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Zweimal völlig außer Rand und Band

26-Jähriger rastet in Zug komplett aus und attackiert Fahrgäste - Mann verurteilt

Zwei Jahre und fünf Monate lautet das Urteil gegen einen 26-Jährigen, der sich wegen Diebstahls und Körperverl etzung vor dem Schöffengericht Rosenheim verantworten musste.
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Zwei Jahre und fünf Monate lautet das Urteil gegen einen 26-Jährigen, der sich wegen Diebstahls und Körperverl etzung vor dem Schöffengericht Rosenheim verantworten musste.
  • VonChrista Auer
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Das Schöffengericht Rosenheim hat einen 26-jährigen wegen Körperverletzung und Diebstahls in mehreren Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Er war nicht nur einmal vollkommen ausgerastet.

Rosenheim/Waldkraiburg – Ende Juni hatte der Angeklagte mit dem Diebstahl von Waren meist geringen Werts in verschiedenen Waldkraiburger Geschäften begonnen. Hinzu kommt ein Ausraster des gebürtigen Syrers in der Regionalbahn zwischen München und Kufstein. In dieser war er ohne Maske, vor allem aber ohne Fahrschein unterwegs, weshalb er mit einer Zugbegleiterin aneinandergeriet. Ein Mitreisender aus Aschaffenburg hatte das Geschehen beobachtet und sich zwischen die Zugbegleiterin und den aufgebrachten jungen Mann gestellt.

Angespitzte Klinke als Waffe

Beim Stopp in Ostermünchen geriet dann ein weiterer Fahrgast, der aussteigen wollte, unversehens ins Visier des Angeklagten. Nachdem der Tuntenhausener ihn beiseiteschieben wollte, versetzte ihm der 26-Jährige einen heftigen Kopfstoß und fügte ihm dabei eine stark blutende Wunde wie auch Prellungen zu.

Anschließend holte der 26-Jährige eine angespitzte Türklinke aus seiner Gürteltasche, um sie als Waffe zu verwenden. Als ihm die Klinke aus der Hand fiel, kickte sie der Tuntenhausener mit dem Fuß außer Reichweite.

Der Aschaffenburger versuchte, den Angeklagten wegzuziehen und fing sich dabei auch einen Kopfstoß ein, bei dem er sich eine Prellung im Gesicht zuzog. Insgesamt habe es fünf Männer gebraucht, um den Angeklagten, der zu diesem Zeitpunkt einen Alkoholwert von mehr als zwei Promille hatte, schließlich am Boden zu fixieren und davon abzuhalten, sich den Kopf am Trittbrett aufzuschlagen, sagte der Aschaffenburger vor dem Schöffengericht.

Drohung, sich den Hals aufzuschlitzen

„Völlig außer Rand und Band“ – so beschrieben auch die Polizeibeamten den Zustand des 26-Jährigen, nachdem er am 16. August nach einem Fahrradunfall bei der Wundversorgung im Kreiskrankenhaus Mühldorf randaliert hatte. Mit den Worten „I kill you“, habe er den in die Klinik gerufenen Ordnungshütern gedroht und noch einige Beleidigungen draufgelegt.

Außerdem habe er gedroht, sich den Hals aufzuschlitzen, wenn er nur eine Rasierklinge hätte. Er habe ununterbrochen geredet, seine Hose runtergezogen und sein Genital gezeigt, berichtetem die Einsatzkräfte übereinstimmend. Nachdem er immer aggressiver geworden sei, mehrmals seinen Kopf mit voller Wucht gegen die Wand geschlagen und eine Polizistin geschubst habe, sei die Unterbringung ins Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg angeordnet worden.

Versucht, Polizisten zu beißen

Beim Anbringen der Handfesseln tickte der 26-Jährige dann völlig aus. Mit einem Kopfstoß fügte er einem Polizisten eine Jochbeinprellung zu. Auch dessen Brille ging bei der Attacke kaputt. Erst mit Unterstützung einer weiteren Polizeistreife gelang es, den tobenden Angeklagten, der zu diesem Zeitpunkt mit rückgerechnet etwa 1,8 Promille alkoholisiert war, zu fixieren.

Ruhe gab er aber auch im Anschluss nicht. Mit Spuckattacken hielt er die Beamten weiter auf Trab.

„Als ich ihm ein Spucktuch vor den Mund halten wollte, hat er versucht, mich zu beißen“, berichtete eine Polizistin vor Gericht. Schließlich habe es einige Beruhigungsspritzen des medizinischen Personals gebraucht, um den Angeklagten davor zu schützen, sich selbst zu gefährden.

Vor Gericht räumte der Angeklagte alle Tatvorwürfe ein. Er gab jedoch an, sich nur an die Diebstähle erinnern zu können. Der medizinische Gutachter Dr. Rainer Gerth bescheinigte dem 26-Jährigen einen mittelschweren bis schweren Rauschzustand während seiner beiden Ausraster.

Anklage beantragt drei Jahre Haft

Bei den Diebstählen gebe es keine Hinweise auf eine verminderte Steuerungsfähigkeit. Der Angeklagte trinke zuweilen zu viel Alkohol, eine massives Suchtproblem liege aber nicht vor. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei aufgrund der fehlenden Aussicht auf einen Therapieerfolg nicht angezeigt, so die Ausführungen des Gutachters.

Die Anklage wertete die Kopfstöße und die Absicht, die Türklinke als Waffe zu nutzen, als gefährliche Körperverletzung. Die fünf Diebstähle des Angeklagten seien als gewerbsmäßig zu sehen und beim Strafmaß entsprechend zu würdigen. Trotz laufender Ermittlungen hätten sich die Straftaten des Angeklagten ständig gesteigert. Bei der Vielzahl an Straftaten sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren angemessen, fand die Anklage.

Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Der Verteidiger des 26-Jährigen plädierte auf eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten, deren Höhe er ins Ermessen des Gerichts stellte. Er vertrat die Ansicht, dass es sich bei den Kopfstößen und den damit verbundenen Verletzungen um keine gefährliche, sondern nur einfache Körperverletzung gehandelt habe. Bei den Diebstählen wiederum sah er keinen Anhaltspunkt, dass sein Mandant diese begangen habe, um hieraus Einnahmen zu erzielen.

Das Schöffengericht folgte dieser Argumentation, war aber der Ansicht, dass eine Bewährungsstrafe nicht ausreiche. Der Angeklagte sei zwar nicht vorbestraft, habe bei dem Vorfall im Zug eine erhebliche Brutalität an den Tag gelegt und die Zahl seiner Taten stufenweise gesteigert, hieß es in der Urteilsbegründung.

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