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Sintflut überlebt, Lockdown nicht

Warum das Café Arche in Rosenheim schließt

Verabschieden sich von zehn Jahren „Arche“: (von links) Manuela Oberberger, Marianne Hangl, Begleitkoch Tobias Mayer und Leiter Florian Petzold.
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Verabschieden sich von zehn Jahren „Arche“: (von links) Manuela Oberberger, Marianne Hangl, Begleitkoch Tobias Mayer und Leiter Florian Petzold.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Es ist ein Ende mit Tränen: Nach zehn Jahren schließt das Café Arche in der Rathausstraße. Für die Mitarbeiter eine traurige Nachricht, für den Betreiber – die Diakonie – der einzige Ausweg. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Rosenheim – So richtig fassen kann es Tobias Mayer (36) immer noch nicht. Seit zehn Jahren ist er als Begleitkoch im Café „Arche“ tätig. Er hat Spaß an der Arbeit, liebt es, neue Rezepte auszuprobieren. An seiner Behinderung hat sich hier von Anfang an niemand gestört. „Das hat bei der Einstellung überhaupt keine Rolle gespielt“, sagt Leiter Stefan Petzold.

Im Gegenteil: Weil die Arche ein Integrationsbetrieb ist, stehen soziale Aspekte im Vordergrund. Menschen mit Behinderung und aus dem Bereich Zuverdienst werden hier angestellt. Wie gut das Konzept funktioniert, zeigt das Beispiel von Tobias Mayer.

Geplante Schließung am 31. Mai

Wenn der 36-Jährige über die Arbeit in der „Arche“ spricht, kommt er aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Umso trauriger war er, als er von der geplanten Schließung zum 31. Mai 2021 erfahren hat. „Für mich ist das eine riesengroße Enttäuschung. Das ist nicht nur ein Stich ins Herz.

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Das sind gleich mehrere.“ Er erzählt von den zahlreichen Stammgästen, davon, dass es viele Tage gab, an denen jeder Tisch mehrfach besetzt war oder Gäste keinen Platz mehr fanden. Dass ein Betrieb, der so gut gelaufen ist, jetzt schließt, ist für den 36-Jährigen unbegreiflich.

Perspektive für die Gastronomie fehlt

Doch eine andere Lösung gibt es nicht. Das sagt Klaus Voss, Geschäftsführer der Diakonie Rosenheim. „Der Lockdown und die fehlende Perspektive für die Gastronomie zwingen uns zu dieser Entscheidung und lassen uns keine andere Wahl“, sagt er.

Hinzu komme, dass die Arche als Integrationsbetrieb die zielgruppenbeschäftigten Menschen nicht mehr in dem Umfang versorgen kann, wie es für sie wichtig wäre. „Es ist unsere Aufgabe, den Menschen eine Struktur zu bieten“, sagt Voss. Doch genau das sei im Moment eben nicht möglich.

Mitarbeiter kommen anderswo unter

Schwergefallen ist dem Geschäftsführer die Entscheidung trotzdem. „Ich bin sehr traurig. In der Arche steckt mein Herzblut.“ Die vier Mitarbeiter – unter ihnen Tobias Mayer – habe er bereits informiert. Alle hätten verständnisvoll reagiert. Eben auch, weil niemand seinen Arbeitsplatz verliert.

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Sie alle kommen laut Klaus Voss in einem anderen Bereich der Diakonie unter. Für Tobias Mayer ist das nur ein kleiner Trost, auch wenn er natürlich froh ist, dass er ab Dienstag wieder arbeiten darf. „Nach fast 20 Jahren in der Gastronomie etwas anderes zu machen, ist trotzdem nicht leicht.“

Treue Gäste, gute Qualität des Essens

Ähnlich geht es Stefan Petzold. Seit zehn Jahren leitet er das Café, kann sich ein Leben ohne die Arche im Moment nur schwer vorstellen. „Ich finde es unheimlich schade. Die endgültige Schließung Ende Mai wird nicht ohne Tränen ablaufen.“

Froh, dass er das Café in den vergangenen Jahren leitete und es, wie er sagt, zu einer „festen und beliebten Institution“ machen konnte, ist er dennoch. Er lobt das Team, die Qualität des Essens und die treuen Gäste.

„Betriebswirtschaftlich nicht mehr stemmbar“

So traurig die Situation auch ist: Jammern wollen weder er noch Geschäftsführer Voss. „Viele Betriebe sind in der gleichen Situation“, sagt Voss. Nach dem ersten Lockdown sei man noch optimistisch gewesen, habe versucht, den Betrieb mit den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen irgendwie weiterlaufen zu lassen.

Doch der erneute Lockdown habe dem Betrieb „das Genick gebrochen“. „Es war betriebswirtschaftlich einfach nicht mehr stemmbar“, sagt Voss. Daran hätte auch die Überbrückungshilfe nichts geändert. Am Ende blieb nur die Schließung.

Neues Sozialprojekt ist vorstellbar

Was ab Juni mit dem Holzschiff im Mangfallpark passiert, weiß Geschäftsführer Klaus Voss bis jetzt noch nicht. „Wenn möglich, soll es ein Sozialprojekt bleiben“, sagt er.

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Tobias Mayer jedenfalls kann sich mit der Entscheidung noch nicht so recht abfinden. Er hofft darauf, dass die Diakonie ihre Meinung noch ändert, es spätestens nach der Corona-Krise ein Umdenken gibt. „Immerhin sind wir die Arche. Die sollte bei einer Sintflut nicht die Tore schließen, sondern öffnen.“

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