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Alternative Formen des Gedenkens gewünscht

Warum sich die Rosenheimer Stadträte gegen Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen haben

Keine Stolpersteine für Rosenheim: Die kleinen Gedenktafeln dürfen auch weiterhin nur auf privatem Grund verlegt werden. Stattdessen soll es ein personalisiertes Gedenken geben.
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Keine Stolpersteine für Rosenheim: Die kleinen Gedenktafeln dürfen auch weiterhin nur auf privatem Grund verlegt werden. Stattdessen soll es ein personalisiertes Gedenken geben.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Auf den Rosenheimer Straßen, dem Ludwigsplatz oder vor der Mädchenrealschule wird es auch künftig keine Stolpersteine geben. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend mit knapper Mehrheit entschieden. Stattdessen sollen andere Formen des Gedenkens gefunden werden – wie Stelen oder Tafeln an Hauswänden.

Rosenheim – Für Thomas Nowotny fühlt es sich an wie eine Niederlage. Obwohl es eigentlich keine ist. Das weiß der Sprecher der Initiative „Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“ selbst. Und doch hat die Entscheidung, die am Mittwochabend im Stadtrat gefallen ist, für ihn einen faden Beigeschmack. „Es ist eine Schande, wie mit den Wünschen und Gefühlen der Angehörigen von Holocaust-Opfern umgegangen wird“, sagt Nowotny einen Tag nach der Entscheidung am Telefon.

Stele, Tafel oder Stolperstein

Der Kinder- und Jugendarzt hätte sich gewünscht, dass die Angehörigen selber entscheiden können, wie das Gedenken für ihre Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn aussehen soll. Egal ob Stele, Tafel oder Stolperstein. Zumindest Letzteres ist jetzt vom Tisch. Mit 23:19 Stimmen haben sich die Stadträte gegen die Verlegung von Stolpersteinen im öffentlichen Raum ausgesprochen. Aus mehreren Gründen. „Eine Gedenkform die polarisiert, ist keine würdige Gedenkform“, sagte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gleich zu Beginn der Diskussion, die – anders als in der Vergangenheit – ruhig und sachlich verlief.

Vielleicht auch gerade deshalb, weil am Ende doch alle das gleiche Ziel verfolgten: ein würdiges Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus. Nur wie das aussehen sollte, darauf konnten sich die Stadträte bis zum Schluss nicht einigen. Während sich die CSU und AfD geschlossen gegen die Verlegung von Stolpersteinen aussprachen, positionierten sich die Grünen auf der Unterstützer-Seite. Gespaltene Meinungen gab es währenddessen in den Reihen der Freien Wähler/UP und der SPD.

Formen des Gedenkens ermöglichen und nicht verbieten

„Es ist unsere Pflicht als demokratisch gewählte Organe, Formen des Gedenkens zu ermöglichen und nicht explizit zu verbieten“, sagt Sonja Gintenreiter, Fraktionsvorsitzende der Grünen und weiter: „Wer sind wir, uns über den Willen der Angehörigen zu stellen?“ Sie erinnerte an den Offenen Brief von Amnon Rimon – einem Nachfahren der Familie Block – der sich in seinem Schreiben explizit für die Verlegung eines Stolpersteins vor der Mädchenrealschule ausgesprochen hatte. Auch das Schreiben von Dr. Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, spreche eine eindeutige Sprache. Schuster hatte sich kurz vor der Entscheidung in einem Brief an Oberbürgermeister März gewandt und sich für Stolpersteine ausgesprochen. In seinen Augen seien diese eine „sehr gute und würdige Art des Gedenkens an die Opfer der Schoa“.

„Nicht über Wunsch der Familien hinwegsetzen“

Stadträtin Ricarda Krüger (Die Partei) stimmte ihrer Kollegin zu, unterstrich noch einmal, dass man sich nicht „über den Wunsch der Familien hinwegsetzen sollte“. Eine Meinung, die auch Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP teilte. Er sprach sich dafür aus, dass sowohl die Stolpersteine, als auch die von der Verwaltung vorgeschlagenen Erinnerungszeichen zugelassen werden. Zudem schlug er vor, über eine mögliche zentrale Gedenkstätte in Rosenheim nachzudenken.

Umsetzung hätte früher passieren müssen

Auch Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, sagte, dass man die Angehörigen entscheiden lassen müsste. Er drückte seine Trauer darüber aus, dass man in der Stadt erst jetzt über eine Umsetzung spreche. „Das hätte eher passieren sollen“, sagte er. Zudem hätte er es begrüßt, wenn man sich im Gremium auf einen Kompromiss hätte einigen können.

„Es sollte kein entweder oder geben. Es geht darum, das erinnert wird und nicht vorrangig wie. Lassen wir die Angehörigen entscheiden, welche Form sie wollen“, sagte Karl-Heinz Brauner (Grüne).

Gedenken mit Füßen treten

Doch genau hier gehen die Meinungen auseinander. Stadtrat Georg Kaffl (CSU) kritisierte, dass man die Stolpersteine „mit Füßen trete“. Es brauche deshalb ein Gedenken auf Augenhöhe. „Ich frage mich, was die Opfer sagen würden“, ergänzte Dr. Beate Burkl (Freie Wähler/UP). Sie glaube nicht, dass diese ihr Gedenken auf dem gleichen Boden würden haben wollen, auf den sie geworfen worden sind. Statt den Stolpersteinen würde sie deshalb Stelen bevorzugen.

Personalisiertes Gedenken

Einen Vorschlag, den Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, bereits in einem Antrag formuliert hatte. So könnten er und seine Fraktion sich sowohl personalisierte Stelen an den Orten der Erinnerung vorstellen, als auch ein Gedenken vor der Heilig-Geist-Kirche.

Mit 31:9 Stimmen haben sich die Stadträte für den Vorschlag der CSU ausgesprochen. Wie genau das personalisierte Gedenken künftig aussehen soll, steht im Moment noch nicht fest. Eine Entscheidung soll noch vor dem Sommer fallen.

Hoffnung auf anderes Ergebnis

„Ich glaube nicht, dass das ohne unsere Initiative alles stattgefunden hätte“, sagt Thomas Nowotny. Eine Niederlage ist es also wahrlich nicht. Auch wenn er auf ein anderes Ergebnis gehofft hatte.

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