Wegen Brandschutz geschlossen: Ärger über Ende des Bücherverleihs in der Rosenheimer VHS

Wollen den Bücherverleih zurück: Eva Markstein (links) und ihre Nachbarin Elfriede Ehlers (79) haben etliche Bücher in der Rosenheimer Volkshochschule getauscht. Heise

Schlechte Nachricht für alle Bücherliebhaber: Der Bücherverleih in der Volkshochschule am Busbahnhof in Rosenheim ist seit November 2019 aufgelöst. Des Brandschutzes wegen. Eine Entscheidung, die einige Leseratten auch heute noch verärgert.

Rosenheim – Wo sich einst Bücher stapelten und Menschen tummelten, herrscht jetzt gähnende Leere. Die Glasvitrine wurde ausgeräumt, die 500 Bücher an andere Tauschstellen vergeben. Ein weißer Zettel informiert über die Schließung des Bücherverleihs, bittet um Verständnis.

Vitrine soll vorerst leer bleiben

Das Ende der Büchervitrine, einer Kooperation der Stadtbibliothek und der Volkshochschule, ist schnell erzählt. Bei einer Kontrolle des zentralen Gebäudemanagements der Stadt Rosenheim wurden die Mitarbeiter der Volkshochschule auf die Brandschutzmängel aufmerksam gemacht. In der Folge entschlossen sie sich „schweren Herzens“, die Vitrine zu schließen.

Lesen Sie auch: Leseratten in der Bank in Soyen

Einen Plan B gab es nicht, ein „Umbau der Büchervitrine stünde in einem unverhältnismäßig hohen Kosten-Nutzen-Verhältnis“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Also bleibt die Vitrine vorerst leer. Was bleibt, ist die Enttäuschung bei denjenigen, die das Angebot regelmäßig genutzt haben. „Ich kann und will nicht glauben, dass eine so gute und sinnvolle Einrichtung wieder verschwinden soll“, schreibt Irmgard Furtner in einem Leserbrief.

Täglich Kinderbücher für die Enkel

Fassungslosigkeit auch bei Eva Markstein (65). Die Rosenheimerin nutzte zwei Jahre lang die Tauschbibliothek. Sie nahm sich Bücher aus der Glasvitrine, tauschte sie gegen Bücher, die sie von zu Hause mitbrachte. Für ihre Enkel brachte sie Kinderbücher mit. Sie selbst wählte meist aus den zahlreichen Romanen aus. Groß ist die Enttäuschung auch bei Marksteins Nachbarin Elfriede Ehlers. Die 79-Jährige stattete der Büchervitrine täglich einen Besuch ab.

Rosenheimerin nutzte Angebot für vier Jahre

Vier Jahre lang stöberte sie durch die zahlreichen Kochbücher, Krimis und Sprachbücher. Einige nahm sie mit nach Hause, andere las sie direkt vor Ort, während sie auf ihren Bus wartete. Ihr sei bewusst, dass es ähnliche Angebote am Bahnhof und im Bürgerhaus Happing gebe. „Dass ist für mich aber viel zu weit weg“, sagt sie.

+++

Tipp der Redaktion:Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion.Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Jetzt hofft sie auf eine Lösung, hofft, dass sich in der Innenstadt ein ähnliches Angebot realisieren lässt. Für ganz ausgeschlossen hält Monika Hochmuth von der Stadtbibliothek diese Möglichkeit nicht. „Es wäre sehr wünschenswert, dass in der Innenstadt wieder ein Büchertausch möglich ist“, sagt sie. Ideen, wo genau dieser sein könnte, gebe es allerdings noch nicht. „Wir denken immer wieder darüber nach“, sagt sie. Auch weil das Angebot bei den Rosenheimern gut angekommen sei, die Rückmeldungen durchweg positiv gewesen seien.

Motto: „Tauschen statt Kaufen“

Unter dem Motto „Tauschen statt Kaufen“ hatte sich die heute 23-jährige Regina Moser im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in der Stadtbibliothek vor vier Jahren das Konzept überlegt. Der Ort sei damals rasch gefunden gewesen, das Erdgeschoss der Volkshochschule wie gemacht gewesen für das Vorhaben der jungen Rosenheimerin. „Der Eingang war wunderbar geeignet, weil an diesem Ort viele Menschen zusammenkommen“, sagt auch Monika Hochmuth.

Ehrenamtliche kümmert sich um Ordnung und Sauberkeit

Gemeinsam habe man nach einem Ort gesucht, an dem Menschen Zeit haben. Etwa weil sie auf den Kursbeginn warten oder auf den Bus. „Wie kann man seine Zeit besser nutzen, als in ein Buch hinein zu schmökern“, sagt Hochmuth.

Lesen Sie auch: Aus Telefonzelle wird Tauschzelle

Die Mitarbeiter der Stadtbibliothek selbst brachten immer wieder „gut erhaltene Medien“ in die Vitrine. Einmal in der Woche schaute Eva Lindner, eine Ehrenamtliche der Stadtbibliothek, nach den Büchern. Ordnete sie, sortierte die schlecht erhaltenen Bücher aus.

Projekt hat großen Anklang gefunden

„Es ist schade, dass es die Büchervitrine nicht mehr gibt“, sagt Regina Moser. Aber es freut sie auch, dass das Projekt so großen Anklang gefunden hat. Und vielleicht gibt es ja doch noch eine Lösung. Eva Markstein und Elfriede Ehlers würde das jedenfalls freuen.

Kommentare