. Dies läge insbesondere an öffentlichkeitswirksamen Sachverhalten wie beispielsweise während des Rosenheimer Herbstfestes. Auch wenn zwischenzeitlich fest steht,dass diese Tat so nicht stattgefunden hat, bleibe bei vielen Menschen eine gewisse Verunsicherung bestehen.

Deliktfeld Cybercrime

Das Deliktfeld Cybercrime fasst Straftaten des Digitalzeitalters zusammen und ist ein stark wachsendes Aktionsfeld der polizeilichen Arbeit. Dieser Anstieg lässt sich auch in Rosenheim beobachten. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat auf diesen problematische Tendenz nach eigenen Angaben unter anderem mit Personalaufstockung und gezielter Ausbildung reagiert.

Auch hier konnte die Polizei aber Ermittlungserfolge vermelden: Ein 20-jähriger Rosenheimer nutzte die Verkaufsplattformen sozialer Medien für sein betrügerisches Vorgehen und musste sich wegen Warenbetrug in 90 Fällen gegenüber dem Richter verantworten. In mühevoller Kleinarbeit wurden die Daten aus Accounts und Chatverläufen der Geschädigten zusammen getragen und daraus ein Beuteschaden in Höhe von 140 000 Euro nachgewiesen.

Eng mit den Vermögensdelikten verknüpft ist das Phänomen des „Callcenter-Betrugs“ und des „Legendenbetrugs“, also Straftaten, die sich zumeist gezielt gegen ältere Menschen richten. In beiden Fällen sind die Täter findig, flexibel sowie skrupellos und handeln zumeist in Gruppen. Die Maschen reichen dabei vom Enkeltrick bis zum falschen Polizeibeamten, der versucht, die Opfer um ihr Erspartes zu bringen. Um diesen Straftaten entgegenzuwirken hatte das Präsidium bereits 2016 die Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Unfälle fordern zwei Menschenleben

Auch wenn es unter dem Strich zu mehr Einsätzen kam – die Entwicklung in puncto Verkehrsunfälle im Stadtgebiet bewertet die Polizei aufgrund des stiegenden Verkehrsaufkommens als durchaus positiv. Insgesamt ereigneten sich im Jahr 2019 im Stadtgebiet 2665 Verkehrsunfälle und damit 55 mehr als im Vorjahr. Bei diesen Verkehrsunfällen wurden insgesamt 457 Personen verletzt, zwei Menschen verloren – wie auch im Vorjahr – ihr Leben, Nach wie vor bleibe Alkohol eine Hauptunfallursache im Straßenverkehr. Hier war ein deutlicher Anstieg von 53,3 Prozent zu verzeichnen.

Um den oftmals geführten, Diskussionen bezüglich der Auffälligkeit von Zuwanderern entgegenzuwirken, betont Polizeidirektor Volker Klarner, Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim, dass es hier zu keinen besonderen Auffälligkeiten oder gar Problemen in Rosenheim kam. Dies belege das vorliegende Zahlenmaterial laut Klarner eindeutig.

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