Was steckt hinter der Stadtführung „Alles Dirndl und noch viel mehr“ in Rosenheim?

Teilen eine Leidenschaft für Dirndl: Sophie Lanzinger (links) vom Trachtengeschäft Beo und Stadtführerin Susanne Rainer-Hennes (rechts)Schroeder
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Teilen eine Leidenschaft für Dirndl: Sophie Lanzinger (links) vom Trachtengeschäft Beo und Stadtführerin Susanne Rainer-Hennes (rechts)Schroeder

Ein Gewand mit einer langen Geschichte: das Dirndl. Interessierte können bei der Stadtführung in der Rosenheimer Innenstadt am Freitag, 25. September, mehr über die bayerische Tracht erfahren.

Von Kilian Schroeder

Rosenheim – Ein Dirndl als Arbeitskleidung? Heute kaum mehr vorstellbar. Doch so war es einmal üblich, erzählt Susanna Rainer-Hennes. Sie muss es wissen: Die 61-Jährige hält am Freitag, 25. September, in Rosenheim die Stadtführung „Alles Dirndl und noch viel mehr“. Darin erzählt sie anhand historischer Orte in Rosenheim von der bayerischen Tracht, ihrer Geschichte und was für eigentümliche Bräuche sich mit der Zeit entwickelt haben.

„Für viele ist das Dirndl inzwischen eine Verkleidung zum Herbst- oder Oktoberfest“, sagt Rainer-Hennes. „Aber eigentlich ist es ein Gewand, das eine lange Geschichte und auch eine große Wertigkeit hat.“ Im Gegensatz zur 20-Euro-Tracht, die es am Bahnhof zu kaufen gibt, besteht für sie ein gutes Dirndl aus hochwertigen Stoffen und sorgfältiger Arbeit.

„Mit Anstand und Würde tragen“

Sie selbst ist mit dem Dirndl groß geworden: „Es hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, ich wurde im Dirndl eingeschult, habe meinen Mann im Dirndl kennengelernt und hatte bei der Taufe meiner Kinder immer ein Dirndl an“, sagt die 61-Jährige. Schon ihre Großmutter hat ihr gesagt, sie solle ihr Dirndl „mit Anstand und Würde“ tragen. Das hat sich Rainer-Hennes zu Herzen genommen: Noch immer versichert sie das ihren Dirndlschneiderinnen, wenn sie mal wieder eines ihrer über 20 Gewänder abholt.

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Auf die Idee, eine Stadtführung über die Tracht zu machen, kam Rainer-Hennes, als sie im Dirndl auf dem Markt in Rosenheim war. Es war kurz nach dem Herbstfest und zwei junge Männer kamen zu ihr und sagten ihr, dass sie die Wies’n verpasst hätte. „Da wollte ich etwas darüber machen, dass das Dirndl mehr als ein Kostüm ist“, sagt Rainer-Hennes. Seit letzten Winter hat sie in Büchern recherchiert, alte Fotos untersucht und auch ihr eigenes Wissen aus einem traditionellen Haushalt zu nutzen gewusst. Da sie schon länger Stadtführungen zu anderen Themen in Rosenheim gibt, hat sie sich gleich mit ihren Kollegen von der Stadtführerzunft abgesprochen.

Dirndl war im Mittelalter Arbeitskleidung armer Leute

Am Freitag erfahren dann die Zuschauer vom Ursprung des Dirndls im Mittelalter als Arbeitskleidung armer Leute. Erst rund um das 18. Jahrhundert entdeckten die wohlhabenden Menschen in den Städten die Tracht als Symbol für das Landleben und die Gesundheit. Rainer-Hennes stellt dabei den Bezug zur Rosenheimer Geschichte her, etwa zur Eisenbahn, die damals am Münchner Tor vorbeiführte oder zur Rosenheimer Saline. Besonders aufgewertet sei die Tracht von den Wittelsbachern worden, die sie oft trugen. Wenn Rainer-Hennes in ihrer Führung von den verschiedenen Bräuchen rund um die Tracht erzählt, kommen auch die Männer auf ihre Kosten.

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Ein Teil der Führung läuft auch am Trachtengeschäft „Beo“ in Rosenheim vorbei. Dort erklärt Verkäuferin Sophie Lanzinger, was ein echtes Dirndl ausmacht. „Die Passform ist das A und O bei einem Dirndl. Die bekommt man nur mit schönen Knöpfen. Ein Reißverschluss hat bei einem gescheiten Dirndl nichts zu suchen“, sagt Lanzinger. Außerdem müsse die Schürze ein paar Zentimeter kürzer als der Rock sein. Rainer-Hennes hat gleich ein perfektes Beispielexemplar an.

Die Tracht müsse sich aber auch verändern, sagt sie. „Ich zum Beispiel finde es cool, wenn man Bikerschuhe zum Dirndl trägt oder ein T-Shirt zur Lederhose“, sagt die Stadtführerin. „Die Tracht muss ja jung bleiben.“ Dabei soll es aber nicht verkitscht werden.

Mit der Tracht in die Vorlesung

Sie sagt, man braucht mindestens drei Dirndl: „Ein schwarzes, weil es immer passt, ein Waschdirndl, das auch schmutzig werden darf und ein Festtagsdirndl, in dem schöne Stoffe verarbeitet sind“, sagt Rainer-Hennes. Ihren Kindern hat sie deshalb auch einige vererbt. Stolz erzählt sie, dass ihre Tochter in ihrer ersten Vorlesung im Studium in Bamberg in der Tracht saß.

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Für Rainer-Hennes ist die Führung in der Rosenheimer Innenstadt eine Herzensangelegenheit. „Dirndl ist für mich wie ein Stück Heimat zum Anziehen“, sagt sie. Besonders freut sie sich deshalb, wenn sich Frauen bei der Führung „aufdirndln“.

Mehr Infos zur Führung:

Wer an der Führung „Alles Dirndl und noch viel mehr“ teilnehmen will, kann sich unter der Nummer 0172/8851943 sowie der E-Mail Adresse susanne.rainerhennes@gmail.com anmelden. Dabei wird ein Unkostenbeitrag von sieben Euro fällig. Neben Freitag, 25. September, gibt es noch einen zweiten Termin am darauffolgenden Freitag, 2. Oktober. Treffpunkt ist jeweils um 14.30 Uhr am Nepomukbrunnen. Die Führung kann auch extra für private Anlässe gebucht werden. Aufgrund der Corona-Auflagen dürfen nur 20 Personen teilnehmen, es muss Abstand gehalten werden, und alle Teilnehmer müssen einen Mund-Nasen-Schutz dabei haben.

Susanne Rainer-Hennes hat schon in der Kindheit gern Dirndlkleid getragen.

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