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Zum Tag der Kinderhospizarbeit

Warum Tod kein Tabuthema sein sollte: Rosenheimer Kinderhospiz-Mitarbeiter über ihre Arbeit

Arbeiten seit zweieinhalb Jahren im Rosenheimer Kinderhospiz: Christina Schultz und Christiane Greinsberger.
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Arbeiten seit zweieinhalb Jahren im Rosenheimer Kinderhospiz: Christina Schultz und Christiane Greinsberger.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Das Kinderhospiz unterstützt Eltern mit schwerkranken Kindern, will Familien Kraft geben und Ängste nehmen. Zum Tag der Kinderhospizarbeit sprechen die Fachkräfte Christiane Greinsberger und Christina Schultz vom Rosenheimer Kinderhospiz über ihre Arbeit und warum der Tod kein Tabuthema sein sollte.

Die meisten Menschen versuchen, den Tod auszublenden. Sie nicht.

Christiane Greinsberger: „Der Tod gehört zum Leben dazu. Dennoch wissen viele Menschen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Wir bekommen ja mit, wie es den jeweiligen Eltern ergeht, wenn ihr Kind stirbt. Da wechseln manche Bekannte und Nachbarn lieber die Straßenseite, als das Gespräch zu suchen.“

Wie sollte man sich in Ihren Augen verhalten?

Christina Schultz: „Mein Motto, das ich auch immer wieder bei den Schulungen der Ehrenamtlichen sage, ist: Hinsetzen, Klappe halten und das Herz öffnen. Es ist wichtig, keine Angst zu haben. Wenn man sein Herz öffnet, dann traut man sich auch, gemeinsam zu schweigen, sich zu umarmen oder das zu sagen, was einem auf der Zunge liegt.“

Das Wort Hospiz macht nach wie vor vielen Menschen Angst, weil sie es mit dem Tod verbinden.

Christina Schultz: „Auch deshalb leisten wir Aufklärungsarbeit und halten Vorträge an Schulen mit dem Ziel, die Themen Sterben, Tod, Krankheit und Gesundheit in den Alltag zu integrieren. Wir wollen, dass die Familien wissen, dass nur weil wir kommen, es nicht automatisch heißt, dass ihr Kind sterben wird. Wir haben viele Familien, die wir schon seit Jahren betreuen. Und manche Kinder werden auch wieder gesund.“

Das Kinderhospiz unterstützt Familien mit schwerst- oder lebensbedrohlich erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Christiane Greinsberger: „Ich habe zum Beispiel erst vor einigen Wochen einen Fall abgeschlossen. Der Bub hatte eine Krebserkrankung. Mittlerweile geht es ihm aber wieder besser und die Familie braucht meine Unterstützung nicht mehr.“

Das Ambulante Kinderhospiz gibt es jetzt seit fast zweieinhalb Jahren in Rosenheim. Davor gab es lediglich eine Anlaufstelle in München. War der Schritt richtig?

Christiane Greinsberger: „Ja. Das Angebot wird sehr gut angenommen, auch wenn die Corona-Pandemie natürlich vieles erschwert hat. Es war definitiv der richtige Schritt, nach Rosenheim zu kommen. Es ist wichtig, präsent zu sein. Im Moment betreuen wir 45 Familien. Bei einem Großteil sind die Kinder erkrankt. Aber wir haben auch zehn Familien, bei denen es einem Elternteil schlecht geht.“

Wie wollen Sie das Angebot bekannter machen?

Christine Schultz: „Unser Ziel ist es, noch mehr Familien zu erreichen. Man könnte sagen, dass bei uns eine Aufbruchsstimmung herrscht. Wir wollen ein offenes Haus für Betroffene. Wir planen beispielsweise eine Angehörigengruppe, in der sich betroffene Eltern untereinander austauschen können. Überlegt wird auch, ob es sinnvoll ist, Tage zu haben, an denen beispielsweise Geschwister oder Väter von Betroffenen zusammenkommen, um gemeinsam Sport zu machen oder Ausflüge zu unternehmen. Quasi ein Stück normales Leben. Vorstellbar wäre auch ein Tag für Menschen, die zwar nicht betroffen, dafür aber an unserer Arbeit interessiert sind. Die Anfragen sind bereits raus. Wir hoffen mit einer Umsetzung ab Sommer. Falls sich die Pandemie bis dahin beruhigt hat.“

Glauben Sie nicht, dass die Hemmschwelle gerade bei Nicht-Betroffenen zu groß ist, um ein Kinderhospiz zu besuchen?

Christine Schultz: „Klar gibt es eine Hemmschwelle. Aber mit solchen Tagen wollen wir versuchen, diese Schwelle herabzusetzen. Es muss normal werden, über Themen wie Tod und Sterben zu sprechen.“

Die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz hat in München Angebote im Programm, die ähnlich zu Ihren Plänen sind. Orientieren Sie sich hier an den Kollegen?

Christine Schultz: „Natürlich ist das für uns ein gutes Gerüst. Aber wir schauen, was wir für unser Gebiet brauchen. Man merkt beispielsweise ganz gravierende Unterschiede zwischen Stadt und Land. Familien auf dem Land haben oft die Einstellung, dass sie alles alleine schaffen müssen. Anders ist die Situation in der Stadt. Hier ist man eher bereit, Hilfe anzunehmen.“

Warum ist es in Ihren Augen so wichtig, Hilfe anzunehmen?

Christiane Greinsberger: „Weil sie unbürokratisch, kostenlos und diskret ist. Keiner sollte so schwere Lebenssituationen alleine meistern müssen. Dafür sind wir da. Wir sind eine Art Rettungsgerüst am Rande, das immer da ist. Wir versuchen das mitauszuhalten, wo ein Großteil der Bevölkerung lieber wegschaut. Das bestätigen uns auch die Familien immer wieder.“

An wen denken Sie hier?

Christine Schultz: „Erst kürzlich gab es in einer Familie, die ich betreue, einen Todesfall. Die Mutter hat mich eine Stunde nach dem Tod ihres Sohnes angerufen. Das zeigt, wie wichtig das Angebot für Familien ist.“

Christiane Greinsberger: „Eine Mutter hat mir mal gesagt, dass sie nicht wüsste, was sie ohne das Kinderhospiz machen würde und das sie es ohne uns nicht schaffen würde. Das tut natürlich gut, so etwas zu hören. Wir versuchen einfach, den Familien so viel wie möglich abzunehmen. Sei es, wenn es um bürokratische Dinge geht oder darum, einfach zuzuhören. Auch dann, wenn der Tod vielleicht schon ein Jahr zurückliegt. Es gibt nun mal kein Patentrezept, wenn es um das Thema Trauern geht.“

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