Weniger Abwasser, mehr Feuchttücher: So arbeitet das Rosenheimer Klärwerk in Zeiten von Corona

Feuchttücher, Tampons, Binden:In der Rechenanlage im Rosenheimer Klärwerk wird der Unrat herausgefiltert. Schlecker/privat

Leere Klopapier-Regale während der Corona-Pandemie haben offenbar auch Konsequenzen für die Kanalisation: Feuchttücher, die als Alternative benutzt werden, können das Abwassersystem verstopfen. Warum sich der Rosenheimer Werksleiter Werner Willeitner (58) darüber bisher wenig Gedanken macht.

Rosenheim – Noch ist Werner Willeitner entspannt. Während sich seine Kollegen in anderen Städten über verstopfte Pumpen beklagen, läuft im Rosenheimer Klärwerk alles nach Plan. Fast. „Wir merken natürlich, dass der Abwasserzufluss ein anderer ist“, sagt Willeitner. Weil Restaurants und Betriebe geschlossen haben und viele Pendler zu Hause bleiben, fließe derzeit fast

20 Prozent weniger Abwasser, als vor Corona.

Arbeit gibt es für ihn und seine 37 Mitarbeiter trotzdem genug. Die rund 550 Liter, die derzeit statt der üblichen etwa 690 Liter pro Sekunde bei trockenem Wetter ins Klärwerk kommen, müssen gereinigt werden. Mit einer Rechenanlage wird die braune Brühe durchgekämmt.

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+++ Alles was größer als sechs Millimeter ist, bleibt zwischen den Streben des Rechens stecken. Feuchttücher seien das Schlimmste. „Sie bestehen aus einem reißfesten Kunststoffgewebe und lösen sich dadurch nicht im Wasser auf“, sagt Willeiter.

Schlimmsten Fall können Pumpwerke ausfallen

Immer wieder komme es deshalb vor, dass sich die Tücher ineinander verheddern, Rohre und Kanäle verstopfen und sich in den Abwasserpumpen verfangen. Im schlimmsten Fall kann das einen Ausfall der Pumpwerke zur Folge haben.

Kein neues Problem

Neu ist das Problem allerdings nicht. Das bestätigt auch Stefan Bröker, Pressesprecher der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Er spricht von einem „grundsätzlichen Problem“, das es bereits vor der Corona-Krise gegeben habe.

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Schon seit Jahren entstehen bei den Abwasserunternehmen dadurch „Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe“. Trotzdem befürchtet Bröker, dass sich, durch die „Toilettenpapierkrise“ die Problematik „deutlich verschärfen“ könnte. Schon jetzt gebe es in einigen Großstädten Probleme.

In Rosenheim hat man diese Sorgen im Moment nicht. „Wir sind trotzdem auf alles vorbereitet“, sagt Werner Willeiter.

Klärwerk hat auf Schichtdienst umgestellt

So hat das Rosenheimer Klärwerk unter anderem auf Schichtdienst umgestellt. „Dadurch ist die Gefahr geringer, dass sich alle Mitarbeiter auf einmal mit dem Virus infizieren“, sagt Willeiter. Auch bei der Arbeit werde darauf geachtet, dass der vorgegebene Abstand eingehalten wird. Und sollten doch mehrere Mitarbeiter auf einmal krank werden, haben die Klärmeister die Möglichkeit, „von zuhause auf das Prozessleitsystem zuzugreifen und von dort die Kläranlage zu steuern“. Und auch wenn die Arbeit im Rosenheimer Klärwerk bis jetzt ohne größere Probleme läuft, appelliert Werner Willeiter an die Vernunft der Menschen: „Feuchttücher sind kein Klopapierersatz und gehören nicht in die Toilette.“ hei

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